Wiedereinstieg in die orthodoxe Kirche?

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Rafail
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Wiedereinstieg in die orthodoxe Kirche?

Beitragvon Rafail » 25.02.2018, 13:46

Liebe orthodoxe Brüder und Schwestern,

ich bin neu in diesem Forum und beschäftige mich schon länger mit meiner Religion. Seit meinem zweiten Lebensjahr bin ich ein getaufter russisch orthodoxer Christ, aber es war für mich bis vor ungefähr einem Jahr nur ein Anhängsel. Ich war nie ein praktizierender Christ, habe weder am Fasten teilgenommen, eher selten gebetet. In der Kirche war ich bestimmt 7 Jahre nicht mehr. :oops: Jetzt will ich mich etwas mehr mit der orthoxen Kirche auseinandersetzen.

Es fing an vor ca. einem Jahr. Ich trage seit Grundschulzeiten eine kleine goldene Kreuzkette, die ich sonst nie großartig beachtet habe. Es klingt komisch, aber es war halt immer um meinen Hals, ohne, dass es mich irgendwie großartig gestört hätte. Diese Kette musste ich am besagten Tag ausziehen da wir in der Berufsschule Schulsport hatten und Schmuck in der Regel ausziehen mussten. Zu Hause schaute ich mir die Kette genauer an, die schon ein ganzes Jahrzehnt mit mir rumtrage. Auf der Rückseite stand auf russisch geschrieben: "Спаси и Сохрани", auf deutsch: "beschütze und bewahre" oder so ähnlich. Ab dem Zeitpunkt an fing ich so langsam an mich mit meiner Religion zu beschäftigen. Bei Gelegenheit habe ich im Internet versucht so viel über meine Religion herauszufinden wie möglich. Gewisse Grundkenntnisse besaß ich schon, aber würde sagen, dass mein Wissen über Kultur, den eigentlichen Glauben eher beschränkt war/ist.

Nun ja.. Jedenfalls habe ich vor mal wieder eine orthodoxe Kirche zu betreten, allerdings weiß ich noch nicht so recht, ob ich dazu bereit bin. Ich habe Angst in irgenwelche Fettnäpfchen zu treten. Meine Erinnerungen an eine Liturgie sind sehr schwammig. Ist ja schließlich eine Ewigkeit her, als ich das letzte mal in einer Kirche gewesen bin. Dazu kommt, dass mein Russisch eher eingeschränkt ist...

Ich verstehe viel und ich kann mich halbwegs verständigen, aber ich habe Angst in ein längeres Gespräch auf russisch gezogen zu werden, da ich das glaube ich nicht so richtig hinbekomme. Dazu noch gesagt, ich versuche auch schon seit einigen Monaten mein russisch aufzubessern, was mir bisher auch ziemlich gelingt. Hat hier jemand eine Idee wie ich das Wiedereingliedern in die orthodoxe Gemeinde hinbekomme, bzw. ein paar nützliche Tipps für mich?

MfG

Hetairos
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Re: Wiedereinstieg in die orthodoxe Kirche?

Beitragvon Hetairos » 26.02.2018, 21:33

Lieber Rafail,
Mach Dir mal keine Sorgen. Diese Seite hat viele Neugetaufte und Konvertiten, die alle bei Null angefangen haben. Gleiches gilt auch insgesamt für die russisch-orthodoxe Kirche, die nach 70 Jahren Kommunismus und staatlich verordnetem Atheismus einen großen Zulauf erfährt. Du hast schon Erfahrung und bist nicht mehr der erste, der am Sonntag unerfahren in die Kirche kommt.
Geh einfach hin, beobachte und bleibe neugierig. Du wirst nicht verstoßen.
Grüße, H.
Aν πεθάνεις, πριν πεθάνεις, δεν θα πεθάνεις, όταν πεθάνεις!

Christian
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Re: Wiedereinstieg in die orthodoxe Kirche?

Beitragvon Christian » 27.02.2018, 09:31

Moin. Angst braucht man vor der Kirche oder Gemeinde nicht zu haben. Nach unseren Erfahrungen freut sich die Gemeinde über weitere Besucher. Und verwickelt uns auch in so manches Gespräch - auf Deutsch, weil wir eben Deutsche sind. Und "Fettnäpfchen" werden uns am Anfang als "Neue" (die Jüngsten sind wir nicht mehr) auch verziehen - woher soll manns denn wissen, wenn man noch nicht dort war???

Heilige Gegenstände wirken - auch nur so an sich - ob Kreuz, Ikone, Bibel... Ich hatte als junger Mann von meinem Vater gute Beziehungen zum Buchhandel (auch Bibliotheken, Archiven etc. pp.) geerbt - und das Glück, vor rund einem halben Jahrhundert von meinem Gesparten (als Schüler habe ich viele sog. "Sekundärrohstoffe", aber auch anderes wie Eicheln, Kastanien usw. gesammelt) ein "Neues Testament" kaufen zu können - in Großdruck, weil das grad frisch gedruckt wurde - mit breitem Rand, den ich beschreiben konnte. So lernte ich den Glauben kennen - mitten im Sozialismus.

Vor rund zehn Jahren bekamen wir von einem alten orthodoxen Russen (Nikolai, den die Deutschen 1933 in Ludwig umbenannten) eine Ikone vererbt - er war Ikonenmaler. Und nur durch das Aufhängen hat uns die Ikone zur Orthodoxie hingeführt. Meine Frau lernt jetzt Ikonenmalerei in Athen über einen Fernkurs

https://www.patreon.com/ikonographics?u ... atorshare2

und unsere Wohnung füllt sich mit selbstgeschrieben Ikonen, ich schreib ein bißchen bei Orthpedia mit, und ein bißchen auch hier.

Einfach machen. Es beißt niemand, im Gegenteil.

Christian


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