V - Vorbereitung auf die Göttliche Kommunion
Verfasst: 23.04.2009, 09:18
Die Vorbereitung auf die Hl. Kommunion
von Vr. Vassilios Papavassiliou
In seinem Buch, Die Große Fastenzeit, schreibt Vr. Alexander Schmemann:
„...in vielen orthodoxen Kirchen wird die heutzutage allgemein angenommene Auffassung vertreten, daß die Laien unmöglich ohne sakramentale Beichte und Absolution zur Kommunion gehen können. Selbst wenn jemand häufig die Kommunion empfangen möchte, müßte er jedesmal zur Beichte gehen oder wenigstens die sakramentale Absolution empfangen. Was auch immer die verschiedenen und teilweise ernstzunehmenden Gründe für diese Auffassung auch sein mögen, muß hier offen festgestellt werden, daß diese nicht nur keine Grundlage in der Tradition haben, sondern im Gegenteil zu alarmierenden Entstellungen in der orthodoxen Lehre von der Kirche, der Eucharistie und dem Bußsakrament selbst führen.“
Obwohl Vr. Alexander hier von der russischen Tradition spricht, ist klar, dass eine der größten Verzerrungen, auf die er sich bezieht, in unserem Verständnis der Eucharistie liegt. Nicht nur aus der Gewohnheit der Laien, sondern sogar aus dem Denken des Klerus und gelernter Theologen wird klar, dass wir die Eucharistie von der Liturgie getrennt haben. Ich meine damit, dass wir dazu neigen die ‚Teilnahme’ an der Liturgie als eine Sache zu sehen, und die Kommunion als etwas anderes, etwas ‚zusätzliches’. Dieses Prinzip wurde soweit getrieben, dass wir in den Weg eines Laien zur Kommunion endlose Grenzlinien und Hürden gelegt haben. Priester, die heftig bedauern, dass nicht häufiger kommuniziert wird, sind oft die Gleichen, die auf Regeln bestehen, die es dem Laien fast unmöglich machen an den Heiligen Mysterien, den Sakramenten, teilzuhaben.
Welches sind diese Hürden? Die erste Hürde ist die Beichte, oder auch die bloße ‚Absolution’. Die zweite Hürde sind die ‚Gebete zur Vorbereitung auf die Heilige Kommunion’. Die dritte ist Fasten (denn uns wurde gesagt, dass man nicht kommunizieren darf, ohne sich zuvor seit dem vergangenen Abend, einen ganzen Tag oder sogar drei Tage von gewissen Speisen enthalten zu haben). Die vierte Hürde (wenn auch weniger häufig) ist die notwendige Anwesenheit beim Orthros und manchmal sogar bei der Vesper für eine‚ würdige’ Teilhabe an den heiligen Mysterien. Bevor wir uns diese ‚Hürden’ näher betrachten, lesen wir einen Kommentar des Hl. Johannes Cassianus (4./5. Jh.) zur Hl. Kommunion:
„Es gibt Fälle, in denen sich der Priester nicht von einem Laien unterscheidet, namentlich wenn man die Heiligen Mysterien betrachtet. Sie werden uns alle gleichermaßen gereicht, nicht so wie im Alten Testament, wo ein Teil der Speisen für die Priester und ein anderer Teil für das Volk bestimmt war, denn dem Volk war es nicht erlaubt, an dem teilzuhaben, was den Priestern zugedacht war. Jetzt ist es nicht mehr so. Allen wird derselbe Leib und derselbe Kelch gereicht.“
Der Hl. Johannes Cassianus macht völlig klar, dass es bei der Hl. Kommunion keinen Unterschied zwischen dem Klerus und den Laien gibt. Die Vorbereitung, die von dem einen verlangt wird, gilt auch für den anderen. Deshalb ist es bemerkenswert, dass einige Priester darauf bestehen, dass die Laien jedes Mal, wenn sie zur Kommunion gehen wollen zuvor zur Beichte gehen müssen. Ich würde gerne wissen, wieviele Priester vor jeder Liturgie, die sie feiern, zur Beichte gehen. Ist das nicht ein Fall wie bei Lukas beschrieben:
„Ihr ladet den Menschen Lasten auf, die sie kaum tragen können, selbst aber rührt ihr keinen Finger dafür“ (vgl. Lk 11,46). Der Rückgang der Beichte vielerorts ist sicher bedauernswert und zum Sakrament der Buße und Versöhnung muss gewiss erklärt und dazu ermuntert werden (erklärt nicht nur denen, die nie oder selten zur Beichte gehen, sondern auch denen, die es als etwas mechanisches ansehen – als ob regelmäßige Beichte – mit oder ohne echte Reue – uns für die Hl. Kommunion ‚würdig’ machen würde).
