Lesung des Evangelium

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Milo
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Lesung des Evangelium

Beitrag von Milo »

Hallo,

wiedermal eine Frage von mir zum Thema Gottesdienst.

Was ist "richtig"?

Wenn der Priester alleine dient, das er das Evangelium aus dem Altarraum (oder der Königspforte) liest, und wenn Diakon mitzelebriert, das dieser durch die Nordpforte mit dem Evangelium auszieht und liest...

oder,

das der Diakon ebenfalls aus dem Altarraum (Königspforte) liest, bzw. auszieht zum lesen?


Grund meiner Frage ist das Buch von Archimandrit Cyprian zum Thema Liturgik...er behauptet dort den ersten Fall...ich aber beobachte in der Praxis den Zweiten...hmm :roll:


Dank und Gruß,

unwissender milo
protopeter
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Beitrag von protopeter »

Lieber Br. Milo !

Zu Ihrer Frage folgende Antwort meinerseits: Es ist nicht unbedingt möglich, in der Unterscheidung der von Ihnen genannten Gebräuche von "richtig" oder "falsch" zu sprechen. In der Praxis der russisch geprägten Orthodoxie wird überwiegend die erstgenannte Möglichkeit zur Anwendung gebracht während in den übrigen Traditionen der Diakon das Evangelium meistens von der Königspforte aus mit dem Blick zum Volk gewandt liest. Darüberhinaus ist auch nicht mit letztendlicher Sicherheit festzumachen, welcher "Brauch" der ältere ist; in diesem Sinne wären wohl beide Formen als gleichrangig nebeneinanderstehend legitim zu bezeichnen.

Mit besten Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
Milo
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Beitrag von Milo »

Lieber v. Peter,

danke für Ihre Antwort. Ich muss dennoch noch ein bischen "nachhaken". Ich hoffe Sie verzeihen...

In den liturgischen Handlugen hat doch alles seinen Sinn, seine symbolische oder ikonologische Bedeutung. Davon ausgehend kann es doch nicht gleich (legitim) sein, wenn der Diakon mal durch die Königspforte, mal durch die Nördliche auszieht...oder?

Das Evangelium stellt doch das Wort Gottes dar, Welches in die Welt kommt...zum Zuhörer/Gläubigen selbst kommt, damit dieser Es hört zur seinem Heil. Wenn ich es richtig verstanden habe wird üblicher Weise der Vorhang nach der Lesung zu gezogen...was bedeutet dies? Nicht etwa das die Katechumenen noch nicht in das Reich Gottes eintreten können, da sie sich noch nicht taufen ließen? Ich glaube schon. Denn da endet auch der Teil der "Ketechumenen-Liturgie" und der Diakon ruf: Ketehumenen gehet hinaus, alle Katechumenen gehet hinaus, das niemand da bleibt! Und ihr Gläubigen, wieder und wieder....

Konsequenterweise müsste man sich vorstellen können das die Hl. Gaben dann evtl. auch aus einer anderen Pforte verabreichbar sind...
und das wäre ja wirklich non sense per exellance.

Euer unwürdiger schüler,

milo
protopeter
Priester
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Beitrag von protopeter »

Lieber Br. Milo !

Hier scheint nun irgendwie eine Vermischung verschiedener Elemente der Göttlichen Liturgie vorzuliegen: Natürlich haben sowohl der Kleine als auch der Große Einzug ihren Symbolwert und den daraus entspringenden festgefügten Sinn; im Falle des Kleinen Einzuges mit dem Evangelium wird das Kommen des Gottmenschen Jesus Christus als Lehrer und Vermittler der Erlösungsbotschaft dargestellt.

Die Evangeliumslesung von der Königspforte aus symbolisiert in eindeutiger Weise eben diese Verkündung der Gegenwart von Gottes Reich - in diesem Sinne ist hier die Legitimität dieses Vollzuges unbestritten. Was nun die Symbolik der Öffnung und Schließung der Königspforte und des Vorhanges anbelangt, so ist dies alles fraglos mit dem Abschluß der Katechumenenliturgie in Bezug zu setzen - wobei es auch Praxis ist, generell bei geöffneter Königspforte zu zelebrieren (besonders dann, wenn nur getaufte Glieder der Kirche anwesend sind).

Verzeihen Sie, aber Ihre gedankliche Vorstellung über eine "abweichende" Spendung der eucharistischen Gaben erscheint mir in diesem Kontext mehr als deplaziert, da dies in keiner Weise mit der ursprünglichen Fragestellung in Beziehung gebracht werden kann und darüberhinaus absolut nicht diskussionswürdig sein kann !

Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
Milo
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Beitrag von Milo »

Lieber v. Peter,


Sie haben Recht, wie immer :) , und die Sache mit den Gedanken um den Ort der hl. Gabenspendung bezieht sich auf die Frage des Ortes der Evangeliumslesung, mit der ich selbst sagen wollte das dies unmöglich wäre. Ich hoffe das sie mich hier nicht falsch verstanden haben.

