Wie so oft bei Pressemeldungen, die dann hier im Forum zitiert werden, liegen Verkürzungen vor. Deshalb ist es wohl doch sinnvoll, bevor man - offen oder unterschwellig - S. Allheiligkeit Patriarch Bartholomaios wegen der Rede in Sibiu kritisiert, erst einmal den vollen Wortlaut der Ansprache zur kenntnis zu nehmen. Hier ist er:
Wir preisen den allguten und dreieinigen Gott, der uns gewürdigt hat, dass alle christlichen Kirchen aus dem Osten und dem Westen, aus dem Norden und dem Süden unseres Kontinents Europa zum dritten Mal zusammenkommen, um ?mit einem Mund und mit einem Herzen? seinen heiligen Namen zu verherrlichen und das gemeinsame christliche Zeugnis abzulegen.
Wir preisen den allguten Gott, denn durch das Licht unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus hat er unser aller Schritte in den vergangenen dreißig Jahren gelenkt; so haben wir eine bemerkenswerte ökumenische Aktivität entfaltet und eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Kirchen begonnen mit hoffnungsvollen Perspektiven für die Schaffung und Entwicklung eines neuen Europas. In diesem bedeutenden Augenblick entsinnen wir uns der christlichen Fundamente Europas und der Botschaft des Evangeliums, die von Osten bis Westen verkündet wurde und die Grundlagen der europäischen Zivilisation und der europäischen Identität bis heute legte, auch wenn manche diese Tatsache leugnen und weiterhin leugnen wollen.
Heute befinden wir, die Vertreter und Mitglieder aller christlichen Kirchen Europas, uns in dieser schönen und historischen Stadt Sibiu, in dieser Stadt, die das Privileg hat, zugleich auch eine der Kulturhauptstädte Europas des Jahres 2007 zu sein.
Unsere Freude überschattet in diesem Augenblick der kürzliche Tod unseres geliebten Bruders, des ehrwürdigen Patriarchen von Rumänien Teoctist, der vom Himmel her diese gesegnete Begegnung verfolgt und segnet. Wir bitten aus der Tiefe des Herzens, unser Schöpfer, der Herr, möge seine Seele dorthin versetzen, wo die Gerechten ruhen.
Wir sind hierher gekommen wie Pilger von Station zu Station. Unser Pilgerweg begann mit der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Basel in der Schweiz im Jahr 1989. Von da sind wir weiter gepilgert nach Graz in Österreich, wo im Jahr 1997 die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung stattfand. Jetzt hat uns unser Pilgerweg über Rom und Wittenberg hierher zur Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung geführt. Jesus Christus, der als ?Licht der Völker? (Isaias 49,6 und Apg 13,47) und der ganzen Welt alle Völker erleuchtet, hat auch dieses Mal unser aller Schritte zu dieser gesegneten Begegnung gelenkt, denn wahrhaftig: ?Das Licht Christi scheint auf alle!? ? wie wir es auch in unserem liturgischen Leben während der großen Vierzigtägigen Fastenzeit verkünden, jener Zeit, in der wir uns bereiten, das große und wunderbare Ereignis der Auferstehung des Herrn zu feiern.
Wir begrüßen und segnen diese Pilgerschaft des europäischen Christentums, die vom Licht Christi geleitet wird, sozusagen von Leuchtturm zu Leuchtturm. Auf diese Weise werden wir uns seines Kreuzwegs durch die Jahrhunderte hindurch bewusst; einerseits der Zersplitterung der Christenheit in eine Vielfalt von Kirchen und Bekenntnissen, und andererseits der wachsenden Sehnsucht nach der Wiederherstellung der christlichen Gemeinschaft und Einheit, ja der Notwendigkeit dieser Einheit.
