Ich werde versuchen, schrittweise auf das Posting zu antworten....Möge Gott mir verzeihen, dass ich als Frau und Sündige über solche Themen schreibe!
Ich versuche es, meinen Standpunkt durch Beispiele zu verdeutlichen: die Väter des Nizänums redeten von einer einzigen Hypostase Gottes, aber später wurde die Formel "ein Wesen - drei Hypostasen" übernommen. Die Begriffe haben sich geändert, nicht aber der Glaube der Kirche selbst.
Nein, das ist nicht war. Dieses Thema wurde überhaupt nicht behandelt. Es wurde verkündet, dass Der Sohn wesensgleich mit dem Vater ist. Er ist also aus derselben Hypostasis. Es handelt sich hierbei um eine Verwechslung (gewollt oder ungewollt?) der Begriffe. Hypostasis ist das Wesen oder Sein oder der Inhalt eines Geschöpfes oder auch eines anderen Objektes. Hypostasis hingegen im Sinne der drei Hypostasen bedeutet so etwas wie "Person", wird auch nur in diesem Kontext benutzt, und nicht für Menschen zB.. Im Fall des Konzils in Nicaia handelt es sich um die erste Variante, also Jesus Christus der Sohn Gottes ist wesensgleich mit dem Vater und aus seiner Hypostase geboren. Nicht so, dass Gott eine Hypostase hat, das wurde nicht gesagt.
Eben weil unsere menschliche Erkenntnis immer unvollkommen bleibt, muß die Kirche immer wieder neue Ausdrücke des Glaubens suchen, um auf die immer neu entstehenden Herausforderungen der Irrlehren zu antworten.
Die menschliche Erkenntnis bleibt nur so lange unvollkommen, wie man an seine Leidenschaften gebunden ist und der heilige Geist nicht wirken kann. Dann, zur richtigen zeit und wenn es notwendig ist, wird durch Eingebung das Dogma offenbart. Der hl. Athanasios zeigte durch ein Wunder die Wahrheit, nicht durch logische Argumente, die er sich selbst zusammengestellt hatte. Aber das steht nur den Heiligen zu.
Die Dogmen sind deshalb vor allem Grenzen (horoi), die nicht überschritten (verneint) werden dürfen, aber sie sind keine platonisch verstandenen ewigen, unveränderlichen Ideen.
In der orthodoxne Kirche glauben wir, dass Dogmen tatsächlich unveränderliche Wahrheiten (nicht Ideen) sind. Nicht wegen Platon, sondern weil...
Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien.
Die Wahrheit, nicht eine Wahrheit oder viele Wahrheiten,
eine Wahrheit.
Die Wahrheit ist also nicht an bestimmte Worte, sondern allein an den Glauben der Kirche als ganzen gebunden.
Die Wahrheit ist kein Wort, sondern der Inhalt dieses Wortes. Wir Menschen drücken uns in Wörtern aus. Die Wahrheit ist an gar nichts gebunden, wir sind an sie gebunden, sie ist die Wahrheit Gottes.
Ich relativiere nicht die Wahrheit, sondern wehre mich gegen eine Verbetonierung der Offenbarungswahrheit in bestimmte Formen. Sie sind nutzlich und heilig, aber sie müssen und können richtig immer nur in ihrem jeweiligen theologiegeschichtlichen Kontext verstanden werden. Insofern würde ich sieben mal überlegen, bevor ich jemand einer Häresie beschuldige.
Der Ausdruck "einer Häresie beschuldigen" trifft meinen Standpunkt nicht. als orthodoxe Christin weiß ich, dass alles außerhalb der orthodoxen Kirche Häresie ist. Das ist keine Beschuldigung, sondern Tatsache, für mich als Gläubige. Wie schon ein Freund im Forum sagte schon ein Tropfen schwarzer Farbe in weißer Farbe zerstört sie...oder so ähnlich.

Mehr oder weniger Häresie geht nicht.
Die Entwicklung der Glaubenslehre der Kirche bedeutet nicht deren substantiellen Zuwachs, sondern ist eher der überzeugendste Beweis der Anwesenheit des Hl. Geistes in der Kirche.
insofern gibt es in der Kirche keine "Neuerungen", sondern eine Glaubenskontinuität.
Es ist etwas anderes, wenn Nuancen des Glaubens nach und nach offenbart werden (durch den Heiligen Geist) und etwas anderes, wenn sich Menschen versammeln und an den Glaubensfragen drehen, denn diese sind unveränderlich. Neuerungen sind menschliches Werk, das dieses genau tut.
Auch in Bezug auf die vatikanischen Dogmen können wir feststellen, dass sich ihre Autoren auf die Überlieferung der Kirche beriefen - es lag ihnen fern, etwas ganz Neues einführen zu wollen.
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Im Gegensatz zu:
Natürlich, ist es dem 1. Vatikanum nicht gelungen, dem Primat einen ökumenisch akzeptablen Ausdruck zu verleihen. Aber das war auch keine Aufgabe des Konzils in jenen vorökumenischen Zeiten. Die Katholische Kirche jener Zeit sah sich vielmehr einer neuen Situation gegenüber - die neuentstandenen Nationalstaaten versuchten, ihre Macht zu brechen bzw. sie sogar unter ihre Kontrolle zu bringen. Man versuchte, dieser Gefahr entgegenzuwirken, indem man die innere Struktur der Kirche festigte.
Übersetzung: Also hier handelt es sich um eine menschliche Institution, die je nach Umständen Dogmen Gottes verkündet!
Deswegen kann man vom 1. Vatikanum auch keine tadellose Lehre über den Primat erwarten. Man tut sich zu leicht, seine Entscheidungen als "irrig" zu verurteilen. In ihnen steckt zumindest ein Körnchen Wahrheit - der Dienst des römischen Bischofs als Nachfolgers Petri an der Einheit der Kirche.
Überhaupt kein Körnchen den Orthodoxen nach, wie schon erwähnt wurde in diesem Strang.
Im Übrigen ist das 1. Vatikanum ein Paradebeispiel dafür, wie anfechtbar dogmatische Entscheidungen sein können, welche nicht aus der Notwendigkeit entstehen, eine Häresie abzuwehren.
Es ist eine häretische Synode, die nicht durch den Heiligen Geist geleitet wurde, aber durch den "unfehlbaren" Papst. Deswegen sind ihre Entscheidungen auch so paradox.
En Christo