Jedoch ist mir das mit dem Diakon und der Lesung des Evangeliums (Ort) noch nicht ganz klar. Zumal ja der ehrwürdige arhim. Cyprian dabei nur die eine Art erwähnte, wo er sonst alle Traditionen und Varianten (russische, arabische, jerusalimische, alexandrinische,serbische, westliche usw.) nennt, und wo angebracht ein ander gleichstellt...hier, wie gesagt, blieb er mit den "Optionen" aus. Aus diesem war mein Nachfragen entstanden. Naja, bald werde ich auch N. Kavasilas "Deutung der Liturgie" lesen, vielleich klärt es sich dort.

Verzeiht und gedenkt,

euer milo
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theofan
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Beitrag von theofan »

The deacon, having put the censer away in its customary place, approaches the priest and bows his head before him, holding his orarion with the tips of his fingers and pointing to the Book of the Holy Gospels. Then he says:

Bless, Master, him that proclaimeth the Gospel of the holy Apostle and Evangelist Name. The priest then signing him, says:

May God, through the intercessions of the holy, glorious, all-laudable Apostle and Evangelist Name, grant utterance with great power unto thee that proclaimest the good tidings, unto the fulfilment of the Gospel of His beloved Son, our Lord Jesus Christ.

And he gives him the Book of the Holy Gospels.

The deacon then says Amen, and having reverenced the Book of the Holy Gospels, receives it, and, coming out of the holy doors, preceded by candles, comes forth and stands on the ambo or the place prepared.

The priest then, standing before the holy table and turning toward the west, says:

Wisdom. Attend. Let us hear the Holy Gospel. Then: Peace be to all.

Choir: And to thy spirit. Deacon:

The reading from the Holy Gospel according to Name.
Choir: Glory to thee, O Lord, glory to thee.
Priest: Let us attend.
Quelle: http://www.sspeterpaul.org/sjcli.html

Das ist, soweit ich es überschauen kann, eine wörtliche Übersetzung des russ. synodalen sluzhebnik, ich hoffe ihr kommt damit klar. Also: Zumindest in der russischen Tradition sieht es so aus, dass der Diakon (wenn es einen gibt) den Altar durch die Königspforte verlässt und zum Ambo geht, oder zu "dem vorbereiteten Ort" der Lesung.
Der Priester steht dabei im Altarraum vor (von uns aus: hinter) der Königspforte, mit Blick auf den Kirchenraum.

Liest der Priester selbst das Evangelium (ich habe auch schon in russischer Literatur gelesen, dass das eigentlich "richtiger" wäre, selbst in Anwesenheit eines Diakons - war aber die Privatmeinung eines Dozenten), steht er dennoch nicht auf dem Platz des Diakons, sondern auf seinem eigenen - in der Königspforte.

Wichtig ist aber, dass der Diakon außerhalb des Altarraums steht. Ansonsten kann der "vorbereitete Ort" (da wo das Lesepult steht) auch der Platz vor der Altarpforte sein. .

Aber das sind Probleme... die meisten Gemeinden hier wären wohl froh, sie hätten einen Diakon. Oder wenigstens einen Ambo. :wink:

Gottes Segen!
Hans-Peter
Milo
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Beitrag von Milo »

Lieber Hans-Peter,

danke für diesen Hinweis.

Schönen Tag wünschend,

br. milo
protopeter
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Beitrag von protopeter »

Lieber Br. Milo !

In dem von Hans-Peter zitierten Text kommt genau das zum Tragen, was in den symbolischen Liturgieerklärungen (beispielweise durch den Hl. Symeon v. Thessaloniki, 15. Jahrhundert) zum Ausdruck gebracht wird: Dieser Kirchenvater unterscheidet die Form der Evangeliumslesung seitens eines Priesters oder eines Diakons eben genau dadurch, daß der Diakon das Evangelium vom Ambo(n) aus verkündet. Zur Symbolik führt er aus, daß damit der Auszug der Apostel aus Jerusalem in die Welt zur allumfassenden Verbreitung der Frohbotschaft gezeigt werden sollte.

Gemäß K. Nikolskij, Posobie k izuceniju ustava bogosluzenija Pravoslavnoj Cerkvi tritt der Diakon zur Evangeliumslesung in jedem Falle durch die Königspforte als deutliches Zeichen dafür, daß darin Zentrum und Kulminationspunkt der Katechumenenliturgie zu sehen sind; bezüglich der "Leseausrichtung" (Diakon zum Volk oder nach Osten gewandt) gibt es indessen keine verbindlichen Direktiven.

In der Hoffnung, einen Beitrag zur Klärung dieser Frage geleistet zu haben, grüßt mit besten Segenswünschen
Erzpr. Peter
Milo
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Beitrag von Milo »

Lieber v. Peter,

auch Ihnen herzlichen Dank. Diese Auslegung ist für mich voll nachvollziehbar. Hier wird eben nochmal gezeigt wie wichtig der Diakon ist, als szs. "Büroklammer" zwischen dem Altar und Kirchenschiff.
Hätte bloß jede Gemeinde einen Diakon...
:roll:

Christus unter uns,

Ihr lehrling milo
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