Es ist eine Wirkung des Gebetes, eine Frucht des Lichtes Christi und des Handelns des Heiligen Geistes, dass die ökumenische Zusammenarbeit der christlichen Kirchen nichts absolut Neues ist. Schon seit mehr als hundert Jahren lädt die orthodoxe Kirche unter der Führung des Ökumenischen Patriarchates ebenso die orthodoxen Schwesterkirchen wie auch die übrigen Kirchen Christi in der ganzen Welt dazu ein, zusammenzuarbeiten, um die christliche Gemeinschaft und Einheit uneingeschränkt wiederherzustellen und um dem bedrängten Menschen zu Hilfe zu eilen. Der ökumenischen Bewegung sind diese Probleme nicht unbekannt. Wiederholt wurden sie bei den vergangenen Europäischen Ökumenischen Versammlungen zur Sprache gebracht, auf denen unter der Einwirkung des Lichtes Christi und der Erleuchtung im Heiligen Geist auch die notwendigen Entscheidungen gefällt wurden, Entscheidungen, die zu äußerst brauchbaren Resultaten geführt haben. Diese Resultate wurden u. a. auch in der Charta Oecumenica, die im April des Jahres 2001 in Straßburg in Frankreich veröffentlicht wurde, auf glückliche Weise zusammengefasst. In ihr werden die Kirchen Europas durch konkrete Taten und Aktivitäten zum Dienst an der Einheit der Christen auf der Grundlage desselben in der Liebe gegenwärtigen Glaubens verpflichtet ? auf dem Weg zur einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche, wie es das die Zeiten überdauernde Glaubensbekenntnis des zweiten Ökumenischen Konzils (381) in der Fortführung des ersten Konzils von Nikaia ausdrückt; dies geschah zum Schutz und zur Stärkung der Würde der menschlichen Person, des Bildes Gottes und zur Versöhnung der Völker und Kulturen des europäischen Kontinents.
Wir wissen natürlich, dass die Charta Oecumenica keine Verfassung einer Überkirche darstellt; wir halten sie auch nicht für einen Text, der ohne Fehler wäre. Aber trotz ihrer Mängel ist sie das Ergebnis einer intensiven, verantwortungsbewussten zwischenkirchlichen Zusammenarbeit und der Beweis für den starken Willen aller europäischen Kirchen zur Fortsetzung, Steigerung und Verstärkung ihrer Zusammenarbeit zur Erneuerung Europas.
Die Charta Oecumenica ist vor allem die Frucht der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung von Graz, ein Bindeglied zwischen ihr und der dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung und ein Text von fundamentaler Bedeutung für die Förderung der Zusammenarbeit der Kirchen Europas.
Darum ist es nicht zufällig, dass für diese Dritte Europäische Ökumenische Versammlung der Text der Charta Oecumenica den Beratungen zu den Themen Das Licht Christi und die Kirche, Das Licht Christi und Europa und Das Licht Christi und die Welt zugrunde gelegt wurde.
Zu Recht steht am Anfang der Auseinandersetzung mit diesen Themen die Beschäftigung mit dem grundlegenden Thema der Einheit der christlichen Kirchen steht, denn das ist das primäre und unersetzliche Thema der Ökumenischen Bewegung. An dieser Stelle wiederholen und betonen wir, dass die Orthodoxie in ihrer Gesamtheit und auch wir persönlich unerschütterlich und unverrückbar unserer Überzeugung treu bleiben, dass wir verpflichtet sind, alles zu tun, um die heilige Sache der Wiederherstellung der vollen kirchlichen und sakramentalen Gemeinschaft der Kirchen auf der Grundlage desselben Glaubens in Liebe und gegenseitigem Respekt der jeweils spezifischen Ausdrucksformen desselben apostolischen Glaubens voranzubringen.
Wir erwarten und hoffen, dass auch von dieser Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung konkrete positive Schritte und Resultate ausgehen, die diesem Zweck dienen, und dass wir, die Kirchen, erleuchtet vom Licht Christi und in Anerkenntnis dieses Lichtes, zu einer übereinstimmenden Auffassung über den Charakter und die Gestalt der erstrebten christlichen Einheit gelangen; denn uns allen ist klar, dass eines der allergrößten Hindernisse in den unterschiedlichen Auffassungen der christlichen Kirchen über den Zweck und das Ziel der Ökumenischen Bewegung besteht.
