orthodoxe Psychotherapeuten
orthodoxe Psychotherapeuten
- Igor
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Re: orthodoxe Psychotherapeuten
willkommen hier im Forum.
Eine Übersicht christlich-orthodoxen Psychotherapeuten ist so direkt nicht vorhanden. Am Besten, Du wendest Dich mit dieser Fagestellung an den Gemeindepriester einer orthodoxen Gemeinde in Deiner Nähe (s.a. unsere FAQ). Er kann Dir bestimmt bei Deiner Frage und der Abklärung der Motivation zu dieser Frage weiter helfen.chess1850 hat geschrieben:Hallo, wie findet man einen christlich-orthodoxen Psychotherapeuten (m/w) in der Nähe?
In Christo
Igor
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Ehemaliger
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Re: orthodoxe Psychotherapeuten
Hallo,chess1850 hat geschrieben:Hallo, wie findet man einen christlich-orthodoxen Psychotherapeuten (m/w) in der Nähe?
jeder Priester ist einer.
Mir ist nicht einsichtig, warum ein Psychotherapeut erstens eine Frau und zweitens orthodox sein muss. Beides ist keine Qualität, die zu einem veriteften oder geglückten Klient/Therapeut-Verhältnis beiträgt. Ich vermute, ein Psychotherapeut, der auf diese Weise 'ausgesucht' wurde, würde eben das Verfahren sofort zum Gegenstand der Sitzungen machen.
Ein vernünftiger Therapeut bringt sich als Person, nicht aber seine Auffassungen/Glauben in das Verhältnis ein. Warum also orthodox?
Ist deine Frage(n) nicht vielleicht doch besser bei einem Priester auafgehoben? Oder was ist an einem einfühlsamen Mann aus dem Irak als Therapeuten so falsch?
LG
Benedikt
P.S. Ich schliesse mich ausdrücklich den Aussagen Igors an.
Re: orthodoxe Psychotherapeuten
Therapeut kann sowohl männlich als auch weiblich sein. Priester sind meistens keine Psychotherapeuten von Beruf und Ausbildung, auch wenn Gespräche mit ihnen eine Psychotherapie teilweise ersetzen oder ergänzen können.
Bei "normaler" Psychotherapie - also ohne Bezug zu (christlicher) Religion - stört mich die Betrachtung und Bewertung der in Frage kommenden Ursachen sowie Symptome der behandelten psychischen Krankheit bzw. Störung(en) aus anderem Blickwinkel. Dadurch wird oft die "Wurzel des Übels" nicht erkannt und die Behandlungsanstrengungen laufen in falsche Richtung. Beispiel: Umgang mit Leidenschaften/Lastern: Mit normaler Psychotherapie könnte man versuchen sich an sie anzupassen und so zufriedener zu werden, während man sie bei christlich-orthodoxer Psychotherapie bekämpfen würde.
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Re: orthodoxe Psychotherapeuten
die 'schnellen Antworten' hast du nach 9 Tagen entdeckt
Du hast deine 'Voraussetzungen' beschrieben, womit du ein 'fein's Stöcklein' aufgelegt hast, an dem sich wohl fast jeder Psychotherapeut das Bein brechen würde (Hmmm?) .
Ich bin auch darin (in der Psychotherapie) ausgebildet und ich würde deine Überlegungen als Ausdruck einer Flucht-/Kontrolltendenz deuten (na, vielleicht liege ich ja völlig falsch) und hefig bearbeiten wollen! Leidenschaften sind ein geistliches und kein psychisches Problem. Gehört also zum Priester! Vielleicht zu einem Mönch, (wenn dein Priester das nicht mit dir 'angehen' will). Was aber begegnet einem Priester mehr als Leidenschaften? Wie und wo liegt dein Anteil (ich will keine Antwort, die brauchst du)?
Ich arbeite allerdings nicht mehr als Therapeut. Und ich bin sehr sicher: Du wirst keinen ernsthaftenTherapeuten finden, der sich deinen 'Auswahlkriterien' unterwirft. Und auch ich würde es keinesfalls tun. Und ich bin orthodoxer Christ.
Das hat der Herr übrigens auch so gehandhabt. Nachzulesen in der Schrift.
