Lieber Christodulos!
Natürlich weiß ich wie das zu verstehen ist. Aber wenn in diesen Stichera das halbe Orchester erwähnt wird, dann können Musikinstrumente doch gar nicht so ein Teufelszeug sein!?
Lieber Lazzaro,
es ist üblich in der Sprache der Hl. Schrift, aber auch ihr folgend in den Hymnen der Kirche! Wenn du dir zb. die Texte zum Fest der Hl. Hierarchen ansiehst ,wirst du ebenso solche Ausdrücke finden:
Mit Posaunenschall lasst uns preisen die Posaunen der Wahrheit... Lies bitte die Psalmen: dort findest du; Harfe; Pauke; Posaune....Zimbel...etz....es wird geklascht, getanzt .....
In der Frühen Kirche bzw. die Hl. Väter kannten diese Dinge wohl und doch wurde es für den christlichen Gottesdienst abgelehnt. Denn die christliche Liturgie ist die Liturgie der Engel - eine Ikone der himmlischen Liturgie. Und nur ein einziges Instrument darf Gott preisen - die menschliche Stimme, die beseelt ist mit dem Hl. Geist. Und auch dieser Gesang ist nicht irgendein Gesang, sondern ein geistiger, mystischer Engelsgesang! Es gibt Kanones wie man singen soll (siehe Kanon von Trullo - nicht zu laut, nicht schreien etz...) Wer singen darf, usw.. Der Altkirchliche Gesang war immer nur einstimmig - die Monophonie.
Das mit dem Flötenspieler hast Du schon richtig erfaßt, aber es ging doch gar nicht um die unschuldige Flöte, sondern um das was mit Ihr gemacht wird. Für mich ist das der entscheidene Unterschied.
Mir kommt dies natürlich auch komisch vor. Aber für die Väter waren diese Instrumente verbunden mit: Theater, Schauspiel, Zirkus usw..Arenen....diese lehnten sie strikt ab. Hier gibt es ebenfall Kanonen die für Christen verbieten, an solchen teilzunehmen. (ist heute auch schwer zu verstehen, aber das Christentum war immer eine sehr asketische Religion)
Ich verstehe nur eines nicht: Der Gebrauch von Musikinstrumenten verändert doch nicht den Gauben?! Wen Katholiken im Byzantinischen Ritus ohne Orgel zelebroeren werden sie doch nicht automatisch zu Orthodoxen, da sind wir uns doch einig. Genauso muß es aber auch Umgekehrt sein. Orthodoxe Liturgie mit Orgel mag zwar extrem unpassend sein, aber doch nicht den Glauben zerstörend.
... ich hatte sie schon mal gefunden und weiß um sie, nur im Moment kann ich sie nicht finden. Bei ausreichender Zeit such ich nochmal. In den Apostolischen Konstitutionen müsst man auch schon fündig werden.
Nun wären wir wieder beim leidigen Thema was zum Glauben gehört und was nicht. Ich habe das schon so oft diskutiert. In der Orthodoxen Kirche wird nicht, wie in den Westkirchen, STRENG zwischen Theorie/Dogma und Praxis/Tradition unterschieden. In der Tradition sind die Dogmen enthalten. Der Glaube setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen - nicht aus Dogmen alleine. Ich wiederhole mich, aber für den Hl. Basilius ist es dogmatisch wie man die Taufe spendet - er nennt es DOGMATA (siehe Über den Hl. Geist) aber auch das Stehen beim Gebet nach Osten. Er beschreibt wie diese Dinge zum Evangelium gehören und wer diese zerstört - so sagt er - zerstört das Evangelium. Denn diese Dinge sind von den Hl. Aposteln auf uns gekommen.
Du wirst viele zum Heil wichtige Dinge finden, die nie dogmatisiert wurden und auch nie werden. Der Glaube an die Kommunion, gibt es ein Dogma? Oder die Hölle? die Dämonen? usw.... Dazu haben wir die Hl. Tradition. Niemand kann und darf diese verändern - im Sinne von Fremdes einführen oder Althergebrachtes aufgeben. Der Hl. Johannes sagt ganz lapidar: Es ist eine Tradition in der Kirche - so suche nicht länger.
Man muss auch noch sagen, dass selbst die Christen des Westen gegen Instrumente waren. Thomas von Aquin zB aber auch Martin Luther soll gegen die Orgeln gewesen sein. Aber auch Wessely usw...
Hl. Augustinus:
"Musikinstrumente wurden nicht verwendet. The Flöte, Harfe usw... wurden so sehr mit den Heidnischen Kulten verbunden, und den verabscheuungswürdigen Aufführungen in den Theatern und dem Zirkus, dass man leicht verstehen kann wieso dieses Urteil gegen deren Gebrauch in den Gottesdiensten zustande kam: (Augustinus beschreibt den Gesang in Alexandria unter Athanasios 354)
Hl. Johannes Chrysostomus:
David sang ehemals Hymnen - so wie wir Hymnen singen. Er hatte eine leblose Lyre mit leblosen Saiten, die Kirche hat eine Lyre mit lebendigen Saiten. Unsere Zungen sind die Saiten der Lyre mit einem wahrlich anderen Ton - aber vielmehr in Einklang mit der Gottesfurcht. In der Kirche gibt es keinen Gebrauch von Zither und Saiten oder ein anderes Instrument; aber wenn du so willst werde selbst zur Zither; und bringe die Teile des Fleisches in Einklang mit dem Geist. Denn wenn das Fleisch nicht mehr gelüstet gegen den Geist, und sich unterordnet und geführt wird auf dem ehrwürdigen Pfad - dann hast du eine wahrlich geistige Melodie geschaffen.