Diese ‚Regel’, dass vor der Kommunion immer gebeichtet werden muss, was aber nicht für den Klerus gilt, scheint der Vermutung gleichzukommen, dass die Kommunion eine ‚Verpflichtung’ des Klerus sei, aber nicht der Laien. Zudem scheint das Bestehen auf dem Sakrament der Beichte eine völlige Unkenntnis der auffallendsten und bestens bekannten Worte der Hl. Anaphora darzustellen: „Dies ist mein Leib ... dies ist mein Blut ... zur Vergebung der Sünden.“
Wenn wir wirklich glauben dass der Leib und das Blut Christi zur Vergebung unserer Sünden sind, warum verlangen wir dann die Vergebung der Sünden im Sakrament der Buße oder im Gebet der ‚Absolution’ bevor wir sie empfangen?
Das Hl. Abendmahl scheint ein ‚Privileg’ des Klerus zu sein, und das Volk Gottes kann am Hl. Abendmahl nur teilhaben, wenn es einige Hürden
überwunden hat. Die zweite Hürde sind die Gebete zur Vorbereitung auf die Hl. Kommunion. Der Gedanke, dass die Liturgie selbst – deren Ziel und Zweck die Teilhabe an den göttlichen Mysterien ist – selbst die Vorbereitung vor der Hl. Kommunion und die Danksagung danach ist, scheint uns nicht zu kommen. Während wir, der Klerus, gerne viele Gebete der Göttlichen Liturgie auslassen, sind wir viel weniger bereit ‚private Gebeten’ für erläßlich zu halten, als ob die Liturgie ein gemeinsamer Akt des Lobpreises wäre, aber die Hl. Kommunion eine rein private Angelegenheit. Die erste Erwähnung der Kommunion in der Göttlichen Liturgie ist im ‚Zweiten Gebet der Gläubigen’, das vor dem Cherubim-Hymnus gelesen werden sollte (obwohl es oft nicht einmal mehr leise vom Priester gebetet wird):
„Wieder und oftmals fallen wir vor Dir nieder und bitten Dich, ... daß Du, auf unser Gebet niederblickend, unsere Seelen und Leiber von aller Unreinheit des Leibes und des Geistes reinigen mögest und uns verleihen mögest, ohne Schuld und Verdammung vor Deinem heiligen Altar zu stehen. Schenke, Gott, auch denen, die mit uns beten, Vervollkommnung der Lebensführung .... Gewähre ihnen, ... ohne Schuld und Verdammung an Deinen heiligen Mysterien teilzunehmen und Deines himmlischen Reiches teilhaftig zu werden.“
Obwohl es offensichtlich ein Gebet des Priesters für das Volk ist („Schenke auch denen, die mit uns beten“) und nicht notwendigerweise je dazu bestimmt war, vom Volk gehört zu werden, ist es ein Gebet, das für das Volk gebetet wird, damit es ‚würdig’ gemacht werde, an den Hl. Mysterien teilzuhaben. Dieser Gedanke, dass der Priester für das Volk betet, dass es fähig gemacht werde zur Kommunion zu gehen, wird in anderen Gebeten (die leider auch oft ausgelassen werden) klar gemacht:
„Nimm auch die Bitte von uns Sündern an und führe uns an deinen heiligen Altar heran und mach uns fähig, dir Gaben und geistige Opfer für unsere Sünden und die Vergehen des Volkes darzubringen.“
„Damit wir deinen makellosen Leib und dein kostbares Blut empfangen und durch uns das ganze Volk.“
Fast alle Bitten und Gebete ab dem Cherubim-Hymnus (die Liturgie der Gläubigen) dienen dem Zweck der Vorbereitung auf die Kommunion. Ebenso dienen alle Gebete der Göttlichen Liturgie nach der Teilhabe an den heiligen Gaben der Danksagung für die Kommunion, obwohl das ‚Dansagungsgebet’ vielerorts ausgelassen wird oder vom Priester leise gebetet wird, obwohl nichts in diesem Gebet darauf hindeutet, dass es nur vom Priester allein gehört werden solle:
„Wir danken dir, menschenliebender Herr, du Wohltäter unserer Seelen, daß du uns auch am heutigen Tag deiner himmlischen und unsterblichen Mysterien gewürdigt hast. Mach unseren Weg gerade, befestige uns alle in deiner Ehrfurcht, beschütze unser Leben, sichere unsere Schritte durch die Bitten und Gebete der ruhmreichen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria und aller deiner Heiligen.“
