Lieber Holzi,
ich bin Dir ja noch was schuldig. Heute habe ich den Bios des Altvaters durchgelesen.
Vorweg: es sind bzgl. seines "Rufes" hier keine hollywoodeffektmäßigen Anführungen zu erwarten. Kurz: der Altvater hat einen solch hohen geistigen Stand erreicht, er gehört zu den wenigen - und das vermagen Worte überhaupt nicht nahezubringen.
Wenn sich ein Vater Paissios vor dem Vater Georgios wie ein kleines Kind vorkommt, dann hat das eine sehr große Bedeutung.
Vater Georgios - weltlich Gabriel - wurde in eine tiefgläubige Familie hineingeboren. Seine Mutter übte die Askese. Es heißt, das Kind bekam die Askese mit der Muttermilch
Schon als kleiner Junge (die Schwester seiner Mutter war Nonne, und die Besuche dort inspirierten ihn zutiefst) war er dem Mönchtum sehr angetan und übte sich stark in Fasten, Metanoien etc.
Seine geistige Stärke in frühem Alter zeichnete sich u.a. heraus, dass er - während er am Hof des Sultans verweilte, weil sein Onkel dort angestellt war - dem Sultan Mahmud II auffiel in seiner Askese und dieser sich wohl heimlich zum Christen taufen ließ. Zumindest war der Sultan sehr freundlich gegenüber der Kirche eingestellt. Im Buch wird behauptet, dass er deswegen gemeuchelt worden ist.
Gabriel kam zum Athos auf Anraten der Allheiligen selbst, auch wenn die menschlichen Regeln es ihm noch nicht erlauben wollten. Dort wurde er letztendlich aufgenommen und ihm wurde der Name Georgios gegeben.
Sein geistiger Vater wurde Altvater Neophytos, der den jungen Mann sofort mit Freude aufnahm, denn - selber mit Gaben ausgezeichnet - vermochte er die Gaben Gottes in dem jungen Mann zu erkennen (ein Strahlen auf dem Gesicht).
Zu sich selber sehr hart was Fasten, Metanoien, Stehen etc. angeht, zu seinen Mitbrüdern bzw. Besuchern sehr sanft und stets demütig! Sein Name wurde mit dem strengen Fasten asoziiert "der fastet wie ein Chatzi-Georgis".
Mit seinen Gaben war er fähig zu führen, denn mal stoppte er kindlichen Egoismus, mal bremste er übertriebene Begeisterung. Seine geistigen Kinder unterwarfen sich ihm aus Respekt und Liebe, nicht aus Angst oder sturer Regelbefolgung (sie wußten, was sie an ihm hatten).
Trotz der leiblichen Zusetzung durch die harte Askese, nahm Georgios in Gottvertrauen nie Medikamente zu sich. Die Heilige Kommunion war ihm Medizin.
Als Beispiel hierzu brachte er an:
Ein Eremit fragte den Teufel:
- Was ist das fürchterlichste in deinem Leben?
- Sie sind fürchterlich und uns unerträglich.
- Was denn?
- Das Mysterium der Taufe, mit dem wir komplett die Macht und die Rechte auf euch verlieren. Das Kreuz, das uns peinigt, vertreibt uns. Aber insbesonderer die Kommunion. Die Kommunion, setzt der Teufel fort, ist für uns schlimmer als Gehenna des Feuers. Nicht nur, dass wir dem, der sie würdig empfängt, nicht nahetreten können, aber wir haben sogar Angst davon, jenen anzuschauen. Doch so tötlich das alles für uns ist, wir danken den Menschen, die mit ihrer Fahrlässigkeit und ihren sündigen Gewohnheiten sich selber vom Mysterium entfernen. Und so geben sie selber uns wieder das Recht ihre Herzen zu erobern.
Vater Georgios' Einfühlvermögen, seine Fähigkeit zu helfen und zu heilen machten ihn besonders unter den Altvätern. Er erreichte auf seinem Weg zur Theosis das Stadium, in dem es ihm nicht mehr so sehr nach Nahrung bedarf, noch nach warmer Kleidung. Die Kälte und der Hunger konnten ihm nichts anhaben.
Doch wo Licht ist, fällt auch Schatten. Es gab ein paar, denen war das strenge Programm zu streng und sie reichten Klage bei der Verwaltung ein. Diese befahl sofort die Strenge aufzuheben und der Altvater gehorchte flugs.
Seie Reinheit erlaubte es ihm wohl auch, über Tiere zu gebieten. So befahl er einem wildernden Wildschwein nicht mehr in den Gemüsegarten einzufallen - gab es doch auf dem Athos genug zu fressen. Zuvor führte er das hungrige Tier in den Stall und schloss es dort drei Stunden ein (zum Fasten...). Sollte es nochmal auftauchen würde die Zeit verdoppelt werden. Das Schwein kam nie wieder...
