Hallo Milo,
liebe Forumsbesucher,
zu später Stunde noch ein kurzer Bericht von mir. Ich hatte die Gelegenheit, beruflich einige Länder zu besuchen, mit den verschiedensten Religionen.
So war ich zum Beispiel in Indien, in Japan und in Südkorea. Natürlich war der Kontakt zu den Leuten hauptsächlch beruflicher Natur, aber speziell in Indien hatte ich am meisten Kontakt in dieser Hinsicht. Die Kollegen nahmen sich die Zeit, mich über das Wochenende auszuführen, und natürlich waren da Besuche von Tempeln in Bangalore und Mysore angesagt.
Gegenüber Christen, denke ich, läuft das in geregelten Bahnen, immerhin sind 10% der Inder christlich (katholisch?), wenn ich recht informiert bin (man erkennt einen Christen an den etwas einfacher auszusprechenden Namen

). Die Leute waren immer begeistert, wenn ich mit ihnen einen Tempel besuchte (so wie wenn ich begeistert wäre, ihnen eine Kirche zu zeigen). Man erzählte mir immer sehr viel über Krishna, Ganesha, ... Interessant fand ich die Aussage einer Kollegin, wonach es wohl ein Buch gibt, in dem das Schicksal jedes Menschen beschrieben steht. Sie hat den Ort aufgesucht, und sich über sich selber informiert. Mir lief es kalt den Rücken rauf und runter.
Ich muß hier zugeben, dass mir die Religiosität der Inder sehr gefallen hat. Die Religion ist sehr im alltäglichen Leben integriert, aber es resultiert hier auch eine gewisse Schicksalergebenheit.
Anekdote: es war eine zeitlang eine indische Kollegin hier tätig. Jeden Morgen, während der Rechner hochlief, versank sie in absolute Stille, die Augen zu. Ich fragte sie einmal, ob alles in Ordnung mit ihr sei, und sie sagte mir, sie bete jeden Tag vor der Arbeit. Ich schämte mich ob meiner Frage, ich hätte es mir denken können - und außerdem hatte ich sie dabei gestört.
Auf den Rückflug über Bombay (Mumbay) sind mir die sehr vielen bewaffneten Patroullien auf dem Flughafen aufgefallen. Es waren Sicherheitsmaßnahmen vor terroristischen Anschlägen, die man aus Pakistan befürchtet. Das Verhältnis der zwei Staaten sowie der religiöse Hintergrund ist wohl bekannt.
In Japan sowie in Korea gibt es auch christliche Minderheiten, mir sind jedoch keine Reibungspunkte bekannt. Zwar wurden in Japan vor Jahrhunderten wohl einige christliche Missionare hingerichtet (ich glaube sogar durch Kreuzigung), aber heutzutage gibt es da wohl durchaus sehr viel Toleranz.
In Südkorea hat einer meiner koreanischen Kollege - ein sehr lieber Freund von mir - seinen Sohn christlich taufen lassen (ich fragte allerdings nicht nach der Konfession). Erstaunt hat mich das schon etwas, da beide Elternteilen Nichtchristen sind.
Außerdem gibt es sehr sehr viele Kirchen in Südkorea. Leider hatte ich nie die Zeit und Gelegenheit eine orthodoxe Kirche aufzusuchen, denn in Korea waren meine Arbeitszeiten weit über dem, was man in Deutschland gewohnt ist.
Nordkorea war natürlich nie im Programm, aber soviel ich weiß, gibt es in Pyeong-yang eine orthodoxe Kirche.
Mein Eindruck war - und ich denke das ist nichts Neues - wie stark der Glaube doch geprägt ist von der Kultur und der Mentalität der Völker.
Generell bin ich in diesen Ländern stets warm und herzlich aufgenommen worden - aber wie gesagt, da ich nicht dort lebe, habe ich keine Alltagserfahrung machen können. Ich habe auch nie eine religiöse Diskussion angestoßen, nur Informationen erfragt.
Mein Eindruck ist daher: große Toleranz gegenüber dem Christentum.
Annyoenghi kesseyo
Nassos