Bei der dritten Hürde – dem Fasten – scheint einige Verwirrung zu bestehen zwischen ‚völliger Abstinenz’ und ‚asketischem Fasten’ (Enthaltsamkeit von bestimmten Speisen) vor der Kommunion. ‚Asketisches Fasten’ vor der Kommunion scheint in unserer Tradition keine Grundlage zu haben. Richtig ist, dass diejenigen, die gesund genug sind um zu fasten, sich aller Speisen und Getränke am Morgen der Kommunion enthalten sollten – außer vielleicht unter besonderen Umständen –, genauso wie diejenigen, die an der Hl. Kommunion in der Liturgie der Vorgeweihten Gaben teilnehmen, sich aller Nahrung mehrere Stunden davor enthalten sollten. Aber die orthodoxe Tradition besteht nicht auf einem ‚asketischen Fasten’ ein oder zwei Tage vor der Kommunion.
Die vierte Hürde – dass wer kommunizieren will den Orthros oder sogar die Vesper besuchen sollte – hat ebenfalls keine Tradition. Vesper und Orthros sind zwei von der Göttlichen Liturgie ganz unterschiedliche Andachten. Wenn, wie ich gesagt habe, die Vorbereitung und die Danksagung für die Kommunion wesentliche Bestandteile der Göttlichen Liturgie sind, dann ist die Teilnahme an der Göttlichen Liturgie vom Anfang an oder wenigstens ab dem Beginn der Liturgie der Gläubigen (nach der Evangeliumslesung) notwendig. Sogar das kann für manche, die weit entfernt wohnen oder Säuglinge und kleine Kinder haben schwierig sein. Leuten, die mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, sollten wir Feingefühl und großes Verständnis entgegenbringen.
Verwundert es, wenn man sich die Hindernisse ansieht, die wir zwischen die heiligen Gaben und die Laien gesetzt haben, dass die häufige Kommunion mancherorts noch eine Seltenheit ist? Unser Klerus sollte vorsichtig sein, dass er nicht an die Laien größere Anforderungen zur Vorbereitung auf die Hl. Kommunion stellt, als an sich selbst. Die Eucharistie ist nicht eine Belohnung für gutes Benehmen, sie wird uns gewährt zur Vergebung der Sünden und für das ewige Leben. Wie es der Hl. Johannes Cassianus formuliert:
„Wir dürfen nicht auf die Kommunion verzichten, weil wir uns für sündhaft halten. Wir müssen sie zur Heilung unserer Seelen und zur Reinigung unseres Geistes häufiger empfangen, jedoch in solcher Demut und in solchem Glauben, daß wir uns unwürdig fühlen ... wir würden ja auch mehr Medizin für unsere Wunden wünschen. Sonst ist es unmöglich, die Kommunion einmal im Jahr zu empfangen, wie es gewisse Leute tun ... in der Meinung, die Heiligung durch die himmlischen Mysterien sei nur Heiligen zugänglich. Der Gedanke ist besser, daß das Sakrament uns rein und heilig durch die uns geschenkte Gnade macht. Solche Leute bezeugen mehr Stolz als Demut ... denn, wenn sie die Kommunion empfangen, halten sie sich selbst für würdig. Es ist
besser, daß wir demütig von Herzen im Bewußtsein, nie zum Empfang der Heiligen Mysterien würdig zu sein, sie dennoch jeden Sonntag zur Heilung unserer Schwächen empfangen, als durch Stolz verblendet zu meinen, daß man nach einem Jahr würdig
wäre, sie zu empfangen ...“
Quelle: http://www.thyateira.org.uk/index.php?o ... Itemid=123
Übers. a. d. Engl.: G. Wolf
Hier aus: http://www.andreas-bote.de/Archiv/2009/sab200904.pdf
von Vr. Vassilios Papavassiliou
In seinem Buch, Die Große Fastenzeit, schreibt Vr. Alexander Schmemann:
