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Beten mit Unierten?

Verfasst: 04.02.2007, 19:29
von Milo
Guten Abend allerseits.

Aus aktuellem Anlass wollte ich etwas fragen:

Ist es für einen Orthodoxen erlaubt an einer Liturgie der Uniierten (also östlicher Ritus aber unterordnung der RKK) teilzunehemn , zu beten gemeinsam?

Ist es harmlos das wenn ein orthodoxer Priester anwesend im Volk , wenn der Aufruf kommt "für den Heiligen Vater ...Papst und Bischof von Rom, lasset uns beten zum Herrn", dieser dann sich bekreuzigt und einherzig antwortet?

Ist es etwas anderes als wenn wir an einer r-k Messe teilnehmen würden? Harmloser?

Wo sind uns, Orthodoxen, Grenzen aufgezeigt?


Danke für die Antworten im voraus.

Br. Milo

Verfasst: 04.02.2007, 20:44
von Sebastian
Thematischer Verweis (!)

Bleibt nur die Frage, in welchem Maße die Uniierten von der Häresie betroffen sind!? Klar: Primat des Papstes, unbeflekte Empfängnis etc... Ich kann jedoch auf deine Fragen keine so eindeutige Antwort geben.

LG
Stephanus

Verfasst: 04.02.2007, 22:05
von Walter
Hallo Sebastian,

vielleicht sollten wir erst einmal klären, was überhaupt ein Häretiker ist?



Hallo Milo,

mir ist nicht ganz klar, auf was Du mit Deiner Unterscheidung Liturgie der Unierten <-> r-k Messe hinaus willst: Auf den Ritus oder auf die Unterscheidung römisches Patriarchat <-> mit Rom unierte Kirchen? Immerhin wird der byzantinische Ritus auch im römischen Patriarchat selbst gefeiert, dagegen gibt es auch (kanonisch) orthodoxe Gemeinden, in denen der lateinische Ritus gefeiert wird.



Liebe Brüder und Schwestern,

letzten Sonntag begann, wie ihr sicher wisst, die Vorfastenzeit. Als Evangelium wurde das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner gelesen. Heute war das Gleichnis vom verlorenen Sohn dran und dessen Bruder, der niemals ein Gebot übertrat.

Verfasst: 04.02.2007, 22:24
von Sebastian
Hallo Sebastian, vielleicht sollten wir erst einmal klären, was überhaupt ein Häretiker ist?
Hallo lieber Walter !

Gute Idee, ich bitte dich den Anfang zu machen.

LG und gute Nacht

P.S. Danke für den Hinweis auf die Vorfastenzeit.

Verfasst: 04.02.2007, 22:53
von Walter
Auf die Schnelle, da online, schon mal die offizielle römisch-katholische Definition:
CIC, can. 751, hat geschrieben:?Häresie nennt man die nach Empfang der Taufe erfolgte beharrliche Leugnung einer mit göttlichem und katholischem Glauben zu glaubenden Wahrheit oder einen beharrlichen Zweifel an einer solchen Glaubenswahrheit."
Dazu:
Wikipedia hat geschrieben:Während die Bezeichnung häufig von Laien verwendet wurde, um jeden möglichen falschen Glauben als Heidentum zu denunzieren, kennzeichnet diese Definition nur jenen als Häretiker, der als ursprünglicher Gläubiger der Katholischen Kirche später von dieser rechtgläubigen Kirche zugunsten eines gegensätzlichen Glaubens abwich.

Verfasst: 05.02.2007, 01:13
von protopeter
Liebe Interessierte und Diskussionsfreudige !