Für uns alle bleibt das letzte Gebet des Herrn in der Gestalt, in der es der Evangelist Johannes im 17. Kapitel seines Evangeliums bewahrt hat, das Kriterium, das Ziel und die Gestalt der ersehnten und erstrebten christlichen Einheit: ?Ich bitte nicht für sie allein, sondern auch für die, die durch ihr Wort zum Glauben an mich gelangen werden, auf dass alle eins seien, wie Du, Vater in mir und ich in Dir, auf dass auch sie eins seien, damit Welt glaube, dass Du mich gesandt hast.? (Jo 17,20 f.) Das Wie weist hier auf das Urbild für die Wiederherstellung der kirchlichen Gemeinschaft und Einheit hin. Und dieses Urbild ist das Leben und die Existenzweise der drei göttlichen Personen in der göttlichen Dreiheit. Dieses Vermächtnis unseres Herrn Jesus Christus müssen wir erfüllen, damit die Welt zum Glauben komme. Durch ein Gebet ist dieses Gebot auf uns gekommen; durch Gebet, durch Handeln und gesammelt im Geist müssen auch wir zur Tat schreiten, damit wir gemeinsam das Zeugnis des Glaubens und des tatkräftigen Dienstes geben. Wir erstreben also die Verwirklichung der vollen Gemeinschaft der Kirchen mit allen Folgen, die dies mit sich bringt, nicht aber eigene Interessen oder die Mehrung unserer eigenen Macht und unseres Einflusses oder die übermäßige Betonung von Exklusivität und kirchlicher Einzigartigkeit.
Aus diesen Gründen fördern und stützen wir uneingeschränkt jeden ökumenischen theologischen Dialog par cum pari als absolut unverzichtbar selbst in den kritischsten Momenten unserer Beziehungen. Denn ohne den Dialog ist das Erreichen des erstrebten Zwecks der christlichen Versöhnung, Gemeinschaft und Einheit unmöglich.
Nur durch aufrichtigen und objektiven Dialog werden wir darüber hinaus imstande sein, maßgeblich zur beständigen Versöhnung und Gemeinschaft der europäischen Völker beizutragen, die Schaffung eines neuen Europas zu stützen und zu fördern, in dem die christlichen Prinzipien und Werte auf der Grundlage des geistigen Erbes des Christentums herrschen, um bekennen und verkünden zu können, dass das Licht Christi wirklich allen leuchtet! Derselbe Jesus Christus sichert uns zu: ?? Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben.? (Jo 8,12)
Das zeigt, dass die Grundlagen eines neuen Europas nicht nur auf ökonomische, politische, kulturelle und nationale Dimensionen begrenzt werden können. Deshalb arbeiten wir mit aller Kraft und mit uneingeschränkter christlicher Überzeugung für die Schaffung eines menschlichen und sozialen Europas, das erleuchtet wird von dem ewigen und unlöschbaren Licht Christi, und in dem deshalb die Menschenrechte und die grundlegenden Werte des Friedens, der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Toleranz, der Partizipation und der Solidarität herrschen. Ebenso treten wir auch kategorisch für den Schutz des Lebens, den unvergleichlich hohen Wert der Ehe und der Familie, den Beistand und die Hilfe für die Bedürftigen, die Verzeihung und die Barmherzigkeit (s. Charta Oecumenica § 7) ein. Wenn es nicht gelingt, durch Taten die Menschen davon zu überzeugen, dass ihre Würde und ihre konkreten menschlichen Probleme im Mittelpunkt des Interesses der Verantwortlichen stehen, wird es kein Vertrauen und keinen wesentlichen Fortschritt in diesem neuen Europa geben.
Wir bestehen unnachgiebig auf diesen christlichen Prinzipien und Werten, denn angesichts der traurigen aktuellen Situation, die von der Konfusion der Werte und einem Kampf des Lichtes mit der Finsternis geprägt ist, sind wir in Sorge um den nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffenen Menschen, um seine täglich geschändete und verkannte Würde und Identität, um die Familie in ihrer unersetzbaren Bedeutung, um den arbeitenden Menschen und seine Reduktion auf ein lediglich konsumierendes und produzierendes Wesen; wir sind in Sorge um die Schöpfung Gottes wegen ihrer unablässigen und gewissenlosen Ausbeutung, jene Schöpfung, die seufzt und gleichzeitig unseren Planeten bedroht und ihrer Erlösung und ihres Schutzes harrt (Röm

. Wir sind in Sorge wegen der elementaren klimatischen und sonstigen Bedingungen. Wir sind in des Wortes wörtlicher Bedeutung in Sorge um die Luft und den Sauerstoff, die wir heute noch atmen, nach denen aber, so fürchten wir, künftige Generationen vergeblich verlangen werden. Wir sind in Sorge um das schiere Überleben des Menschen auf diesem Kontinent und auf unserem Planeten überhaupt.