Griechische und slawische hagioreiten bewunderten ihn sehr, denn sie spürten die Heiligkeit, die er ausstrahlte. Diese berührte sogar Osmanen, zum Teil hohen Ranges (der Athos war wohl - noch - besetzt?)
Eines Tages schrieb er einen Brief an den Zaren und warnte ihn vor einem Unfall an jenem Tag an jener Stelle. Der Zar lachte freundlich darüber, denn er dachte es sei eine versteckte Almosenbitte und ließ ein Almosen zukommen. Ein halbes Jahr später gedachte er des Briefes, denn der Unfall trat ein. Entgegen der Aussage im Brief kam jedoch niemand zu Schaden. Dem Zaren war klar, dass das an den Gebeten des Altvaters lag...
Je strahlender das Licht, desto dunkler die Schatten. Da der Zar gute Beziehungen zu ihm pflegte, weckte dies den Neid russischer Mönche; desweiteren war der Altvater auch in Russland hoch angesehen, denn auch dort gab es Leute, die sich von ihm beraten ließen bzw. die er geheilt hatte. Zuwendungen teilte er sofort aus, denn es war ihm ein Anliegen ärmer zu sein als die Armen.
So kam es zur Verleumdung durch Russen bei den Griechen und plötzlich hatte der Altvater Druck von zwei Fronten. Zu jener Zeit gab es wohl auch Streitigkeiten um die Zugehörigkeit des Klosters des Hl. Panteleimon. Griechisch oder Russisch? Altvater Georg sah in einer Vision die Allhelige sowohl den Griechen als auch den Russen Segen zukommen zu lassen.
Er riet daher entsprechend, gemeinsam im Kloster zu sein, was aber abgelehnt wurde. Es diente ja dem Frieden und der Liebe.
Mit der Zeit wurde die Bruderschaft des Altvaters zerschlagen und letztendlich reichten die Girtstacheln so weit, dass er des Athos' verwiesen wurde, am 27.10.1882 (alter Kalender). Er kam nach Marmara bei Konstantinopel. Doch ein Mönch hört nicht auf Mönch zu sein. Dort zog er in ein verlassenes Kloster ein und seine Anwesenheit war Labsal für die dort gepeinigten Christen (Regentschaft Abdul Hamits).
Dort wurde er krank und verbrachte sein letztes Lebensjahr im Bett liegend. Doch auch dort führte er die Askese fort und war für die Menschen da. Er entschlief am 17.12.1886. An jenem Tag hatte der Altvater Neophytos, krank aber nicht sterbenskrank im Bett liegend, eine Vision von Georgios. Als er zu sich kam, sagte er Chatzi-Georgios sei tot, er bringe Kolywa mit. Desweiteren sei ihm gesagt worden, dass er in drei Tagen für ihn käme.
Drei Tage später verstarb Altvater Neophytos (für alle anderen) überraschend. Seit der Vision hatte er nicht mehr geredet.
Der Tod des Altvaters Georgios bekümmerte die Massen, selbst die Türken, denn auch viele von ihnen hatte gesundheitlichen Nutzen und geistigen Gewinn vom Altvater. Sie nannten ihn "bizim baba" - "unser Vater".
Es spielt keine Rolle, dass ihn die Kirche noch nicht als Heiligen verehrt. Das was zählt sit das strahlende Leben des Altvaters, dieses simple, gütig-ruhige Vorbild.
Es ist also das hohe Niveau des asketischen und gottgefälligen Lebens des Altvaters Chatzi-Georgios, seine Einfachkeit, sein hoher Grad an Theosis, seine Beliebtheit bei den Leuten und auch der Neid gegen ihn sprechen ja für ihn.
Seien wir dankbar, dass uns Vater Paissios dieses Büchlein hinterlassen hat, denn speziell in der heutigen Zeit des Nachlassens sind solche Gestalten wie der Altvater Vorbilder und die wahren Helden.
(Noch eines: das Anhängsel "Chatzi" wird im Zusammenhang mit seinem Besuch der Heiligen Stätten angeführt - ich weiß aber nicht, wie das zusammenhängt...)
In diesem Sinne bitten wir um seine Fürsprache, denn ihm war die Errettung aller Seelen ein höchstes Anliegen. Ich Unwürdiger möchte mit den Worten abschließen, die auch Vater Paissios verwendete (hoffend, nicht all zu anmaßend zu sein):
Δώξα τω Θεώ