Verfasst: 07.06.2009, 01:37
ok, Ihr habt da bestimmt mehr Ahnung.
Vater, ich erbitte den SegenSinaitis hat geschrieben:Lieber Rene,
Danke, Du hast sehr recht. Dieses Gerede über deutsche Liturgie geht mir auf die Nerven. In München, in Stuttgart, in Mainz, in Düsseldorf, in Berlin, in Frankfurt, in Bischofsheim in Geilnau, in ... in ...in ... was weiß ich, wo, gibt es deutsche Gemeinden und deutschsprachige Gottesdienste. Die sind fast Familienbetriebe, weil kaum Interesse besteht. Mag ja sein, daß der Gesang gräßlich ist, die Uhrzeiten schrecklich und und und. Aber wegzubleiben statt mitzumachen ist nicht missionarisch. Manche fahren zig Kilometer für "byzantinische" Liturgien a la Niederalteich, aber die deutschen orthodoxen Liturgien bleiben leer.
Wer den Bock zum Gärtner macht darf sich nicht wundern wenn die Möhrchen nichts werden. Ich argumentiere damit nicht gegen die Bischöfe (und nenne sie nicht Böcke!) sondern gegen deren und Ihre Argumentationsweise. Wenn nach 40 Jahre in Deutschland, (die eigentliche Geschichte der Orthodoxie in Deuschland ist ja viel länger) nach der Einwanderng Millionen Griechen und Jugoslawen die Katholiken die Nase vorn haben im Übersetzen, dann sagt das etwas über die Bemühungen der Orthodoxie und weniger über Niederatleich. Der Stellenwert des Sackes Heimaterde ist eben doch sehr hoch. Wenn die ständige Konferenz sich noch nicht einmal auf einen einheitlichen deutschen Text der Liturgie einigen kann, dann ist das, gelinde gesagt, traurig.Sinaitis hat geschrieben: Was die nationalgeprägten Kirchen angeht, so haben die Bischöfe Recht, wenn sie feststellen, daß die Zeit für das Deutsche noch nicht reif ist. Es gibt weder genügend Übersetzungen noch gute ausgereifte Musik. Und immer nur von der Catholica unio oder von Niederalteich zu kopieren, bringt uns auch nicht weiter.
Da steht er also, der Sack Heimaterde, und genau am Analoi, vielleicht sogar noch zentraler ?? Niemand verkennt die Funktion einer nationalkirchlichen Gemeinde und niemand will da etwas weg nehmen. Die Frage aber ist doch: Wie gross ist die Funktion, die sie da einnimmt? So wie Sie es schreiben ist sie viel zu gross! Am 7. Tage endlich Ruhe vor den überfremdenden Deutschen. Das Wort 'germanisiert' berührt mich sehr unangenehm. Soviel werden Sie doch von Deutschland wissen, dass da unpassende Assoziationen hoch kommen, oder war das so gemeint? Dann wäre ich empört.Sinaitis hat geschrieben:Die nationalgeprägten Gemeinden suchen in der Kirche ein Stück Heimat, vielleicht ihre verlorene Heimat. Und Kirche ist Heimat. Deutsche Fremde haben die Menschen 6 Tage in der Woche. Wegen 0,5 % Konvertiten in einer Gemeinde kann nicht die ganze Gemeinde umgekrempelt (germanisiert) werden, zumal die fremdsprachigen Liturgien eine gewachsene großartige Tradition und Einheit von Musik Hymnik und Poesie sind. Das läßt sich nicht über Nacht eindeutschen.
Etwas anderes ist es freilich, ob man unbedingt in einer immer unbekannter werdenden Sprache predigen muß. Auch die Texte der Apostellesung hört sich in Wahrheit niemand an, wenn sie in alten Sprachen gelesen werden. Beim Evangelium verstehen die meisten wenigstens noch das Thema.
Ja, Vater, da täuschen Sie sich. Und das gleich zweimal. Zum Einen: Diese Gebete sind in konkreter Zeit von konkreten Menschen gebetet worden und das in ihrer Sprache. Und das natürlich zum Zwecke der Verständigung. Wenn ich das Morgengebet des Heiligen Makarios in griechisch oder kirchenslawisch spräche, dann würde ein Anachronismus im wahren Wortsinne entstehen. Der Herr hat doch wohl auf Aramäisch das Volk und Seine Jünger gelehrt, und auch das 'Vater-unser' ist uns nicht in der Sprache der Thora überliefert, weil die möglicherweise besser zum Herzen passen würde.Sinaitis hat geschrieben:Wahrscheinlich können mir die meisten aus ihrer Erfahrung zustimmen, daß sich die Art und Weise des eigenen Gebetes völlig ändert, wenn man statt der traditionellen altsprachigen Liturgie plötzlich eine moderne Sprache hört. Verändert sich dann nicht die ganze Atmosphäre, weil plötzlich der Verstand etwas zu tun bekommt und aktiv war, während vorher das Gebet eher im Herzen beheimatet war? Es ist ein Unterschied, ob das Gebet vom Ohr in den Verstand und (hoffentlich) ins Herz geht, oder ob der Verstand komplette Pause hat, weil er nichts versteht und nichts zu tun hat. Oder täusche ich mich?