Was muss über das hinaus, was schon geschehen ist, noch geschehen, damit wir erkennen und uns bewußt werden, wie dramatisch die Situation ist, welcher der um sein Überleben ringende Mensch auf unserem Planeten und auf unserem alten Kontinent Europa ausgesetzt ist? Was muss über das bisher Geschehene hinaus noch geschehen, dass unsere Augen geöffnet werden und wir das Licht Christi schauen und wir uns aufmachen, ihm zu folgen, damit wir endlich aufhören, unablässig in der Finsternis und auf Irrwegen zu gehen? Es bleibt uns keine Zeit mehr, zu verweilen oder abzuwarten. Woher rührt diese verantwortungslose willkürliche Blindheit, die doch so gefährlich ist? Gleichzeitig wächst beständig unsere Verantwortung.
Das, was unverzüglich geschehen muss, ist die Umkehr und der sich aus ihr ergebende Wandel unserer Lebensweise. Unsere Augen sind verfinstert und unfähig, dieses Licht zu sehen und ihm zu folgen, denn sie haben sich schon an die herrschende Finsternis und die durch diese herbeigeführte Verwirrung gewöhnt. Doch wer Augen hat zu sehen, der sehe! Das Urteil Jesu Christi über seine Jünger ist bis heute gültig: ?? Ist euer Herz noch immer verstockt? Obwohl ihr Augen habt, seht ihr nicht; obwohl ihr Ohren habt, hört ihr nicht ? Und er sprach zu ihnen: Versteht ihr noch immer nicht?? (Mk 8,18-21) Es ist also nicht neu, dass diejenigen, die seine Jünger zu sein scheinen, ihn, der das Licht ist, verlassen haben, ohne sich dessen bewusst zu sein ? ganz so, wie der Evangelist Johannes beschreibt: ?Er ist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der zur Welt kommt. Er war in der Welt, und die Welt ward durch ihn, und doch hat die Welt ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf.? (Jo 1,9-11)
Inmitten dieser Befindlichkeit wiederholen wir, was wir schon früher gesagt haben, auch heute vor Ihnen allen: dass wir auch weiterhin uns selbst und das Ökumenische Patriarchat ? wie wir glauben wollen, gemeinsam mit allen christlichen Kirchen Europas ? in den Dienst am heute vielfältig leidenden Menschen und an der mit ihm seufzenden Schöpfung Gottes treten, ohne irgendeine andere Lösung dieser Probleme zu haben, und dass wir absolut entschlossen sind, beizutragen und mitzuwirken an jeglichem konstruktiven und aufrichtigen Dialog.
In diesem Geist segnen und unterstützen wir den Vorschlag der orthodoxen Delegierten, die zur Vorbereitung dieser Europäischen Ökumenischen Versammlung im vergangenen Juni zu einer interorthodoxen Konferenz in Rhodos zusammengekommen waren: der kommende Freitag, der 7. September, solle ein Tag freiwilligen Fastens für uns alle sein ? als ein leibhaftes Zeichen, als eine Reaktion auf die Sorge, welche die orthodoxe Kirche, aber auch alle anderen Christen in Europa wegen unseres katastrophalen und ignoranten Verhaltens gegenüber der Natur und der Umwelt ergriffen hat.
In diesem Moment rufen wir ? im vollen Bewusstsein unseres Dienstes der Koordination in dem umfassenden Leib, den die Gemeinschaft unserer orthodoxen Geschwister darstellt ? wiederum alle orthodoxen Kirchen dazu auf, die aktuelle Verantwortung auf sich zu nehmen und durch Zusammenarbeit sowohl innerorthodox wie auch mit allen anderen christlichen Kirchen, insbesondere mit allen Kirchen in Europa, dazu beizutragen, dass die Wunden des leidenden Menschen unserer Zeit geheilt werden. Ohne diesen Dialog und die unumgängliche innerorthodoxe und ökumenische Zusammenarbeit sowie das Zusammenwirken mit allen verantwortlich Handelnden und allen maßgeblichen Faktoren und Organisationen, seien sie religiös, politisch, wirtschaftlich, kulturell etc., sind isolierte Initiativen von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Wir bekennen, verkünden und tun dies, weil wir absolut davon überzeugt sind, dass diese unsere Sorge zugleich auch die Sorge aller christlichen Kirchen und aller vernünftigen Verantwortlichen in den vielfältigen und zahllosen administrativen Behörden auf lokaler, nationaler, internationaler und paneuropäischer Ebene ist.