Um nun aus orthodoxer Sicht den Begriff des Häretikers gemäß kirchenrechtlicher Definition zu ergründen, sei etwa auf die Kanonischen Antworten des Patriarchen Timotheos von Alexandria (4. Jahrhundert) verwiesen - in Frage/Antwort 9 erwähnt er: "...unter Anwesenheit von Arianern oder anderen Häretikern..."; Kanon 7 der Synode von Laodikeia (um 360) bezieht sich auf "...jene, die von den Häresien stammen, also die Novatianer (...) Quartodecimaner..."; Kanon 7 des Ökumenischen Konzils von Konstantinopel 381 zählt darunter: "...Arianer, Makedonianer (...) Novatianer, die sich selbst die Reinen nennen (...) die Quartodecimaner (...) die Apollinaristen..."; schließlich findet sich noch im Kanonischen Brief des konstantinopolitanischen Patriarchen Nikephoros des Bekenners aus dem 9. Jahrhundert Frage/Antwort 3, in welcher der Hierarch das Betreten einer Kirche, die von Häretikern in Besitz genommen wurde und das gemeinsame Gebet mit ihnen untersagt.

All diese Beispiele geben ein klares Zeugnis dafür, daß in der Entwicklung des orthodoxen Kirchenrechts die Abgrenzung zwischen Orthodoxie und Häresie auf Grundlage falscher Lehrmeinungen über essentielle Glaubensinhalte zunächst in der Praxis erkannt und späterhin zu einer Rechtsnorm erhoben wurde. So finden sich unter den Gruppierungen, die als häretisch bezeichnet werden, jene, die gegen das christologische Dogma verstoßen - dazu zählen Arianer und Apollinaristen; dann sind jene zu nennen, die wider den Heiligen Geist lehren - die Makedonianer; schließlich auch noch die Novatianer, deren Ekklesiologie mit der rechtgläubigen Überlieferung nicht in Einklang zu bringen ist und zuletzt die Quartodecimaner, die aufgrund der ihnen eigenen Praxis der Osterterminfestsetzung des "Judaisierens" bezichtigt wurden.

Wesentlich für die unterscheidende Erkenntnis von Rechtgläubigkeit und Irrlehre ist die Verankerung in der Offenbarung der Heiligen Schrift und der kirchlichen Tradition; darüberhinaus ist diese Unterscheidung nach orthodoxem Verständnis eben kein Ergebnis "trockener" Definition, sondern die Frucht gläubigen Erkennens (nach dem Kirchenvater Augustinus: "credo, quia intelligam"). Gemäß dieser Grundorientierung sind eben auch "moderne" heterodoxe Glaubenssätze - wie beispielsweise die "unbefleckte Empfängnis" der Gottesgebärerin oder die päpstliche "Unfehlbarkeit" - die nicht auf die obengenannte Basis gestellt werden können, nach orthodoxer Auffassung Irrlehren, deren Aufrechterhaltung und Verbreitung eine Abtrennung von der Kirchengemeinschaft nach sich ziehen.

Mit Grüßen und Segenswünschen,
Erzpr. Peter

Verfasst: 05.02.2007, 11:18
von Milo
Grüß Gott und vielen Dank erstmal Allen für Antworten.

Walter, ich wollte wissen ob die Abgrenzung zu den uniierten Gemeinden auch so scharf gesehen werden muss, dh. darf man oder darf man nicht, als Orthodoxer an deren Liturgie des Hl. Chrysostomos teilnehmen.
Es geht weniger um die Art der Liturgie, als um die Konzelebration im Geiste!
Darf man oder nicht dort mitbeten?
Besonders interessiert mich der Fall wenn ein kanonischer orthodoxer Priester mit den Gläubigen im Schiff der uniierten Kirche an deren ganzen Liturgie partizipiert! Ist das o.k.?

Was eine Häresie/Irrlehre als Deffinition ist, denke ich ist uns allen wohl klar - die Frage ist nur von welcher Seite man argumentiert und wie autoritär sind diese Argumente. Orthodoxie ist eben Orthodoxie um Christus, und nicht eine eigene Sichtweise einiger von Rom, oder Phanar, oder Wittenberg, usw.

Um zum Thema zurück zu kommen:

Wo und wie scharf ist die Grenze bei dem o.g. Fall?


Euer Milo

Uniatismus

Verfasst: 05.02.2007, 12:37
von peter
Lieber Milo !