„...in vielen orthodoxen Kirchen wird die heutzutage allgemein angenommene Auffassung vertreten, daß die Laien unmöglich ohne sakramentale Beichte und Absolution zur Kommunion gehen können. Selbst wenn jemand häufig die Kommunion empfangen möchte, müßte er jedesmal zur Beichte gehen oder wenigstens die sakramentale Absolution empfangen. Was auch immer die verschiedenen und teilweise ernstzunehmenden Gründe für diese Auffassung auch sein mögen, muß hier offen festgestellt werden, daß diese nicht nur keine Grundlage in der Tradition haben, sondern im Gegenteil zu alarmierenden Entstellungen in der orthodoxen Lehre von der Kirche, der Eucharistie und dem Bußsakrament selbst führen.“
Obwohl Vr. Alexander hier von der russischen Tradition spricht, ist klar, dass eine der größten Verzerrungen, auf die er sich bezieht, in unserem Verständnis der Eucharistie liegt. Nicht nur aus der Gewohnheit der Laien, sondern sogar aus dem Denken des Klerus und gelernter Theologen wird klar, dass wir die Eucharistie von der Liturgie getrennt haben. Ich meine damit, dass wir dazu neigen die ‚Teilnahme’ an der Liturgie als eine Sache zu sehen, und die Kommunion als etwas anderes, etwas ‚zusätzliches’. Dieses Prinzip wurde soweit getrieben, dass wir in den Weg eines Laien zur Kommunion endlose Grenzlinien und Hürden gelegt haben. Priester, die heftig bedauern, dass nicht häufiger kommuniziert wird, sind oft die Gleichen, die auf Regeln bestehen, die es dem Laien fast unmöglich machen an den Heiligen Mysterien, den Sakramenten, teilzuhaben.
Welches sind diese Hürden? Die erste Hürde ist die Beichte, oder auch die bloße ‚Absolution’. Die zweite Hürde sind die ‚Gebete zur Vorbereitung auf die Heilige Kommunion’. Die dritte ist Fasten (denn uns wurde gesagt, dass man nicht kommunizieren darf, ohne sich zuvor seit dem vergangenen Abend, einen ganzen Tag oder sogar drei Tage von gewissen Speisen enthalten zu haben). Die vierte Hürde (wenn auch weniger häufig) ist die notwendige Anwesenheit beim Orthros und manchmal sogar bei der Vesper für eine‚ würdige’ Teilhabe an den heiligen Mysterien. Bevor wir uns diese ‚Hürden’ näher betrachten, lesen wir einen Kommentar des Hl. Johannes Cassianus (4./5. Jh.) zur Hl. Kommunion:
„Es gibt Fälle, in denen sich der Priester nicht von einem Laien unterscheidet, namentlich wenn man die Heiligen Mysterien betrachtet. Sie werden uns alle gleichermaßen gereicht, nicht so wie im Alten Testament, wo ein Teil der Speisen für die Priester und ein anderer Teil für das Volk bestimmt war, denn dem Volk war es nicht erlaubt, an dem teilzuhaben, was den Priestern zugedacht war. Jetzt ist es nicht mehr so. Allen wird derselbe Leib und derselbe Kelch gereicht.“
Der Hl. Johannes Cassianus macht völlig klar, dass es bei der Hl. Kommunion keinen Unterschied zwischen dem Klerus und den Laien gibt. Die Vorbereitung, die von dem einen verlangt wird, gilt auch für den anderen. Deshalb ist es bemerkenswert, dass einige Priester darauf bestehen, dass die Laien jedes Mal, wenn sie zur Kommunion gehen wollen zuvor zur Beichte gehen müssen. Ich würde gerne wissen, wieviele Priester vor jeder Liturgie, die sie feiern, zur Beichte gehen. Ist das nicht ein Fall wie bei Lukas beschrieben:
„Ihr ladet den Menschen Lasten auf, die sie kaum tragen können, selbst aber rührt ihr keinen Finger dafür“ (vgl. Lk 11,46). Der Rückgang der Beichte vielerorts ist sicher bedauernswert und zum Sakrament der Buße und Versöhnung muss gewiss erklärt und dazu ermuntert werden (erklärt nicht nur denen, die nie oder selten zur Beichte gehen, sondern auch denen, die es als etwas mechanisches ansehen – als ob regelmäßige Beichte – mit oder ohne echte Reue – uns für die Hl. Kommunion ‚würdig’ machen würde).