Gleichwohl wissen wir und stellen wir fest, dass die grundlegenden Prinzipien und Werte auch der anderen monotheistischen Religionen den gegenseitigen Respekt vor der Würde der menschlichen Person und infolgedessen die friedliche Koexistenz der Völker und aller Menschen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit nicht nur erlauben, sondern gebieten. Die Ergebnisse und die Fortschritte der zahlreichen interreligiösen Dialoge, von denen viele sich unseren Initiativen und unserer persönlichen Teilnahme verdanken, garantieren die Gültigkeit dieser Feststellung. Jede andere Behauptung oder interessegeleitete Doktrin, dass angeblich die Religionen, oder einige von ihnen, auf Grund ihres Charakters und ihrer Prinzipien Intoleranz, Fanatismus, Nationalismus, Gewalt und Krieg verbreiteten, entsprechen nicht der Wirklichkeit. Wir wiederholen hier den Grundsatz der Deklaration vom Bosporus, die eine von uns im Jahr 1994 zusammengerufene interreligiöse Konferenz verabschiedet hat und die mit uns auch andere Vertreter des Christentums, des Judentums und des Islam unterzeichnet haben. Dieser Grundsatz besagt, dass jedes Verbrechen im Namen der Religion ein Verbrechen gegen die Religion selbst ist. Wir sind uns absolut sicher, dass das friedliche Miteinander und die Zusammenarbeit zwischen den Menschen unabhängig von Nationalität und Religionszugehörigkeit, seien es Christen, Juden oder Muslime, nicht nur möglich, sondern auch dem Gott des Friedens und der Gerechtigkeit wohlgefällig ist.
Darum bedarf es der Wachsamkeit und eines tatkräftigen Widerstandes, um zu verhüten, dass einige unter Ausnutzung der religiösen Gefühle und Emotionen der Menschen ihren ideologischen, politischen, ökonomischen oder andersgearteten Vorteil suchen. Ohne Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit können weder das neue europäische Haus noch irgendeine menschliche Gesellschaft gebildet werden.
Auf der Grundlage unseres Glaubens sind wir dazu verpflichtet, nicht nur zu verkünden, sondern auch durch unser Leben zu bezeugen, dass wir alle in dieser Welt nur Beisassen sind, ?denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern suchen die zukünftige? (Hebr 13,14). So weist auch das neue Europa alle Züge einer Gesellschaft auf, die in Bewegung ist, weil die Völker, die sie bilden, aus verschiedenen kulturellen, gesellschaftlichen und religiösen Ursprüngen stammen und dementsprechend in allen kulturellen und strukturellen Regelungen dieser neuen Gesellschaft ernsthaft berücksichtigt werden müssen ? und das auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts und der Gleichrangigkeit aller Völker, wie es auch unsere Väter betont haben.
Wir sind absolut davon überzeugt, dass das Licht Christi auf alle scheint! Dieses Bekenntnis ist ein Teil der Vorbereitung auf die Feier der Auferstehung unseres Heilandes Jesus Christus in der orthodoxen Kirche. Das Licht Christi ist im Grunde der auferstandene Christus selbst, der die Schrecknisse und die Leiden überwunden hat, der den Tod durch den Tod zertreten und allen das ewige Leben geschenkt hat. Deswegen singen und rufen wir: ?Heute ist alles mit Licht erfüllt: Himmel, Erde und Unterwelt. Darum feiere alle Schöpfung Christi Auferstehung, in der sie gegründet ist?.
Dieser unser Glaube ist auch unser aller Erwartung und Hoffnung, unser aller Überzeugung und Zukunft".