Also, ein orthodoxer Priester darf wohl wie jeder Gläubige eine heterodoxe Liturgie bzw. Messe besuchen und beobachten, aber "teil"nehmen, oder wie Du schreibst, partizipieren, geschweige denn "inter"kommunizieren bzw. "ko"zelebrieren darf er nicht, es sei denn, er kompromittiert die kanonischen Regeln, und die Ehre der wahren Kirche Christi. Im Herzen sollte er an der Stelle, wo das Oberhaupt der Häresie kommemoriert wird, das Gebet sprechen: "Erleuchte durch das Licht Deiner Erkenntnis all jene, welche vom orthodoxen Glauben abtrünnig und durch verderbenbringende Häresien geblendet worden sind und einige sie wieder mit Deiner heiligen, apostolischen und katholischen Kirche". Die Einheit der Kirche wird von ihren Repräsentaten nicht durch "Diffusion", also durch Kompromißgesten und ökumenistische Handlungszwänge erreicht, sondern durch klares Zeugnis, welches ein Akt der Liebe ist. Welche unierten Priester haben übrigens je die orthodoxen Gottesdienste
"besucht" ? Was sich im Uniatentum von Anfang an ereignet, stellt eine Art trotzige Unterwerfung unter den falschen "Oberherren" der Kirche dar (vielleicht aus äußerem Schutzbedürfnis ?).

Peter

Verfasst: 05.02.2007, 19:57
von Nikolaj Thon
Liebe Diskutanten,

wie es ihr Name sagt, stehen die Unierten in völliger Gemeinschaft (= Union) mit der Römischen Kirche. Einen dogmatischen oder kirchenrechtlichen Unterschied zwischen ihnen bzw. ihrer Liturgie und der römisch-katholischen kann ich nicht erkennen - einen psychologischen bzw. gefühlsmäßigen schon eher, d.h. natürlich ist uns die unierte Liturgie, da der orthodoxen - weitgehend - entsprechend, vertraut, was aber keinen sachlichen Unterschied macht.
Also: Unierte Liturgien sind dogmatisch und kanonisch gleich zu werten wie römisch-katholische Messfeiern.
Von daher wird die Frage eines Mitbetens oder -feierns bei beiden gleich zu beantworten sein.
Wenn Papst Benedikt XVI. - wie jüngst Ende November bei seinem Besuch in Konstantinopel - bei der orthodoxen Liturgie anwesend war und der Ökumenische Patriarch bei der römisch-katholischen Papstmesse, so nehme ich doch an, dass beide dort auch gebetet und nicht nur interessiert zugeschaut haben; allerdings, und das gilt es klar zu stellen, handelte es sich nicht um eine gemeinsame Gottesdienst- oder gar Eucharistiefeier, schon gar keine Interkommunion, die von beiden abgelehnt wird.
Insofern wird man einem orthodoxen Priester nicht leicht übel nehmen dürfen, was der Erste aller orthodoxen Bischöfe öffentlich und sicher bewusst tut. Um den hier angesprochenen Fall allerdings genauer beurteilen zu können, müsste man ihn erst einmal richtig kennen; die vagen Andeutungen hier im Forum langen zu einer kanonischen Einschätzung sicher nicht.
Und man sollte wohl auch mit dem Begriff des "Häretikers" vorsichtig umgehen, denn sonst müsste man fragen, wie man die gemeinsame Erklärung von Papst und Patriarch verstehen will, so es u.a. heißt: "Wir danken dem Spender jeglichen Gutes, dass er uns wiederum gewährt hat, im Gebet und in Erwiderung seiner Güte unsere Freude über die Empfindung unsere brüderlichen Verbundenheit und die Erneuerung unserer Verpflichtung in der Perspektive vollendeter Gemeinschaft untereinander zum Ausdruck bringen zu können. Diese Verpflichtung ergibt sich aus dem Willen unseres Herrn und aus unserer Verantwortung als Hirten in der Kirche Christi. Möge diese Begegnung ein Zeichen und eine Ermutigung für uns sein, dieselben Empfindungen und dieselben Ideen der Brüderlichkeit, der Zusammenarbeit und der Gemeinschaft untereinander in Liebe und Wahrheit miteinander zu teilen. Der Heilige Geist wird uns helfen, den großen Tag der Wiederherstellung der vollkommenen Einheit vorzubereiten, wenn und wie Gott es will. Dann werden wir imstande sein, uns wahrhaft zu freuen und zu frohlocken" (Vollständiger Text auf der Webseite der Griechisch-Orthodoxen Metropolie: http://www.orthodoxie.net/de/Deutsch.htm).