Liebe Grüsse
Benedikt
P.S. ich bin sehr unsicher, ob dir dieser Hinweis nutzt. Es gibt ein Buch über 'Orthodoxe Psychotheraie'. Das ist nicht das, was du dir zurecht zu machen bereit bist. Aber das, worum es geht. Lies es bitte zusammen mit deinem geistlichen Vater. Und wenn das nicht dein Priester ist, dann BETE um einen.
- Priester Alexej
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Re: orthodoxe Psychotherapeuten
ehrlich gesagt kann ich deine Einstellung nicht nachvollziehen. Ein Priester ist ein Priester, und ein Psychotherapeut ist eben ein Psychotherapeut. Natürlich kann ein erfahrener Priester auch die Aufgaben eines Psychotherapeuten übernehmen, es gibt sogar Priester in Deutschland, die diesen Beruf als ihren weltlichen Beruf ausüben. Aber nur, weil es orthodoxe Priester gibt, heißt es nicht, dass ein Laie einem anderen Laien bei seinen seelischen Problemen helfen kann. Und dass es besser ist, einen orthodoxen Psychotherapueten aufzusuchen, ist einleuchtend.
Hier ist z.B. das Buch eines bekannten orthodoxen Psychotherapeuten aus Russland, Dimitry Avdeev. http://orthodoxe-bibliothek.de/index.ph ... 1&Itemid=0
Re: orthodoxe Psychotherapeuten
welche Voraussetzungen oder Auswahlkriterien habe ich denn beschrieben außer dem Wunsch nach Religionsbezug? Ich bin durch die Bücher von D. Avdeev auf die Idee gekommen, so einen Therapeuten zu suchen.
Dass Leidenschaften zum Priester gehören, mag sein. Nur wenn unterschiedliche andere Probleme hinzukommen, wird es schwierig das alles mit seinem geistlichen Vater zu besprechen. Wenn man einen hat.
- Igor
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Re: orthodoxe Psychotherapeuten
In Ergänzung dessen anbei ein Ausschnitt aus einem Artikel von Metropolit „Hierotheos (Vlachos) von Nafpaktos: Die Krankheit und Heilung der Seele in der orthodoxen Tradition“, erschienen in der orthodoxen Quartalszeitschrift „Der schmale Pfad“, Band 38, Dezember 2011. Das Zitat stammt aus S. 136f.:
In ChristoOrthodoxie und Psychologie
Psychologie ist eine moderne Wissenschaft, ein Spross des westlichen Christentums. Da die „Kirchen“ des Westens die hesychastische Tradition der Kirche verloren haben, sind die Menschen in ihrer tiefen Verzweiflung und immensen Hoffnungslosigkeit an den Punkt gelangt, die Psychologie zu erfinden. Doch in der Tradition der Heiligen Väter wird viel gesagt über die Seele, ihre Krankheil und ihre Heilung. Wir Orthodoxen sind durch die Entdeckungen und den Fortschritt der Psychologie nicht überrascht. Mönche, die mit der Heilung der Seele beschäftigt sind, wissen sehr wohl, wie die Leidenschaften zum Ausdruck kommen, wie der Teufel arbeitet und wie die Gnade Gottes wirkt.
In der Psychologie ist die Seele nicht das Bild Gottes, wie die orthodoxe Theologie lehrt, sondern einfach eine Aktivität des Körpers. Aus diesem Grund sprechen wir von einer „Psychologie ohne Seele“. In der gegenwärtigen Psychologie hat die Seele keine Ontologie. Wenn Psychologen über die Krankheit der Seele sprechen, bedeutet das einfach psychisches Ungleichgewicht oder verschiedene traumatische Erfahrungen des früheren Lebens. Doch in der Orthodoxen Theologie ist Krankheit die Verdunklung des nous. Des weiteren bedeutet in der humanistischen Psychologie Heilung das Ausbalancieren der inneren Kräfte der Seele, während in der orthodoxen Theologie Heilung mit der Vereinigung mit Gott assoziiert wird, mit der Schau Gottes, dem Erlangen der Vergöttlichung, was mit der theoria Gottes identifiziert wird. Die therapeutische Methode der anthropozentrischen Psychologie ist klar unterschieden von jener der orthodoxen Psychotherapie
Außerdem kann die anthropozentrische Psychologie nicht zwischen geschaffenen und ungeschaffenen Energien unterscheiden. Sie kann nicht den Unterschied zwischen Krankheiten infolge Erschöpfung und Krankheiten infolge von dämonischen Besetzungen und den Wirkungen der ungeschaffenen Gnade unterscheiden. Sie führt alles nur auf einen einzigen Faktor zurück. Psychologie glaubt nicht an die Existenz des Teufels, und sie leugnet, jedenfalls zum größten Teil, die Wirkungen der ungeschaffenen Gnade Gottes.