Diese ‚Regel’, dass vor der Kommunion immer gebeichtet werden muss, was aber nicht für den Klerus gilt, scheint der Vermutung gleichzukommen, dass die Kommunion eine ‚Verpflichtung’ des Klerus sei, aber nicht der Laien. Zudem scheint das Bestehen auf dem Sakrament der Beichte eine völlige Unkenntnis der auffallendsten und bestens bekannten Worte der Hl. Anaphora darzustellen: „Dies ist mein Leib ... dies ist mein Blut ... zur Vergebung der Sünden.“
Wenn wir wirklich glauben dass der Leib und das Blut Christi zur Vergebung unserer Sünden sind, warum verlangen wir dann die Vergebung der Sünden im Sakrament der Buße oder im Gebet der ‚Absolution’ bevor wir sie empfangen?
Das Hl. Abendmahl scheint ein ‚Privileg’ des Klerus zu sein, und das Volk Gottes kann am Hl. Abendmahl nur teilhaben, wenn es einige Hürden
überwunden hat. Die zweite Hürde sind die Gebete zur Vorbereitung auf die Hl. Kommunion. Der Gedanke, dass die Liturgie selbst – deren Ziel und Zweck die Teilhabe an den göttlichen Mysterien ist – selbst die Vorbereitung vor der Hl. Kommunion und die Danksagung danach ist, scheint uns nicht zu kommen. Während wir, der Klerus, gerne viele Gebete der Göttlichen Liturgie auslassen, sind wir viel weniger bereit ‚private Gebeten’ für erläßlich zu halten, als ob die Liturgie ein gemeinsamer Akt des Lobpreises wäre, aber die Hl. Kommunion eine rein private Angelegenheit. Die erste Erwähnung der Kommunion in der Göttlichen Liturgie ist im ‚Zweiten Gebet der Gläubigen’, das vor dem Cherubim-Hymnus gelesen werden sollte (obwohl es oft nicht einmal mehr leise vom Priester gebetet wird):
„Wieder und oftmals fallen wir vor Dir nieder und bitten Dich, ... daß Du, auf unser Gebet niederblickend, unsere Seelen und Leiber von aller Unreinheit des Leibes und des Geistes reinigen mögest und uns verleihen mögest, ohne Schuld und Verdammung vor Deinem heiligen Altar zu stehen. Schenke, Gott, auch denen, die mit uns beten, Vervollkommnung der Lebensführung .... Gewähre ihnen, ... ohne Schuld und Verdammung an Deinen heiligen Mysterien teilzunehmen und Deines himmlischen Reiches teilhaftig zu werden.“
Obwohl es offensichtlich ein Gebet des Priesters für das Volk ist („Schenke auch denen, die mit uns beten“) und nicht notwendigerweise je dazu bestimmt war, vom Volk gehört zu werden, ist es ein Gebet, das für das Volk gebetet wird, damit es ‚würdig’ gemacht werde, an den Hl. Mysterien teilzuhaben. Dieser Gedanke, dass der Priester für das Volk betet, dass es fähig gemacht werde zur Kommunion zu gehen, wird in anderen Gebeten (die leider auch oft ausgelassen werden) klar gemacht:
„Nimm auch die Bitte von uns Sündern an und führe uns an deinen heiligen Altar heran und mach uns fähig, dir Gaben und geistige Opfer für unsere Sünden und die Vergehen des Volkes darzubringen.“
„Damit wir deinen makellosen Leib und dein kostbares Blut empfangen und durch uns das ganze Volk.“
Fast alle Bitten und Gebete ab dem Cherubim-Hymnus (die Liturgie der Gläubigen) dienen dem Zweck der Vorbereitung auf die Kommunion. Ebenso dienen alle Gebete der Göttlichen Liturgie nach der Teilhabe an den heiligen Gaben der Danksagung für die Kommunion, obwohl das ‚Dansagungsgebet’ vielerorts ausgelassen wird oder vom Priester leise gebetet wird, obwohl nichts in diesem Gebet darauf hindeutet, dass es nur vom Priester allein gehört werden solle:
