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Fastenzeit
Verfasst: 18.02.2007, 16:35
von Tamira
Hallo und grüß Gott alle zusammen,
in der RKK beginnt am Mittwoch wieder die Fastenzeit. Wie ist das in der Orthodoxen Kirche? Wann beginnt dort die Fastenzeit?
Ich habe mal gelesen, daß es in der orthodoxen Kirche mehr Fastenzeit gibt, als bei uns. Kann mir jemand diese bitte sagen, auch wie lange sie immer dauert und wie sie begannen wird.
Vergelt's Gott schon jetzt für die Antwort.
Gelobt sei Jesus Christus!
Tamira
Verfasst: 18.02.2007, 18:12
von protopeter
Liebe Tamira !
Angesichts der Tatsache, daß in diesem Jahr der orthodoxe Ostertermin mit dem der heterodoxen Bekenntnisse zusammenfällt, ergibt sich ein nahezu gleicher Beginn - dieser ist allerdings immer am Montag nach dem Versöhnungssontag (der heute begangen wird).
Zur genaueren Kenntnis von Struktur und Inhalt der vorösterlichen Fastenzeit sei folgender Link empfohlen:
http://www.orthodoxfrat.de/a2.htm#VF
Darüberhinaus gibt es
- das vorweihnachtliche Fasten, das vom 15. November bis zum 24. Dezember dauert - entsprechend dem "alten Stil" dann 13 Tage später
- das Apostelfasten: dauert vom Montag nach dem Sonntag aller Heiligen (erster Sonntag nach Pfingsten) bis zum 29. Juni (wiederum nach "altem Stil" bis zum 12. Juli)
- das Gottesmutterfasten: dauert zwei Wochen vor dem Hochfest der Entschlafung der Gottesgebärerin, das am 15. (beziehungsweise 28.) August begangen wird
Während dieser Zeit ist generelle Enthaltung von Fleischspeisen, Ei und Milchprodukten (teilweise auch Öl/Pflanzenfett) geboten; allerdings ist an Samstagen und Sonntagen der Genuß von Wein und Öl erlaubt - hier entwickelten sich allerdings regional auch unterschiedliche Auffassungen (wobei diverse Fastenregeln in der Orthodoxie slawischer Tradition zumeist deutlich strenger interpretiert werden).
Mit besten Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
Verfasst: 19.02.2007, 12:28
von Milo
Lieber V. Peter,
gestatten Sie mir das ich noch auf den
Mittwoch und
Freitag erinnere.
Diese zwei Wochentage werden in der OK
fast das ganze Jahr durch als Fastentage wahr genommen.
Wenn wir also alles zusammen zählen (eintägiges und mehrtägiges Fasten), dann gibt es in der OK im Jahr mehr Fastentage als fastenfreie Tage.
Ist das übertrieben?
sündiger milo
Verfasst: 19.02.2007, 16:58
von Tamira
Vergelt's Gott V. Peter und Bruder Milo,
das waren ja sehr interessante Auskünfte.
In der RKK wird es unterschiedlich gehandhabt. Es gibt Leute, die verzichten auf etwas, was ihnen schwer fällt, aber auch welche, die kein Fleisch essen oder auf etwas von Tieren, also z. B. Milch, Butter, ... verzichten.
Ich selbst esse in der Karwoche kein Fleisch. Das fällt mir auch schon schwer, aber wird inzwischen leichter. Die Griechische Küche hat sehr leckere und einfache Gerichte, mit denen es nicht ganz so schwer fällt auf Fleisch zu verzichten. Das hat dann leider nicht mehr allzu viel von Buße, aber irgenendetwas findet sich dann doch, auf was man verzichten kann.
Ansonsten versuche ich auf Süßes zu verzichten. In der RKK sind nur die 6 Sonntage von der Fastenzeit ausgenommen.
Was ich aber sehr interessant finde ist, daß in Medugorje, einem r. kath. Wallfahrtort die Muttergottes darum bat, daß man Mittwochs und Freitags bei Wasser und Brot zu fasten. Da haben uns die Orthodoxen einiges vorraus.
Gottes reichen Segen
Tamira
Verfasst: 19.02.2007, 18:41
von Jeremias
Interessant ist, das heutzutage Fleisch z.T. billiger ist als korrektes Fastenessen, was für meinen Vater, der drei Kinder versorgen muss, immer wieder beim Einkauf zu Problemen führt. Wir haben schon oft darüber gesprochen, dass es eigentlich unter diesem Gesichtspunkt den Geist der Fastenzeit verletzt, wenn wir uns das luxuriöse Gemüse essen. Bisher sind wir allerdings irgendwie immer noch durchgekommen, mal sehen, wie es in diesem Jahr wird.