Primus

Verfasst: 05.02.2007, 21:03
von peter
Sehr geehrter Herr Thon,

in aller Liebe erlaube ich mir anzumerken, daß es einen "Ersten aller orthodoxen Bischöfe" (wenn überhaupt der Ehre nach) nach orthodoxem
Verständnis von Konziliarität und Sobornost nicht gab und nicht geben darf. Es mag erinnert sein an die Stelle des NT, wo die Frage nach dem Ersten unter den Jüngern aufkam (und den Unwillen des Herrn erregte), zudem an die unselige Interpretation des sog. Petrusamtes durch die Römische Kirche. Nachvollziehbar ist zwar, daß die Römische Konfession, gerade durch solche Erklärungen "brüderlicher Verbundenheit" Interesse am Aufbau eines orthodoxen Pendants zur päpstlichen Machtstellung hat (Flügeltheorie), und daß diesem Interesse das erkennbare Sehnen Konstantinopels entspricht (aufgrund der Schwäche im erdrückenden islamischen Umfeld), aber keineswegs ist damit die orthodox-bischöfliche Vollmacht anderer Metropolen, z.T. mit größerem Wirkungskreis, zurückgesetzt. Der künftige Ost-Papst wird übrigens auch mit Papst Shehuda konkurrieren müssen (dies als Randbemerkung).

Zur vollendeten Gemeinschaft verpflichtet Peter

Uniatismus...und mehr - einige Reflexionen

Verfasst: 05.02.2007, 23:41
von protopeter
Liebe Mitdiskutanten !

Die Frage des Uniatismus ist und war zu einem Gutteil auch mit politischen Umständen und daraus folgenden Erwartungen verbunden - dies zeigte etwa die unselige "Union", die auf dem Konzil von Ferrara-Florenz 1438/1439 der Orthodoxen Kirche aufgezwungen wurde; in den Unionen des 16. und 17. Jahrhunderts (vor allem in der Westukraine) , die bis heute noch Bestand haben (gleichwohl 1831 ein Großteil Unierter in Weißrußland und Litauen wieder zur Orthodoxie zurückkehrte), trat darüberhinaus eine klare Fehleinschätzung der Lage seitens einiger damals Verantwortlicher zutage: Man ging ursprünglich davon aus, in die ecclesiastica communio mit Rom zu treten - zwar unter formaler Anerkennung des päpstlichen Primates, allerdings ohne weiterreichende Folgen dogmatisch-ekklesiologischer Natur; daß ein solches Denken irreal und illusorisch sein mußte, zeigten die entsprechenden Entwicklungen schon sehr bald !

Im Laufe des 18. Jahrhunderts setzte in diesen Kreisen eine massive "Romanisierung" ein, die in der möglichst weiten Anpassung der gottesdienstlichen Gebräuche an die tridentinische Messe und in der vorbehaltlosen Übernahme der römisch-katholischen Glaubenslehre und Kirchendisziplin ihre Höhepunkte fand. Was beispielsweise die gottesdienstlichen Gebräuche der unierten Ukrainer anbelangt, so erinnerte man sich im 20. Jahrhundert (wenn auch nur unter zum Teil größten Vorbehalten und nur in bestimmten Aspekten) der ursprünglichen Wurzeln und nahm eine entsprechende Neuausrichtung vor; hinsichtlich der Doktrin blieb jedoch die Orientierung am römisch-katholischen Glaubensgut unverändert und verbindlich.