Vater, hier kommen wir uns nahe. Allerdings: Es geht darum, die Traditionen der Kirche nicht mit griechischen oder russischen oder oder zu verwechseln. Deutsche Orthodoxe Kirchen brauchen keinen Zwiebelturm, die Schneelast ist selten so hoch, höchstens mal in Bayern, und deutsche Kirchen sollten auch nicht blau und weiss gestrichen werden, das Wetter ist zu schmuddelig. Aber natürlich brauchen deutsche Kirchen einen Ambo, einen Altarraum, eine Ikonostase, einen siebenarmigen Leuchter und Türen in der Ikonostase usw (und natürlich dürfen sie blau und weiss mit Zwiebelturm sein). DAS sind die Traditionen der Kirche und die stellt niemand zur Debatte. Und dass ein Priester priesterlich gewandet sein muss ist klar, ob er aber einen hohen Kragen oder keinen hat ist eine Geschmacksfrage oder eine Frage der Gewohnheit, keine der 'Tradition der Kirche'.Sinaitis hat geschrieben:Ich spreche nicht gegen Deutsche Liturgie, ich will nur Grenzen aufzeigen und für die Traditionen der Kirche werben. Nur wenn wir ganz in der Tradition der Kirche aufgegangen sind, können wir uns auch an die authentische Umsetzung ins Deutsche machen. Sonst produzieren wir nur bunt schillernde Fragmente und Plagiate (so wie Niederalteich und andere). Ich kenne genügend Chorleiter und Sänger und sogar Kleriker von "byzantinischen" Chören, die so gut wie noch nie einen orthodoxen Gottesdienst erlebt haben, aber glauben, genau zu wissen, wie es gehen muß. So kann keine deutsche Orthodoxie entstehen.
Hier, lieber Vater, verlasse ich Ihre Argumentation, ansonsten würde ich bissig werden. Ich sage nur: ChinesischSinaitis hat geschrieben:Umgekehrt lieben viele Deutsche Orthodoxe die orthodoxen Gemeinden so wie sie sind. Und das ist gut so. So können sie hineinwachsen in eine authentische Tradition - wie kleine Kinder. Sie verstehen zwar nicht die Texte, aber was ist an "Kyrie eleison" auch zu verstehen. Und wir ein Cherubikon auf deutsch verständlicher als wenn es auf russisch gesungen wird? Wenn in der Katechese die Liturgie erklärt und im Schema verstanden wird, dann kann man auch einer fremdsprachigen Liturgie mit ganzem Herzen folgen. Bei den Gesängen der Liturgie hilft die deutsche Sprache auch nicht viel weiter.
Was weniger an den Deutschen liegt, oder? Immerhin gibt es ja den Malzew; eine Übersetzung der Stundegebet wäre bei entsprechendem Interesse ein Sache von vielleich 3 Jahren. Aber solange die grösste orthodoxe Teilkirche ihre Mönche nach Griechenland schickt und ein Kloster in Deutschland nicht entstehen soll, solange wird es wohl so bleiben. Immerhin hat ja das Hiob-Kloster sehr wohl begonnen Texte auf Deutsch harauszugeben. Und im Dreifaltigkeitskloster in Borås widmen sich die Mönche exakt dem: Übersetzungen ins Schwedische. Kyrill war eben Mönch...Sinaitis hat geschrieben:Etwas anderes ist das Stundengebet. Aber da fehlt es ja an den Texten. Ohne Textbasis und eine Musikadaption ist jede Diskussion über das Deutsche überflüssig.
Amen! Apg. 16,9 Kommt herüber nach Zentraleuropa und helft uns (oder so ähnlich)Sinaitis hat geschrieben:Und trotzdem bleibt bestehen: Mission kann nur muttersprachlich erfolgen. Die christliche Kirche ist seit Beginn und mit dem Auftrag unseres Herrn missionarisch. Ein kulturelles, sprachliches, kirchliches Ghetto ist das Grab der Kirche.
