Hypodiakon
Hypodiakon
Nun da wir jetzt auch einen Hypodiakon unter uns haben, und ich seit langem dies wissen wollte, stelle ich jetzt die Fragen hier...
Diese richtet sich nicht nur an Sie, Hr. Thon.
Was ist die Funktion eines Hypodiakons?
Wem ist er "untergeordnet" liturgisch gesehen?
Wer kann (kanonisch gesehen? (zB. Wiederverheiratete?)) einer werden?
Wie weit reicht sein "Handlungspíelraum" im Namen der Kirche?
Es würde mich sehr freuen wenn mir jemand dazu Erklärungen gibt.
Euer br. Milo
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Nikolaj Thon
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In der Praxis sind allerdings die meisten Personen, die - vor allem beim bischöflichen Gottesdienst - das Amt des Hypodiakons ausüben, heutzutage nicht mehr geweiht, sondern einfach beauftragt, vor allem wohl auch deshalb, weil an sich an die Hypodiakone eigentlich die gleichen Voraussetzungen gestellt werden wie an die Empfänger der Cheirotonie, d.h. vor allem eine Verheiratung nach dem Weiheempfang nicht mehr möglich ist. In den Kirchen der griechischen Tradition ist das Amt weitgehend verschwunden, weshalb dort schon die kleinen Altardiener - m.E. fälschlicherweise - das Orarion tragen; in der Russischen Kirche aber werden auch weiter Hypodiakone geweiht. So gibt es derzeit in der Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche (also in Deutschland) sechs geweihte Hypodiakone. Aber ich weiß, dass vor einiger Zeit auch der bulgarische Vikarbischof einen Hypodiakon ordiniert hat.
Ipod. Nikolaj
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Nikolaj Thon
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Sodann zu den weiteren Fragen, wobei ich hier der russischen Tradition folge: Der Hypodiakon hat in der heutigen Praxis seine primären Aufgaben im bischöflichen Gottesdienst, d.h. er bekleidet den Bischof, assistiert ihm, reicht ihm Dikirion und Trikirion bzw. begleitet ihn mit diesen usw. Geweihte Hypodiakone können auch in Ausübung ihrer Funktion durch die Königstüre gehen, z.B. wenn sie den inzensierenden Bischof mit den Leuchtern begleiten.
Darüber hinaus ist er - soweit geweiht - Helfer des Diakons bzw. des Priesters bei der Zurüstung von Altar und Prothesis (er kann also auch die Altargeräte und den Hl. Tisch zubereiten usw.)
Sein liturgischer "Handlungsspielraum" ist - wie gesagt - in erster Linie der des direkten "Gehilfen" des Bischofs. Da das Hypodiakonat die zweite Weihe nach dem Lektor ist, kann und wird der Hypodiakon natürlich häufig auch die Funktion eines Lektors - besondes beim bischöflichen Gottesdienst - übernehmen (können).
Zudem ist er Mitglied des Klerus und hat grundsätzlich dessen Verpflichtungen, wie ich schon im ersten Eintrag sagte.
Ipod. Nikolaj
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protopeter
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An dieser Stelle sei es mir gestattet, auf einige kirchenrechtliche Bestimmungen, die mit dem Amt eines Hypodiakons verbunden sind, hinzuweisen - so bestimmt Kanon 15 des Konzils "im Trullo" 692, daß ein Weihemindestalter von 20 Jahren erforderlich sei (was damit zusammenhängt, daß - genau wie bei Diakonen und Priestern - die Weihe zugleich ein Hindernis zu einer späteren Eheschließung darstellt). Interessant ist, daß ursprünglich - entgegen der heute üblichen Praxis - Kanon 22 der Synode von Laodikeia (um 360) das Tragen des Orarions für (wie es im Originaltext heißt) "Helfer" ausdrücklich untersagt. Es ist darüberhinaus bekannt, daß in den abendländisch-orthodoxen Traditionen des ersten Jahrtausends die Subdiakone (wie sie dort genannt wurden) niemals das Recht erlangten, ein Orarion zu tragen.