Chrysostomus Erklärung zu den Psalmen)
Klemens von Alexandrien: Der Pädagogos:
Das taumelnde Umherschwanken aber beim Klang der Flöten und Saiteninstrumente und in Reigen und Tänzen und beim Lärm der ägyptischen Klappern und mit anderem leichtfertigem Wesen derart ist im höchsten
Grad zuchtlos und unschicklich und ungebildet, von Zimbeln und Pauken umtönt und von den Instrumenten des Irrwahns (des heidnischen Kultes) umlärmt. Denn, wie mir scheint, wird ein solches Gastmahl geradezu eine Schaustellung der Betrunkenheit.
1.
Die Pfeife sei nun den Hirten zugewiesen und die Flöte abergläubischen Menschen, die dem Götzendienst ergeben sind. Denn in der Tat sind auch diese Instrumente von einem nüchternen Gastmahl fernzuhalten, da sie mehr für Tiere als für Menschen passen und unter den Menschen nur für die Unverständigeren.
2.2 Denn wir haben gehört, daß die Hirsche durch die Pfeifen betört und durch ihren Klang von den Jägern auf der Jagd zu den Fußschlingen hingelockt werden; und wenn die Stuten besprungen werden, so wird ihnen gleichsam als Hochzeitslied eine Weise auf der Flöte vorgeblasen; ἰππόθορος (zum Pferdebespringen gehörend) nennen diese Weise die Musiker.
3. Wir müssen aber ohne jede Ausnahme alles unanständige Sehen und [S. 52] Hören und mit einem Wort jede häßliche Wahrnehmung von zuchtlosem Wesen, was aber in Wahrheit der Mangel an jedem feineren Gefühl ist, mit aller Macht ausrotten, indem wir uns vor der die Augen und Ohren kitzelnden und verweichlichenden Lust hüten; denn die listigen Zaubermittel kraftloser Weisen und klagender Rhythmen der karischen Muse 3 verderben die Sinnesart, indem sie mit ihrer zuchtlosen und verführerischen Musik zur Leidenschaft verleiten.
4.4 Von solcher Feier unterscheidet der Geist die Feierlichkeiten zur Verehrung Gottes, wenn er in einem Psalm sagt; „Lobet ihn mit dem Schall der Posaune!“ Denn mit dem Schall der Posaune wird er auch die Toten auferwecken, „Lobet ihn mit der Harfe!“ Denn die Zunge ist die Harfe des Herrn, „Und lobet ihn mit der Zither!“ Unter der Zither soll man den Mund verstehen, der von dem Lufthauch zum Tönen gebracht wird wie die Zither durch das Stäbchen. „Mit Pauke und Reigentanz lobet ihn!“ Damit meint er die Kirche, die an die Auferstehung des Fleisches denkt, wenn die (über die Pauke gespannte) Haut ertönt.
5, „Mit Saitenspiel und Orgelklang lobet ihn!“ Orgel nennt er unseren Körper und Saiten seine Sehnen, durch die er eine harmonische Spannung erhielt, so daß er, wenn er von dem Lufthauch getroffen wird, die menschlichen Laute ertönen läßt. „Lobet ihn mit Zimbeln von hellem Klang!“ Zimbel nennt er die Zunge des Mundes, die mittönt, wenn die Lippen zum Klingen gebracht werden.
42.
1. Darum rief er der Menschheit zu: „Alles, was Odem hat, soll den Herrn loben!“,1 weil er sich um alles Atmende, das er schuf, kümmert. Denn ein Friedensinstrument ist in Wahrheit der Mensch; die anderen [S. 53]
Instrumente aber wird man, wenn man sich mit ihnen beschäftigt, als kriegerisch erproben, da sie entweder die Begierden entflammen oder die Liebesleidenschaften entfachen oder den Zorn auflodern lassen.
2. So verwenden bei ihren Kriegen die Tyrrhener die Trompete, die Pfeife die Arkader, die Sikeler Harfen und die Kreter die Leier und die Lakedaimonier die Flöte und das Horn die Thraker und die Ägypter die Pauke und die Araber die Zimbel.
3.
Wir aber verwenden ein einziges Instrument, allein das friedenbringende Wort, mit dem wir Gott preisen, nicht mehr wie ehedem die Harfe und die Posaune und die Pauke und die Flöte,die jene im Kriege geübten und die Furcht Gottes verachtenden Männer bei ihren Festversammlungen zu verwenden pflegten, auf daß ihr gesunkener Mut durch solcherlei Rhythmen wieder gehoben werde.