Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?

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Nassos
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Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?

Beitrag von Nassos »

Heute hatte ich eine Diskussion mit einem sehr glaeubigen Menschen. In diesem Gespraech sagte er mir, Jesus rief dies aus, um den Widersacher zu verunsichern.

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann lag das daran, dass sich dem Teufel Gott in Jesus auch noch nicht offenbart hatte. Eventuell haette Satan sonst versucht die Menschen zu veranlassen, Jesus vor Seinem Tod wieder vom Kreuz herunterzuholen, um das Erloesungswerk zu zu zerstoeren.

Dadurch, dass Jesus dies am Kreuz ausrief, hat er Satan verunsichert.

Dies wiederum hat fuer mich dann auch Sinn ergeben, warum sich Satan ueberhaupt angemasst hat, Jesus - Gott - in der Wueste zu versuchen. Denn selbst wenn es Gott zuliesse, muesste doch Satan wissen, dass er keine Chance gegen seinen Schoepfer hat.

Dies fand ich auf jeden Fall sehr interessant (vor allem weil andere diesen Ausruf anders auffassen, ich glaube die Zeugen Jehovas), und wollte dies hier zur Diskussin / als Frage aufstellen.

Dies war in sehr einfachen Worten ausgedrueckt, aber es geht um die Essenz.

Kann jemand hierzu was sagen?

Ich danke Euch,
Nassos
Loukia
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Beitrag von Loukia »

Das ist doch aus einem "Sterbepsalm", oder nicht?

Aber so habe ich das noch gar nicht betrachtet, wie hier beschrieben. Ich frage mich nur, wenn schon einige Menschen zugaben, "Du bist der Messias", Jesus Christus gegenüber, wieso hätte der Teufel es nicht gewusst? Ich meine, dumm ist er ja nicht unbedingt, aber er ist der Vater der Lüge und des Bösen.

Ich denke trotz seines Wissens darum (vorausgesetzt er wusste es), hätte Satan nichts tun können, weil es Gottes (bereits prophezeiter) Wille war?

Als er unseren Herrn in der Wüste versuchte und ihm allen Ruhm und Prunk der Welt versprach, dafür, das er vor ihm niederffällt - was hatte das eigentlich zu bedeuten?
Ἡ χάρις τοῦ Κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ μεθ' ὑμῶν. 1. Korinther 16,23
Sinaitis
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Beitrag von Sinaitis »

Lieber Nassos,
der Sohn Gottes war auch realer und wirklicher Mensch.
Abgesehen davon ist dieser Psalm das "offizielle" Sterbegebet der Juden gewesen. Warum sollte unser Herr nicht auch diesen Psalm gebetet haben. Wir können davon ausgehen, daß er den ganzen Psalm gebetet hat, auch wenn nur ein einziger Vers in den Evangelien zitiert wird. Aber dieses Zitat steht für den ganzen Psalm, so sagen die Exegeten zu Recht.
Loukia
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Beitrag von Loukia »

Also doch Sterbepsalm^^ Ist das denn einer von "den" Psalmen? Welcher?
Ἡ χάρις τοῦ Κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ μεθ' ὑμῶν. 1. Korinther 16,23
Metanoia
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Beitrag von Metanoia »

Mit diesem Ausruf hatte ich lange Schwierigkeiten. Wie kann es sein, dass Jesus von Gott verlassen ist? Es schmerzt, diesen Augenblick der Schwäche bei Jesus zu sehen, der auf aussieht, als sei Gott schwach geworden und von den Menschen überwältigt worden.

Jetzt erkläre ich es mir so: Um die Menschen zu retten, musste Gott genau dorthin kommen: in die Gottverlassenheit. In dieser fühlte Jesus das Gleiche wie die Menschen, die bis dahin dort waren. Doch dadurch, dass Gott dahin kommt, wo ich verlorener Mensch bin, hat er die Dunkelheit zum Paradies gemacht. Lieber an einem schrecklichen Ort mit Gott, als am schönsten Ort ohne Gott.
Sinaitis
Priester
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Beitrag von Sinaitis »

"musste Gott genau"

was MUSS Gott?
Loukia
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Beitrag von Loukia »

Diese Aussage hat mich wohl zurecht stutzig gemacht. ^^
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Metanoia
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Beitrag von Metanoia »

OK, es ist wohl besser zu sagen, Gott "wollte" das so tun. Schließlich ist es Gottes souveräne Entscheidung etwas zu tun oder nicht zu tun.
Sinaitis
Priester
Beiträge: 463
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Beitrag von Sinaitis »

Lieber Metanoia,
auch "souveräne Entscheidung" trifft daneben. Auch Willkür kann eine souveräne Entscheidung sein.
Was Gott tut, tut er aus Liebe, und er ist die Liebe. Und die äußerste Kenosis - Entleerung - am Kreuz tut er aus Liebe zu uns Menschen.
Der wichtigste Satz im Glaubensbekenntnis für mich lautet:
Für UNS und um UNSER Heil ...