Wir akzeptieren die Ansichten der heutigen Psychologie und Psychotherapie in zwei Fällen als Zugeständnis. Erstens im Fall von Menschen, deren Nervensystem aus verschiedenen Gründen geschädigt ist, beispielsweise durch körperlichen oder psychischen Stress, und die schwerwiegende psychische Probleme haben. Zweitens im Fall von Menschen, die mit der Kirche und ihren Mysterien (Sakramenten) nichts zu tun haben. Ich denke, ihnen kann durch die moderne Psychologie und Psychotherapie geholfen werden, damit sich ihr Zustand nicht noch mehr verschlechtert. Psychologie kann als Schmerzstiller dienen, um sie in ihrer schrecklichen Verzweiflung zu trösten, in der sie gefangen sind.
Es gibt auch Menschen, die bei Beichtvätern beichten und unter deren Führung stehen, doch diese Beichtväter haben nicht die Kraft und die Kenntnis des spirituellen Lebens, um ihnen zu helfen; denn wir sollten vor der bestehenden Situation nicht die Augen verschließen. Leider führt die Gleichgültigkeit vieler Menschen gegenüber der Beichte und die Inkompetenz vieler Beichtväter, die die therapeutische Methode der Kirche nicht kennen, viele zu Psychiatern. Doch, ich wiederhole, der Mensch ist im Bild Gottes geschaffen, und er muss die Ähnlichkeit mit Ihm erlangen. Dies ist das letztliehe Ziel und die verborgene Entelechie [Werdeziel] des Menschen. Solange diese Sehnsucht nicht erfüllt ist und der Mensch fern von Gott bleibt, wächst sein Leiden. Insoweit die grundlegende Bestimmung des Menschen auf Erden, die Kommunion mit Gott, nicht erfüllt ist ganz gleich, wieviel Medizin er zu sich nimmt oder wieviel Psychoanalyse er über sich ergehen lässt -, wird er stets heimatlos sein und sich in einer tragischen Suche verwickeln. Wir wollen mehr als psychische Balance, wir halten Ausschau nach der Fülle des Lebens. Wir wollen nicht einfach religiöse Gefühle entwickeln, sondern wir wollen, dass unser Leben erfüllt ist.
Igor
Re: orthodoxe Psychotherapeuten
Vielleicht noch ein Beitrag wäre der Vortrag des Erzpriesters Konstantinos Stratigopulos " Beichte und Psychotherapie" http://www.floga.gr/50/10/2002-3/2003031810de.asp .
- Igor
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Re: orthodoxe Psychotherapeuten
vielen Dank für den Hinweis auf den interessanten Vortrag und herzlich willkommen hier im Forum.
In Christo
Igor
Re: orthodoxe Psychotherapeuten
Herzlichen Dank für das freundliche Willkommen.
Ich möchte mich noch gerne für den Ausschnitt aus dem Artikel von Metropolit Hierotheos Vlachos bedanken.
Wenn ich mir überlege was die Orthodoxie ist und macht und gleichzeitig was praktisch der Unterschied der Orthodoxie zu den Religionen und zu den Heterodoxen ist, denke ich zuerst an das was in diesem Auschnitt zusammenfassend trotzdem anschaulich beschrieben wird und vor allem hier:
-Doch in der Tradition der Heiligen Väter wird viel gesagt über die Seele, ihre Krankheil und ihre Heilung.
-..während in der orthodoxen Theologie Heilung mit der Vereinigung mit Gott assoziiert wird, mit der Schau Gottes, dem Erlangen der Vergöttlichung, was mit der theoria Gottes identifiziert wird.
-die grundlegende Bestimmung des Menschen auf Erden, die Kommunion mit Gott..
