Was die Apostel gepredigt und die Väter bewahrt haben…

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
Forumsregeln
Forumsregeln Impressum
Antworten
Weggli
Beiträge: 2
Registriert: 26.07.2021, 16:07

Was die Apostel gepredigt und die Väter bewahrt haben…

Beitrag von Weggli »

Gottes Segen!
Ich habe eine Frage bezüglich der Tradition. Athanasius schreibt: "Orthodoxie ist das, was Christus gelehrt, die Apostel gepredigt und die Väter bewahrt haben." Auch Vincenz von Lerins schreibt, dass die Kirche nur das glauben darf, was "immer geglaubt wurde". Wie lassen sich diese Worte mit gewissen orthodoxen Lehren in Übereinstimmung bringen, die sich erst viele Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderete später entwickelten? In besonderer Weise habe ich die Fürbitte zu den Heiligen (allen voran zur Gottesgebärerin) und der Bedeutung von der heiligen Jungfrau Maria im Kopf. Aus den Schriften ist nirgens bekannt, dass die Heiligen Fürbitte für die gläubigen Christen machen vor Gott, noch weniger, dass wir die Heiligen darum bitten sollen. Auch die hohe Bedeutung der Muttergottes enstand erst später und entwickelte sich nach und nach – und noch viel später wurde sie so verherrlicht, wie wir das heute kennen (etwa durch gebete / Hymnen, Feste [besonders die Feste enstanden ja viele Jahrhunderte nach den Aposteln], etc.). Natürlich muss nicht alles in der Schrift stehen, was von den Aposteln verkündet wurde. Doch auch wenn man die frühchristlichen Schriften unserer heiligen Kirchenväter beachtet (Clemens von Rom, Polykarp von Smyrna, Ignatius von Antiochia, Justin der Märtyrer, Didache, etc.), kann man keine Marienverehrung, noch eine deutliche Fürbitte, bzw. Gebete an Heilige erkennen. Erste Schritte zur Bedeutung Marias machte Irenäus von Lyon, der die Muttergottes als die "zweite Eva" charakterisierte. Gebete zu den Heiligen sind erst (in ganz einfacher und noch recht zurückhaltender Weise) ab 250 n. Chr. belegt.

Wie lässt sich all das (und mehr) mit den oben aufgeführten Zitaten vereinbaren, die darauf abzielen, nur das zu glauben, was IMMER geglaubt wurde, was von Jesus explizit GELEHRT und von den Aposteln GEPREDIGT wurde?
Danke für die Hilfe und Gottes Segen euch allen!
Benutzeravatar
Igor
Hypodiakon
Beiträge: 2119
Registriert: 15.01.2010, 21:02
Religionszugehörigkeit: (russisch-)orthodox
Wohnort: Nordrhein-Westfalen
Kontaktdaten:

Re: Was die Apostel gepredigt und die Väter bewahrt haben…

Beitrag von Igor »

Grüß Gott!
Weggli hat geschrieben: 31.07.2021, 08:31 Aus den Schriften ist nirgens bekannt, dass die Heiligen Fürbitte für die gläubigen Christen machen vor Gott, noch weniger, dass wir die Heiligen darum bitten sollen. Auch die hohe Bedeutung der Muttergottes enstand erst später und entwickelte sich nach und nach – und noch viel später wurde sie so verherrlicht, wie wir das heute kennen (etwa durch gebete / Hymnen, Feste [besonders die Feste enstanden ja viele Jahrhunderte nach den Aposteln], etc.).
Ich möchte ganz kurz auf das Thema des Bezugs der Heiligenverehrung bzw. der Verehrung der Gottesgebärerin und die Heilige Schrift eingehen. Es gibt da sehr wohl Bezüge:

Bei der Gottesgebärerin vor allem Lk 1,48, ich zitiere mal etwas weiter für den besseren Bezug (Lk 1,46-55):
46 Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn,
47 und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes;
48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
49 Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
50 Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten.
51 Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.
53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.
54 Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf,
55 wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.
Bei den Heiligen findet sich z.B. Eph 6,18:
Betet allezeit mit allem Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit und Flehen für alle Heiligen.
In Christo
Igor
Bild
Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)
Marian
Beiträge: 155
Registriert: 11.05.2016, 11:28
Religionszugehörigkeit: russisch orthodox

Re: Was die Apostel gepredigt und die Väter bewahrt haben…

Beitrag von Marian »

... und dass die Verstorbenen (d.h. die Himmlischen und Unterirdischen) ununterbrochen weiter die Kommunikation mit Gott nicht abreißen lassen, durch Verbeugungen, Verehrung und damit dem Gebet wird in der heutigen Apostellesung bezeugt.
Philipper 2,5-11 " Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus ⟨war⟩, der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber er entäußerte sich und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beugt, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekennt, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters."
Antworten