Ein weiteres Problem ist, das für jemanden, der wie ich als Student auch oft in der Mensa ist, es nahezu unmöglich ist korrekt zu fasten. Sojafleisch mag ja buchstabengetreu sein, aber ob das Sinn macht, ist eine andere Frage. Und die meisten vegetarischen Essen sind immer noch nicht fastengerecht, von essbar erst recht zu schweigen. Für mich ist das jedes Mal immer ein grosses Problem, für das ich bisher keine Lösung gefunden habe. Zum Glück ist es kein dogmatisches Problem, weswegen ich weiterhin (liturgisches Fasten vorausgesetzt) die Kommunion entgegennehmen kann.
Verfasst: 20.02.2007, 07:43
von Tamira
Ich denke auch, daß der gute Wille viel zählt. 2 Freunde von mir, die GRiechen sind, sind beide Vegetarierer. Wie die wohl fasten??? Aber ich denke auch, daß der gute Wille zählt. Und wie ich schon geschrieben habe, man kann doch auch auf etwas verzichten, was einem sehr schwer fällt.
Mit fällt da geade was ein, wo Du es sagst: Früher haben die Leute, doch bestimmt auch weniger Fleisch gegessen, da es teuer war. Wie wohl Am Anfang die Fastenzeit begannen worden ist???
Was ist das liturgische Fasten? Ist das so, was früher mal bei uns (RKK), daß man eine Stunde vor dem Gottesdienst nichts gegesen haben darf?
Liebe GRüße
Tamira
Verfasst: 20.02.2007, 09:30
von Jeremias
Mit liturgisches Fasten ist gemeint, ab Tagesbeginn (Mitternacht) nichts mehr zu essen. Verzeih, das hätte ich direkt erwähnen sollen.
Mit fällt da geade was ein, wo Du es sagst: Früher haben die Leute, doch bestimmt auch weniger Fleisch gegessen, da es teuer war. Wie wohl Am Anfang die Fastenzeit begannen worden ist???
Wenn ich mich nicht irre, so sind die Fastenzeiten so gelegt, dass sie eh auf Mangelzeiten liegen. Im mediterranem Raum gab es dann eh nur die Sachen, die fastengerecht sind.
Verfasst: 20.02.2007, 10:21
von Milo
Liebe Tamira, lieber BaG,
wir sollten schon genau wissen wofür wir fasten!
Das Entsagen der schweren (tierischen) Nahrung ist eine wichtige Stütze zum geistigen Fasten. Hierbei ist gemeint das man sich selbst beleuchtet (analysiert), das man seine schlechten Gewohnheiten ablegt, wie zB. Faulheit, das man mehr und mehr betet, gute Werke pflegt, auf seine Wortwahl achtet usw. (Mt 15,18 )
Nun was also Priorität hat, muss man vor Augen haben. Was die Nahrung betrifft, so ist es sicher zu beobachten das nicht überall der gleiche Maßstab gelten kann - wie etwa für Schwache, oder regional wie zB. in der Wüste. Konsultation mit seinem Geistlichen bzgl. Fastenregel ist immer wichtig!
Was die Fastenzeiten betrifft, so sind diese sicher nicht so gelegt worden, das sie sich an der Ernte/Jahreszeit orientieren, sondern an den Hochfesten unseres HErrn, Seiner Mutter und Seiner Heiligen. Unsere heilige Kirche lebt aus dem Hl. Geist heraus - Christozentrisch - orientiert an dem großen Heilsplan unseres einzig wahren menschenliebenden Gottes. Mit der Vorbereitung durch Fasten und Gebet, auf das entsprechende Kirchenfest hin, begegnen wir "würdiger", lobpreisen wir inbrünstiger unseren HErrn und Seine Heiligen an diesem Feiertag. Wir erheben unseren Geist aus dem Fleischwillen, damit wir geistig schauen und geistig partizipieren an dem Geist. Denn unser Gott ist Geist (Joh 4,24).
Alles zum Lobpreis Gottes!
Gottgefälliges Fasten Euch wünschend,
sündiger milo
Verfasst: 20.02.2007, 12:08
von holzi
Tamira hat geschrieben:Was ist das liturgische Fasten? Ist das so, was früher mal bei uns (RKK), daß man eine Stunde vor dem Gottesdienst nichts gegesen haben darf?
Liebe Tamira, das mit der einen Stunde ist bei uns (RKK) recht neu, vor der Liturgiereform war es auch hier seit Mitternacht!
Grüße
Konrad