Problematisch ist eben auch, daß seitens des römischen Katholizismus der Uniatismus gewöhnlicherweise offiziell als "Brücke" und nicht als Hindernis im Verhältnis zur Orthodoxie begriffen werden will - denn nur eine "volle Einheit" mit Rom steht als Ziel sämtlicher "ökumenischer" Bemühungen dieser Seite fest. Dies berücksichtigend verwundert es nicht, daß seit dem Ende der kommunistischen Regimes in Mittelosteuropa die Uniaten von vatikanischer Seite massive Unterstützung erlangten: Gerade unter Johannes Paul II. wurde diesbezüglich eine entsprechende Politik betrieben; so wurden sämtliche unierte Diözesen reorganisiert und bei Bedarf neu gegründet - noch 2003 und 2004 entstanden sogenannte "Exarchate der Katholiken des byzantinischen Ritus" für Makedonien und Serbien-Montenegro (verbunden auch mit dem Auftrag zur "Mission" !). Unter Benedikt XVI. wurde 2005 der Sitz des unierten Großerzbischofs von Lviv nach Kiev verlegt - ein Zeichen klarer Aufwertung und Ermunterung, aktiver werden zu können.

Ein anderes Phänomen, das im Wesentlichen seit dem 19. Jahrhundert existiert, begegnet dem Beobachter in der Gestalt römisch-katholischer (jedoch nicht unierter !) Geistlicher des "östlichen (= zumeist byzantinischen) Ritus" - diese feiern Gottesdienste mit spezieller Erlaubnis Roms in "orthodoxer" Weise, sind zudem oftmals sogenannte "Biritualisten" ! Diese Bewegung wurde ursprünglich von Angehörigen des Jesuitenordens getragen, die bevorzugt in Kreisen des russischen Großbürgertums (vor 1917 hauptsächlich in St. Petersburg, dann auch in der russischen Emigration) mit beschränktem Erfolg zu missionieren suchten. Im Jahre 1929 nahm - wiederum unter Leitung des Jesuitenordens - in Rom das "Collegium Russicum" seine Tätigkeit auf (es besteht bis auf den heutigen Tag !); eine Zielvorgabe dieser Institution war und ist es, "Rußland für die Einheit mit dem Stuhl Petri zu gewinnen" - also auf spezifische Weise (mit Hilfe r.-k. Priester des "östlichen" Ritus) den Uniatismusgedanken umzusetzen !

So gibt es aber auch Institutionen - wie etwa die Benediktinerabteien Chevetogne oder Niederaltaich - die eine eigene "ostliturgische Abteilung" unterhalten, um auf diese Weise vorgeblich den Ökumenismus zu fördern. Darüberhinaus erhalten r.-k. Geistliche (gerade auch im deutschsprachigen Raum) nach wie vor die Erlaubnis, "biritualistisch" - also, je nach Gelegenheit im römischen oder im "östlichen" Ritus - zu zelebrieren: Als wesentlichstes Argument für diese Lage der Dinge unterstreichen die Betreffenden gewöhnlicherweise ihre vorgebliche "Liebe zu diesen altehrwürdigen Traditionen der ungeteilten Kirche"; aus orthodoxer Perspektive ist man durchaus versucht, im günstigsten Falle (sollten damit nicht noch weiterreichende Absichten verknüpft sein) in diesem Tun lediglich "liturgisches Theater" zu erkennen.

Mit brüderlichen Grüßen verbleibt
Erzpr. Peter

Verfasst: 06.02.2007, 08:21
von Germanus
Walter hat geschrieben:Hallo Sebastian,

vielleicht sollten wir erst einmal klären, was überhaupt ein Häretiker ist?



Hallo Milo,

mir ist nicht ganz klar, auf was Du mit Deiner Unterscheidung Liturgie der Unierten <-> r-k Messe hinaus willst: Auf den Ritus oder auf die Unterscheidung römisches Patriarchat <-> mit Rom unierte Kirchen? Immerhin wird der byzantinische Ritus auch im römischen Patriarchat selbst gefeiert, dagegen gibt es auch (kanonisch) orthodoxe Gemeinden, in denen der lateinische Ritus gefeiert wird.