„Wir danken dir, menschenliebender Herr, du Wohltäter unserer Seelen, daß du uns auch am heutigen Tag deiner himmlischen und unsterblichen Mysterien gewürdigt hast. Mach unseren Weg gerade, befestige uns alle in deiner Ehrfurcht, beschütze unser Leben, sichere unsere Schritte durch die Bitten und Gebete der ruhmreichen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria und aller deiner Heiligen.“
Bei der dritten Hürde – dem Fasten – scheint einige Verwirrung zu bestehen zwischen ‚völliger Abstinenz’ und ‚asketischem Fasten’ (Enthaltsamkeit von bestimmten Speisen) vor der Kommunion. ‚Asketisches Fasten’ vor der Kommunion scheint in unserer Tradition keine Grundlage zu haben. Richtig ist, dass diejenigen, die gesund genug sind um zu fasten, sich aller Speisen und Getränke am Morgen der Kommunion enthalten sollten – außer vielleicht unter besonderen Umständen –, genauso wie diejenigen, die an der Hl. Kommunion in der Liturgie der Vorgeweihten Gaben teilnehmen, sich aller Nahrung mehrere Stunden davor enthalten sollten. Aber die orthodoxe Tradition besteht nicht auf einem ‚asketischen Fasten’ ein oder zwei Tage vor der Kommunion.
Die vierte Hürde – dass wer kommunizieren will den Orthros oder sogar die Vesper besuchen sollte – hat ebenfalls keine Tradition. Vesper und Orthros sind zwei von der Göttlichen Liturgie ganz unterschiedliche Andachten. Wenn, wie ich gesagt habe, die Vorbereitung und die Danksagung für die Kommunion wesentliche Bestandteile der Göttlichen Liturgie sind, dann ist die Teilnahme an der Göttlichen Liturgie vom Anfang an oder wenigstens ab dem Beginn der Liturgie der Gläubigen (nach der Evangeliumslesung) notwendig. Sogar das kann für manche, die weit entfernt wohnen oder Säuglinge und kleine Kinder haben schwierig sein. Leuten, die mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, sollten wir Feingefühl und großes Verständnis entgegenbringen.
Verwundert es, wenn man sich die Hindernisse ansieht, die wir zwischen die heiligen Gaben und die Laien gesetzt haben, dass die häufige Kommunion mancherorts noch eine Seltenheit ist? Unser Klerus sollte vorsichtig sein, dass er nicht an die Laien größere Anforderungen zur Vorbereitung auf die Hl. Kommunion stellt, als an sich selbst. Die Eucharistie ist nicht eine Belohnung für gutes Benehmen, sie wird uns gewährt zur Vergebung der Sünden und für das ewige Leben. Wie es der Hl. Johannes Cassianus formuliert:
„Wir dürfen nicht auf die Kommunion verzichten, weil wir uns für sündhaft halten. Wir müssen sie zur Heilung unserer Seelen und zur Reinigung unseres Geistes häufiger empfangen, jedoch in solcher Demut und in solchem Glauben, daß wir uns unwürdig fühlen ... wir würden ja auch mehr Medizin für unsere Wunden wünschen. Sonst ist es unmöglich, die Kommunion einmal im Jahr zu empfangen, wie es gewisse Leute tun ... in der Meinung, die Heiligung durch die himmlischen Mysterien sei nur Heiligen zugänglich. Der Gedanke ist besser, daß das Sakrament uns rein und heilig durch die uns geschenkte Gnade macht. Solche Leute bezeugen mehr Stolz als Demut ... denn, wenn sie die Kommunion empfangen, halten sie sich selbst für würdig. Es ist
besser, daß wir demütig von Herzen im Bewußtsein, nie zum Empfang der Heiligen Mysterien würdig zu sein, sie dennoch jeden Sonntag zur Heilung unserer Schwächen empfangen, als durch Stolz verblendet zu meinen, daß man nach einem Jahr würdig
wäre, sie zu empfangen ...“
Quelle: http://www.thyateira.org.uk/index.php?o ... Itemid=123
Übers. a. d. Engl.: G. Wolf
Hier aus: http://www.andreas-bote.de/Archiv/2009/sab200904.pdf