autokephale abendl?ndische OK - wann und wie?

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Sebastian
Beiträge: 956
Registriert: 16.12.2008, 13:46
Religionszugehörigkeit: Orthodox (MP)

Beitrag von Sebastian »

Lieber V. Peter, lieber Theofan - Peter!

Es freut mich riesig, dass das Thema der abendländischen Orthodoxie eine Wiederbelebung
erfährt ;-) Einen Dank an euch beide für das Engagement !

Beim Lesen der möglichen Gestaltungsformen einer abendländischen Orthodoxie las ich aufkommende
Fragen wie: Bestuhlung, Architektur, Musik, Ritus etc. Auf den ersten Blick könnte man annehmen, es handle sich bei solchen Fragen um reine Äußerlichkeiten. Ich denke es wäre falsch, alles als Äußerlichkeiten ab zutun, denn bei der Anzahl möglicher Äußerlichkeiten läuft man Gefahr, dass all diese Äußerlichkeiten irgendwann nach Innen wirken. Man muss differenzieren. Meiner Meinung nach ist die Treue zur unverfälschten Überlieferung einziger Garant für das Bestehen einer abendländischen Orthodoxie, wobei den einzelnen Gemeinden in diesem Kontext gewisse eigenverantwortliche Entscheidungsfindungen überlassen werden könnten (so macht eine Kirchenbestuhlung / Bänke in einer Gemeinde mit überwiegend älteren Gläubigen sehr wohl Sinn - im Übrigen können Kirchenbankablehner ja stehen wenn sie wollen ;-) ).

Hilfreich wäre sicherlich auch der enge Austausch mit dem jeweiligen Bischof.

Soviel zur möglichen "Zukunftsmusik" ;-)

Fröhlichen Austausch weiterhin wünscht

Sebastian
protopeter
Priester
Beiträge: 698
Registriert: 24.07.2006, 21:21
Wohnort: Salzburg

Beitrag von protopeter »

Lieber Sebastian !

Du hast mit Deiner Beobachtung vollkommen recht: Gewisse, auf den ersten Blick als Äußerlichkeit scheinende Bedingungen können sich auf lange Sicht mehr als kontraproduktiv erweisen - hier ist dann der kirchliche Sendungsauftrag mehr als gefährdet. In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, daß es vor etwa einem Jahrzehnt selbst in den Reihen der amerikanischen Erzdiözese des antiochenischen Patriarchats (das seit 1958 mit Nachdruck die Verbreitung abendländischer orthodoxer Überlieferungen förderte) zu Dissensen über die Existenz "westlicher" Strukturen kam. Darüberhinaus mahnten schon früher namhafte zeitgenössische orthodoxe Theologen wie Bischof Kallistos (Ware) oder Protopresbyter Alexander Schmemann bei allem Respekt vor den Entwicklungen zu großer Umsicht bei der Realisierung der Vorhaben.

Immer wieder wurde auch der - im Rahmen dieser Diskussion bereits erwähnte - Vorwurf des "umgekehrten Uniatismus" erhoben: Die Orthodoxe Kirche würde unter Zuhilfenahme abendländischer Traditionen versuchen, unter Anhängern des römischen Katholizismus oder der diversen protestantischen Denominationen aktiv Mission und Proselytismus zu betreiben. Tatsächlich jedoch konnten solche Verdächtigungen immer wieder entkräftet werden; die Hinwendung zur abendländischen Orthodoxie geschah bei jenen Gemeinschaften, die sich in größerer Zahl zu diesem Schritt entschlossen, aus eigenen Motiven und Überlegungen. Zu diesen zählte auch eine Bewegung amerikanischer Evangelikaler, die vor etwa 20 Jahren den Weg in die Orthodoxe Kirche fand; wenngleich auch die daraus entstandenen Gemeinden sich entschlossen, der byzantinischen gottesdienstlichen Überlieferung zu folgen, können sie dennoch in gewisser Weise als eine Ausprägung abendländischer Orthodoxie gelten.

Brüderliche Grüße sendet
Erzpr. Peter
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Germanus
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Beitrag von Germanus »

Verehrte Diskutanten,
wie zufällig bin ich wieder auf diesen Diskussionssrang gestoßen, nachdem ich zur Frage der Taufanerkennung und der damit verbundenen Fragestellungder Kirchlichkeit noch gedankenversunken bin. Hier, bei diesem Thema, allerdings bin ich etwas mehr zuhause und meine auch, dass es sich sehr eng an die Frage der "Kirchlichkeit" anlehnt. Zugegebenermaßen: die hier vertretenen Positionen lassen mich oft ratlos zurück, nicht weil sie unverständlich wären, sondern weil durch sehr einfach klingende Argumentation manche Theologie ad absurdum geführt wird. Mich wundert da die Leichtigkeit, da z.B. J. Ratzinger/Papst Benedikt nicht unbedingt ein Kleingeist zu nennen ist. Sollte sich die theologische Tradition der RKK wirklich außerhalb der apostolischen Überlieferung gestellt haben? Weiters musste ich oft an Gespräche denken, die der Abt eines kleinen Klosters im franz. Vercors geführt hat, und an Texte von ihm. In einem schreibt er, dass es keineswegs die Kirche von Smyrna (?) war, die mit dem von dort kommenden hl. Irenäus in Lyon die Gottesdienste feierte, sondern sehr wohl die Kirche Christi in Lyon. Und sie feierte die Gottesdienste nach ihrem Ritus.
Mich macht hier betroffen, dass einer ganzen Kultur scheinbar der Weg zur Rechtgläubigkeit versperrt ist durch ein theologisches Gebäude, das mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen ist. Doch wenn das in der Kirche von Lyon bei unterschiedlicher liturgischer und wohl auch rechtlich-kanonischer Ausformung des christlichen Glaubens noch innerhlaob der orthodoxen Grenzen möglich war, warum stehen wir dann heute vor so hohen Hindernissen, die gar als unüberwindlich dargestellt werden?
Jeder archaisierende Versuch in der Liturgie ist mir in diesem Zusammenhang sehr suspekt. Die Orthodoxie hängt sicher nicht an der Form und Ausschmückung der liturgischen Gewänder, meiner Auffassung nach allerdings sehr wohl an der Form der liturgischen Feier. Und als Anfrage an V. Peter habe ich da (bei sehr dürftigem Wissen) die neugallikanische Tradition der franz. kath. orthod. Kirche vor Augen. Sie ist irgendwie unbefriedigend, gerade weil der gallikanische Ritus so ehrwürdig ist und sich in Teilen bis weit ins 19. Jahrhundert hat halten können (wenn man einzelne "ecclesiolae" als Ritusüberlieferinnen gelten läßt). Im Ganzen gesehen also eine Frage von fundamentaler Tragweite in jeder Hinsicht - für die westlichen Christen, für die orthodoxen etc.
Herzliche österliche Grüße, German
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