Lieber Walter,
als etwas abweichende Frage in diesem Themenbereich doch etwas, was mich erstaunt hat: Welche kanonische Orthodoxe Kirche feiert einen lateinischen Ritus? Von der gallischen orthodoxen Kirche wußte ich das, aber wie steht es mit ihrem kanonischen Status?
Herzlicher Gruß, German

Edit holzi: Zitat repariert

Verfasst: 06.02.2007, 10:05
von Walter
Germanus hat geschrieben:Lieber Walter,
als etwas abweichende Frage in diesem Themenbereich doch etwas, was mich erstaunt hat: Welche kanonische Orthodoxe Kirche feiert einen lateinischen Ritus? Von der gallischen orthodoxen Kirche wußte ich das, aber wie steht es mit ihrem kanonischen Status?
Herzlicher Gruß, German

Edit holzi: Zitat repariert
Lieber Germanus,

in Amerika gibt es eine Diözese der Patriarchats von Antiochien, in welcher ca. 20 Gemeinden den alten lateinischen Ritus feiern. Vater Peter hat hier vor einigen Tagen auch etwas geschrieben:
protopeter hat geschrieben:2. Erzdiözese des antiochenischen Patriarchates mit innerer Autonomie (dazu gehören auch einige Dutzend Gemeinden, die als "westlich-orthodox" nach abendländischer Tradition ausgerichtet sind)
Hier deren Homepage: http://www.westernorthodox.com

Auch ich sehe aus gleichen Überlegungen, welche Nikolaj Thon hier schon aufgeführt hat, die Ritusfrage als eine sekundäre an. Der byzantinische Ritus ist für die Orthodoxie weder zwingend, noch wird ein nichtorthodoxer Gottesdienst dadurch "orthodoxer". "Theater" wird es erst dann, wenn eine nichtorthodoxe Kirche dadurch nur versucht, "orthodox" zu werden oder so zu wirken. Deshalb sollten römische Priester, die den byzantinischen Ritus feiern, auch ganz klar stellen, dass ihr Gefallen eben dem Ritus gilt und nicht der orthodoxen Kirche selbst.

Ob das für lateinische Kirchen Sinn macht, müssen die selbst entscheiden. Was selbst der Abt des von Vater Peter erwähnten Klosters Niederaltaich zu deren byzantinischer Abteilung im angehängten dreiteiligen Interview sagt, finde ich an machen Stellen ziemlich bedenklich (auch wenn man ihm zugute hält, dass er aus deren lateinischen Abteilung kommt und sich erst als Abt zwangsweise auch den byzantinischer Ritus beschäftigen musste):

http://www.kirchensite.de/index.php?myELEMENT=124062
http://www.kirchensite.de/index.php?myELEMENT=124064
http://www.kirchensite.de/index.php?myELEMENT=124067

Ein bisschen kommt mir das vor wie solche Orthodoxe (reine Hypothese natürlich), die nach altem Kalender die Fastenzeiten beginnen und sie nach dem neuen wieder beenden. :roll:

Bei den Uniaten ist es etwas anderes, weil die ja ursprünglich ostkirchlich waren und die römischen Lehrveränderungen mehr oder weniger aufgezwungen bekamen. Da ist klar, dass man danach nicht mehr als von Rom wirklich gefordert ändern wollte. In der Verlegung des Bischofsitzes von Lemberg nach Kiew sehe ich weniger ein Affront gegen die orthodoxe Kirche als vielmehr eine Reaktion auf die staatliche Unabhängigkeit der Ukraine, was auch eine Zentralisierung auf die Hauptstadt bedeutete (ähnlich wie bei uns ab 1990 alles nach Berlin gezogen wird).

