Sebastian hat geschrieben:Liebe Forenfamilie :-) !
Gestattet mir einige Gedankengänge hierzu: Es ist für mich nicht recht nachvollziehbar, warum sich Frauen unrein fühlen (sollen!?), wenn der Familie das größte Geschenk zuteil wird. Ihre Mehrung. Einige Männer in unserer Kirche, definieren die Unreinheit von Frauen mE selber und legen seltsamerweise hier auf geistgewirkte Aussagen unserer Heiligen Kirchenväter teilweise wenig Wert.
Zum Unrein fühlen noch ein kleiner Anstoß: Ich fühle mich selber unrein. Die Sünde klebt an mir, wie Dreck, den ich nicht abwaschen kann. Die Sünde macht mich unrein und unwürdig das Haus Gottes überhaupt zu betreten. Meine Sünden sind Nägel im Fleisch Christi, meine Anwesenheit eine Beschmutzung des Heiligtums. Kommen wir nicht immer wieder zurück zu dem Punkt, an welchen uns bewusst wird, das ohne die Menschenliebe Christi "nichts läuft"?
Mag mir ferner jemand den theologischen Sinn erklären, einen Menschen 40 Tage von den heilsbringenden Mysterien fernzuhalten? Ich habe das noch nicht verstanden.
schmutzig,
Sebastian
Lieber Sebastian,
nun, ganz sicher denkt niemand, dass eine Frau weniger Wert ist, weil sie eine Frau ist. Dazu kann man auch die offizielle Stellungnahme der ROK nachlesen (Sozialdoktrin Russisch Orthodox). Dieses Werk ist im Übrigen auch kein Korsett, sondern soll dem Menschen Leitfaden bzw Orientierung sein. So heißt es u.a.:
"X.1. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist eine besondere Gabe des Schöpfers an die von Ihm geschaffenen Menschen: ?Gott also schuf den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie" (Gen 1.27). Mann und Frau sind in ihrer Gottebenbildlichkeit und menschlichen Würde gleichwertig geschaffen um der vollkommenen Vereinigung miteinander in der Liebe willen: ?Darum verläßt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch" (Gen 2.24). Die Seinen Segen empfangende eheliche Gemeinschaft, die den ursprünglichen Schöpferwillen Gottes verkörpert, wird zum Mittel der Bewahrung und Mehrung des menschlichen Geschlechts: ?Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar, und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch" (Gen 1.28). Die Besonderheiten der Geschlechter erschöpfen sich nicht in den körperlichen Unterschieden. Der Mann und die Frau stellen zwei verschiedene Daseinsformen der einen Menschheit dar. Beide bedürfen der Gemeinschaft miteinander sowie der gegenseitigen Ergänzung. In der gefallenen Welt können jedoch die Beziehungen zwischen den Geschlechtern eine widernatürliche Verkehrung erfahren, falls sie aufhören, Ausdruck Gottgegebener Liebe zu sein und zu einer Form der sündhaften Ich-Bezogenheit des gefallenen Menschen ausarten...."
Klar, als Mann kann man sich so manche weiblichen Dinge, wenn ich es mal so bezeichnen darf, schwer vorstellen. Das geht mir auch mitunter so.
Die biologische Seite läßt uns vielleicht ein wenig verstehen.
Die "Unreinheit", das Bluten der offenen Wunde, der Reinigungs- und Heilungsprozess des Körpers der Frau nach der Geburt kann schon dazu führen, dass sich die Frau unrein fühlt.
"Die Wundfläche, welche die Plazenta hinterlassen hat, muss ausheilen. Es entsteht ein Wundsekret, der Wochenfluss (Lochien). Er besteht aus Plazentaresten und Blutkoageln (große Blutklumpen). Die Menge und Zusammensetzung des Wochenflusses ändert sich entsprechend dem Heilungsverlauf. Die erste Woche ist er noch blutig, in der zweiten Woche braunrot bis gelblich. In der 3. bis 6. Woche ist seine Farbe schleimig grau-weiß. Es kommt aber auch vor, dass das Lochialsekret bis zu vier Wochen nach der Geburt noch Blutbeimengungen enthält. Nach sechs Wochen hört der Wochenfluss schließlich auf...."
(
http://www.schwangerschaft.medhost.de/wochenfluss.html )
So gesehen ist auch die Menstruation ein Reinigungsprozess....
Du hast ganz sicher recht, wenn Du darauf verweist, das wir alle Sünder sind und somit unrein. Es gibt nur einen, der ohne Sünde ist, unser Herr selbst! Auch ich kann mich unrein fühlen, zu unrein um das Haus des Herrn zu betreten... Man kann vorher nur schwer sagen, was alles passieren kann und wie man sich fühlt in welcher Situation, auch als Mann nicht...
In Zweifelsfalle kann man sich doch auch an seinen geistlichen Vater wenden, er kannt seine Schäfchen und kann Rat geben.
L.G. Rene