"deren Argumentationweise" wird wohl einen Grund haben.Benedikt hat geschrieben: Wer den Bock zum Gärtner macht darf sich nicht wundern wenn die Möhrchen nichts werden. Ich argumentiere damit nicht gegen die Bischöfe (und nenne sie nicht Böcke!) sondern gegen deren und Ihre Argumentationsweise. Wenn nach 40 Jahre in Deutschland, (die eigentliche Geschichte der Orthodoxie in Deuschland ist ja viel länger) nach der Einwanderng Millionen Griechen und Jugoslawen die Katholiken die Nase vorn haben im Übersetzen, dann sagt das etwas über die Bemühungen der Orthodoxie und weniger über Niederatleich. Der Stellenwert des Sackes Heimaterde ist eben doch sehr hoch. Wenn die ständige Konferenz sich noch nicht einmal auf einen einheitlichen deutschen Text der Liturgie einigen kann, dann ist das, gelinde gesagt, traurig.
Vater, bitte segnen Sie mich.Sinaitis hat geschrieben:
Wahrscheinlich können mir die meisten aus ihrer Erfahrung zustimmen, daß sich die Art und Weise des eigenen Gebetes völlig ändert, wenn man statt der traditionellen altsprachigen Liturgie plötzlich eine moderne Sprache hört. Verändert sich dann nicht die ganze Atmosphäre, weil plötzlich der Verstand etwas zu tun bekommt und aktiv war, während vorher das Gebet eher im Herzen beheimatet war? Es ist ein Unterschied, ob das Gebet vom Ohr in den Verstand und (hoffentlich) ins Herz geht, oder ob der Verstand komplette Pause hat, weil er nichts versteht und nichts zu tun hat. Oder täusche ich mich?
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Umgekehrt lieben viele Deutsche Orthodoxe die orthodoxen Gemeinden so wie sie sind. Und das ist gut so. So können sie hineinwachsen in eine authentische Tradition - wie kleine Kinder. Sie verstehen zwar nicht die Texte, aber was ist an "Kyrie eleison" auch zu verstehen. Und wir ein Cherubikon auf deutsch verständlicher als wenn es auf russisch gesungen wird? Wenn in der Katechese die Liturgie erklärt und im Schema verstanden wird, dann kann man auch einer fremdsprachigen Liturgie mit ganzem Herzen folgen. Bei den Gesängen der Liturgie hilft die deutsche Sprache auch nicht viel weiter.
wie ich den Satz auffassen soll ist mir noch nicht ganz klar...Benedikt hat geschrieben: Ich sehe nicht, dass es sinnvoll sein könnte auf deine Antwort im Einzelnen einzugehen. Ich versuche es also ein wenig 'genereller'.
ein Sprichwort sagt, gehe nie mit deinem Gesetz in ein fremdes Kloster.Diese Aufeinandertreffen vom z.B. Russischem und Deutschem wird zur Zeit meist so gelöst, dass von der Seite orthodoxer Deutscher ein hohes Mass an Anpassungsbereitschaft geleistet wird und von Russischer Seite das 'Ertragen oder Dulden'.
So ein Unsinn! P. Martinos meinte sicher nicht das imitieren irgendwelcher Handlungen. Wie man sich Bekreuzigt kannst du auch in Büchern nachlesen, das machen auch Russen oder Griechen nicht immer richtig. Aber wir gehen nicht in die Kirche um den oder die anderen zu kritisieren, sondern um die Mysterien zu empfangen, zu Beten usw...Dabei kommen zwei Dinge übereinander, die eigentlich nicht übereinander gehören nämlich das Russische und das Orthodoxe. So sehr ich als 'Frischer' im Glauben darauf angewiesen bin zu imitieren, das was V. Martinos als Zustand des Kindes beschrieb, um mein Leben als Orthodoxer leben zu können so sehr ist es eben nicht nötig mich als Minirusse oder Pseudorusse zu entwickeln.
einverstanden. Hast du es schonmal probiert?Und Gemeinden sollten nicht nur da entstehen wo es genügend Russen oder Griechen gibt, dass eine 'Versorgung' nötig wird sondern eher mit dem Blick auf Landkarte, will sagen, wenn ein Gebiet noch keine Kirche hat, dann gehört dort eine Missionsstation gegründet. (Oder auch ein Kloster. Mir ist schon bewusst was ich da schreibe, aber Georgien, der erste christliche Staat überhaupt, wurde genau nach diesem Schema missioniert).
Also in Berlin gibt es durchaus ein orth. Zusammenleben. Gemeinden laden sich gegenseitig ein zu Patronatsfesten, da zelebrieren Priester in anderen Gemeinden mit, die Gläubigen feiern auch zusammen... wir beten auch oft für das serbische Volk (nicht nur für dieses!).Also: Ich hänge mich hier ein enig in den Wind weil ich sehe, dass die Flickenteppichlösung der national betonten Orthodoxie in Deutschland Geschichte werden muss.
Messdiener? scheinbar doch katholisch?Jeremias hat geschrieben:Erfahrungsgemäss sind es nicht nur Russen, die Nationalität und Religion verwechseln. Eine der ersten Dinge, die junge Messdiener in meiner Kirche lernen, ist die Tatsache, dass ich zwar deutsch, aber nicht katholisch bin...