Verfasst: 06.02.2007, 11:27
von Milo
Liebe Diskutierende,

ich stelle also fest das in diesem Fall, es auch gilt wie der Kanon 33 der Synode von Laodikeia sagt: "Man soll nicht gemeinsam mit Häretikern oder Schismatikern beten". Richtig?

Um wieder einmal nach langem den Ap. Paulus zu zitieren:

2.Thes 3.6 Wir gebieten euch aber, liebe Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, daß ihr euch zurückzieht von jedem Bruder, der unordentlich lebt und nicht nach der Lehre, die ihr von uns empfangen habt.

Es muss folglich erstmal die Umkehr und (Ein-)Ordnung zur Wahrheit erfolgen, bevor wir gemeinsam beten dürfen!

Oder ist es etwa möglich zu sagen: ja wir beten gemeinsam im Heiligen Geist, aber in der Wahrheit stimmen wir nicht überein!?

Hr. Thon, wie ist dann wirklich der o.g. Akt des ökum. Patriarchen und des Papstes zu verstehen?

Aufrichtig (ohne Polemik) fragender ,

Br. Milo

Verfasst: 06.02.2007, 13:51
von Germanus
Lieber Walter, liebe Diskutanten,
herzlichen Dank für die Aufklärung bezüglich des westlichen Ritus einer kanonischen orthodoxen Kirche! Tatsächlich sehe ich das genauso: nicht der Ritus als solcher entscheidet über die Rechtgläubigkeit, sondern die dogmatische Integrität. Leider täuscht das "Theater" der sogen. Biritualität allzuoft, indem es die Ästhetik (auch das ein hier nur schwer richtig einordbarer Begriff) über die Grundlagen liturgischer Feier stellt/womöglich ungewollt stellen muss. Hier kommt mir der Gedanke, den ich schon jahrelang ausbrüte: das Problem der Heterodoxie scheint mir, cum grano salis!, auch ein Problem der Verwurzelung zu sein. Das gläubige Volk in Deutschland oder Rußland verteidigt sich nicht in erster Linie, auch das "cum grano salis"!, aus dogmatischen Gründen gegen orthodoxe oder lateinische Bräuche/"Dogmen" im falschen Sinn, sondern aus Treue gegenüber der eigenen, von den Vätern und Müttern überlieferten Tradition. Der Papst in Rom ist Gefangener seines Systems - aller "Unfehlbarkeit" zum Trotz!!!!!!!. Würde er zur Orthodoxie zurückkehren, stellte er sich 1. gegen sein theologisch gewachsenes Gebäude, 2. gegen das ihm Anerzogene von Kindesbeinen an, 3. gegen das Unverständnis mancher Theologen und Nichttheologen. Die theologischen Dimensionen dieser Aussagen habe ich bewußt nicht bewertet. Doch das ist das Dilemma des Treffens von Patriarch Bartholomäus und Papst Benedikt. Sie beten gemeinsam trotz dogmatischer Unstimmigkeiten und im vollen Bewußtsein dieser Schwierigkeit. Die Macht, um die es da geht - also die Jurisdiktionsgewalt vor allem, mit den dogmatischen Rattenschwänzen der Konzilien etc. - ist das größte Hindernis: eine Grundsatzfrage christlicher Lebensgestaltung aus dem Geist der Liebe heraus wäre zuerst zu beantworten! Dass die Unierten die Belämmerten sind und waren, steht außer Frage. Für Rom waren sie / sind sie(?) mal der kleine Rest der Schismatiker, mal das leidige Hindernis der Annäherung zwischen der römischen und den orthodoxen Kirchen. Ob die Frage des gemeinsamen Gebets wirklich nur mit der Antwort eines Konzilsbeschlusses gelöst werden kann, bezweifle ich stark. Auch diese Beschlüsse stehen im konkreten Zusammenhang der Bischofsversammlung und geben konkrete, allerdings zweifellos auch weiterhin gültige Antworten. Wichtig scheint mir allerdings vor allem auch die christliche Liebe im Handeln, die auch unsere Interpretationen und Befolgung der Canones leiten muss.
Herzlich, German