Gemäß der kirchlichen Tradition - so zeigt es etwa der Kommentar Symeons von Thessaloniki - wird im Amt des Hypodiakons besonders der "verbindende Übergang" von der Funktion des Lektors zu jener des Diakons deutlich. Wesentlich ist auch, daß die Weihe des Hypodiakons (genau wie die des Lektors) außerhalb des Altarraumes (und vor Beginn der Liturgie) stattfindet und zum Unterschied von der Weihe der Bischöfe, Priester und Diakone, die als Chirotonie bezeichnet wird, Chirothesie genannt ist; diese qualifiziert den Kandidaten als Kleriker, zählt ihn aber nicht der Geistlichkeit, die an der apostolischen Sukzession unmittelbar Anteil hat, zu. Deutlich wird diese Tatsache eben vor allem in der Formel, die bei der Weihe gesprochen wird und eher Segnungscharakter hat
Symeon von Thessaloniki, der im 15. Jahrhundert lebte und wirkte, erläutert den (zur damaligen Zeit schon längst üblichen) auf das Weihegebet folgenden Ritus der Bekleidung des Hypodiakons mit dem Orarion als Symbol für das "Gewand geistlicher Reinheit". Somit wird seine besondere Widmung (wie es im Weihegebet heißt) gottesdienstlicher Dimension, "die Schönheit Deines Hauses zu lieben", zur zentralen Aufgabe seines Amtes; er ist in seinen Befugnissen buchstäblich dazu gerufen, den "Dienst im Heiligtum" zu vollziehen.
Mit herzlichen Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
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Nikolaj Thon
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hier erst mal die direkte Antwort auf Frage 1: Erzbischof Longin von Klin, der Leiter der Ständigen Vertretung der ROk in Deutschland (zuvor Erzbischof von Düsseldorf), dessen Persönl. Referent ich auch über 20 Jahre war, bis ich zu anderen Aufgaben befördert wurde - also "Gehilfe" im liturgischen wie außerliturgischen Bereich, wenn man dies so nennen will.
Fr. 2: Erpr. Peter hat ja schon vieles dazu gesagt (danke für den Hinweis auf can. 22 / Laodikeia, kannte ich nicht). Die Frage lässt sich aber m.E. generell kaum umfassend beantworten (außer über die ja schon von Vr. Peter angeführte Mindestaltersangabe und andere allgemein für Kleriker geltende Bestimmungen bzgl. Gesundheit etc.), besonders nicht im Blick auf die Vorbildung.
Dies ist sicher nicht eine nur (nicht einmal besonders gewichtig) Hypodiakone betreffende Sache, denn hier haben wir in der Diasporasituation die Schwierigkeit, dass generell bei unseren Geistlichen in ihrer Ausbildung nicht immer alles den "ordentlich geregelten Gang" gehen kann, da nicht für alle entsprechende Ausbildungsstätten erreichbar sind.
Für einen Hypodiakon, dessen Dienst ja mehr kirchenintern ("Kirche" hier als "Gotteshaus" verstanden) ist, sehe ich da wenig Schwierigkeiten, wenn keine theologische Ausbildung vorliegt, aber wir haben ja auch eine Reihe von Priestern in Deutschland, die aus diversen Gründen keine oder zumindest keine orthodoxe Theologie studiert haben - und viele von ihnen sind hervorragende Seelsorger und eifrigste Pfarrer.
Natürlich sind solide theologische Kenntnisse immer wünschenswert, aber sie sind nicht nur über ein Studium zu erwerben, wie die Praxis zeigt.
Es liegt am Urteil des Bischofs, welche Bedingungen er für seine Kleriker (auch für bloß einen Hypodiakon) als Mindestanforderungen stellt, natürlich unter Beachtung der Kanones - obwohl m. W. die Forderungen des Mindestweihealters, die die Kanones aufstellen, des öfteren bei Priesterweihen nicht eingehalten werden, sondern deutlich jüngere Kandidaten die Weihe erhalten. Und auch darunter sind sehr gute Priester!
Ich denke, ein wenig Vertrauen in die Klugkeit bzw. Weisheit des Bischofs ist da schon sinnvoll.
Ipod. Nikolaj
Sicher ist der Bischof der Geeignetste welcher die Qualität des Kandidaten beurteilen darf.
Abschließend meinerseits noch eine Bemerkung: irgend wo, ich vergaß leider wo genau, habe ich gelesen das der Hypodiakon dort ist wo der Diakon ist. Ähnlich wie der Diakon dort ist wo sein Bischof ist. Szs. der Hypodiakon wird vom Diakon angewiesen (liturgisch gesehen) und steht diesem zur Seite.
Euer lernender br. milo