Das "Müssen" Gottes ist wohl nicht zufällig in Deinen Text gerutscht. Es ist ja das Kernproblem von Luther mit der Erlösungslehre der Scholastiker und dem Erbe von Anselm von Canterbury. Davon ist keiner im Westen frei: die Opferlehre, Wiedergutmachung und Rechtfertigungslehre hat wie eine Krankheit das theologische Denken des Westens zerfressen.
Wenn wir einen orthodoxen Unterschied suchen wollen, der fruchtbar ist und weiterführt, dann hier.

Es sieht aus, als habe ich den Thread verlassen, aber ich sehe hier sogar den Kern des Themas.
Nassos
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Beitrag von Nassos »

Abgesehen davon ist dieser Psalm das "offizielle" Sterbegebet der Juden gewesen. Warum sollte unser Herr nicht auch diesen Psalm gebetet haben.
Und wieder was dazugelernt. Das wusste ich nun wieder nicht!

Lieber Vater Martinos, liebe Loukia,

ich danke Euch.

Ach ja, wenn es um die Richtigstellung einer nicht-orthodoxen Ansicht geht, dann ist das - meiner bescheidenen Meinung nach - nicht "daneben", sondern hilfreich. Auch fuer uns Orthodoxe.

Nassos
Metanoia
Beiträge: 86
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Beitrag von Metanoia »

Lieber Sinaitis,

du hast recht. Dass die Liebe das Motiv Gottes ist, würde auch jeder gläubige Protestant (abgesehen von Calvinisten) bejahen können. Mir ging es darum, dass Gott es nicht nötig hatte, sich mit irgendwem zu beraten oder uns zu fragen.
Von "Kenosis" oder "Entleerung" lese ich jetzt zum ersten mal. Was bedeutet es?

Die Liebe des HERRN Jesus sei mit dir!
Metanoia
Nassos
Beiträge: 4433
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Beitrag von Nassos »

Hallo Metanoia,

als Mitglied im Forum steht es Dir frei, unter dem ABC der Orthodoxie einen neuen und entsprechenden Thread zu eroeffnen.
Finde ich auch sehr interessant.

Alles Gute,
Nassos
Loukia
Beiträge: 982
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Beitrag von Loukia »

Metanoia hat geschrieben:Lieber Sinaitis,

du hast recht. Dass die Liebe das Motiv Gottes ist, würde auch jeder gläubige Protestant (abgesehen von Calvinisten) bejahen können. Mir ging es darum, dass Gott es nicht nötig hatte, sich mit irgendwem zu beraten oder uns zu fragen.
Von "Kenosis" oder "Entleerung" lese ich jetzt zum ersten mal. Was bedeutet es?

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Metanoia

Was sagen denn Calvinisten? Also, wenn sie nicht die Liebe als Gottes Motiv sehen, dann finde ich es ganz offen zugegeben jämmerlich, das irgendwer auf die Idee kommt, das christlich zu nennen.
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Metanoia
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Beitrag von Metanoia »

Die traditionellen Calvinisten sagen, dass Gott vor Erschaffung der Welt entschieden habe, welche Menschen gerettet werden und welche verworfen werden (doppelte Prädestination). Jesus ist demnach nicht für alle Menschen gestorben, sondern nur für die zuvor auserwählten Menschen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Calvinismu ... C3.A4hlung
Wenn das so wäre, hätte Gott manche Menschen erschaffen, ohne sie zu lieben.
Das (nicht nur das) macht den Calvinismus sehr unsympathisch.
Loukia
Beiträge: 982
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Beitrag von Loukia »

Sagen sowas nicht auch die Zeugen Jehovas? Dann haben wir aber auch keinen freien Willen (!), sind also nicht nach seinem Bild geschaffen!
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