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Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 03.12.2010, 00:07
von Nassos
Florianklaus hat geschrieben:Ist die Erlaubnis zur zweiten Ehe dann sozusagen eine Maßnahme der Oikonomia?
Meister Yoda würde sagen: Ja, sie ist. Nur darf das nicht als eine Option verstanden werden (hey, bei den Orthodoxen darf man sich scheiden lassen, hurra, es lebe die Vielfalt in der Einheit...) sondern sollte eine wirkliche Notlösung sein.
Ich kann gerne nochmal hier etwas reinstellen, was ich demletzt vorhatte zum Lesen.
Nun habe ich etwas mehr Motivation.
Lieben Gruß,
Nassos
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 18.04.2011, 22:00
von Priester Alexej
Auch hier mal ein Bogoslov.ru/der Artikel:
http://www.bogoslov.ru/de/text/385096.html
In der Ehe werden zwei Menschen zu einer "Einheit" - zu einem Fleisch, und, mit der Zeit, auch zu einem Geist. Für das letztere steht natürlich ein langer Weg vor dem Brautpaar:) Und dann sind da noch die Kinder (haben am Sonntag unsere Tochter Dorothea getauft) - wenn das kein Mysetium ist! Ein Kind ist die Fleischwerdung der Liebe zweier Menschen, wie mir mal jemand sagte.
Das schlimmste ist, dass wir kein vernünftiges Buch in deutscher Sprache über Familie haben. Im Haus EHS wird grade ein Buch übersetzt, von Erzp. Maxim Kozlow. Bitte betet für Alexander, dass es (bald) fertig wird.
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 19.04.2011, 06:32
von Igor
Alexej hat geschrieben:Das schlimmste ist, dass wir kein vernünftiges Buch in deutscher Sprache über Familie haben. Im Haus EHS wird grade ein Buch übersetzt, von Erzp. Maxim Kozlow. Bitte betet für Alexander, dass es (bald) fertig wird.
Lieber Alexej, vielleicht gibt es doch eins

.
Ohne, dass ich es gelesen habe (hatte aber vor kurzem von der Buchhandlung die E-Mail über die Neuerscheinung bekommen):
Priester Ilja Schugajew: "Kindererziehung in der christlich-orthodoxen Familie"
In der Ankündigung heißt es:
Veröffentlicht mit dem Segen S. E. Feofan, Erzbischof von Berlin und Deutschland
Noch niemals zuvor suchte eine derartige Flut von Erziehungsratgebern nach Lesern. Das Leben und damit die Erziehung von Kindern, falls diese überhaupt noch gewünscht sind, scheinen unendlich kompliziert geworden zu sein. Wenn das Wunschkind dann zur Welt kommt, wird es zumeist möglichst schnell von der Mutter getrennt, um mindestens die Hälfte des Tages unter fremder Obhut zu verbleiben. Durch die Zurückdrängung des Christentums aus Kindergärten, Schule und Gesellschaft kommen die Kinder oftmals erst spät mit den Werten des Selben in Berührung. Sind die Kinder dann daheim, fehlt es den vom „job“ gestreßten Müttern oft an Zeit und Nerven, sich dem Kind zu widmen und der elektronische Babysitter, das Fernsehgerät, übernimmt die weitere Erziehung des Kindes. Die Resultate dieser Erziehung sehen wir täglich auf der Straße und in den Medien.
Die vielen Erziehungsratgeber sind meist atheistischer Natur. Das Christentum spielt in der modernen Erziehung leider oftmals keine Rolle mehr. Manche Autoren vertreten eine diffuse „Spiritualität“, die meist mehr oder weniger durch sogenannte New-Age-Bewegungen beeinflußt ist. Im besten Falle findet der deutschsprachige Leser katholische Laien, denen es dann aber nicht selten an Wissen über die Kirche fehlt oder katholische Priester, die zwar christliche Ansichten vertreten, denen aber durch das Zölibat, die Möglichkeit auch praktisches Wissen mit einer eigenen Familie zu gewinnen, fehlt.
Der russisch-orthodoxe Priester Vater Ilja Schugajew erfüllt die meisten Voraussetzungen, um wahrhaft ganzheitliche Ratschläge zu erteilen. Dient er doch der heiligen Kirche als Gemeindepriester, ist selber Ehemann und Familienvater und teilt dem Leser aufgrund seiner eigenen Erfahrungen die geistigen Hintergründe einer christlichen Erziehung mit. Er schildert sachlich und umfangreich die Fallen und Gefahren, die aus einer gottlosen Erziehung hervorgehen können und ebnet uns einen hilfreichen Weg, unsere Kinder auf ein Leben In Christo vorzubereiten.
Priester Ilja Schugajew, Autor dieses Buches, ist ein Mann der Praxis. Selbst Vater von sieben Kindern, weiß er, wovon er spricht. Daher ist das vorliegende Buch auch kein trockenes pädagogisches Lehrbuch, sondern es beinhaltet praktische „Ratschläge eines orthodoxen Priesters“, wie der Titel der russischen Originalausgabe auch heißt.
In Christo
Igor
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 19.04.2011, 08:11
von camy_d
Leider, die Ausschweifung trennt die Familie. Wo gibt es Ausschweifung, gibt es keine Liebe. So dass man nicht wundern soll, dass die Familie verkommt.
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 19.04.2011, 08:18
von Priester Alexej
Die Familie fängt an auseinander zu gehen, wenn die Eheleute nicht mehr zu Gott streben. Die Familie wird durch ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Sache zusammengehalten. Das kann bei jungen Leute z.B. die fleischliche Lust sein. Aber wenn diese mit den Jahren vergeht, bindet die Menschen nichts mehr, und sie gehen aufeinander. Kinder werden erwachsen, alle weltlichen Dinge vergehen. Nur wenn der Grundstein für die Ehe Gott ist, der Weg zu ihm, hat diese einen festen Halt.
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 19.04.2011, 14:22
von songul
Alexej hat geschrieben:Auch hier mal ein Bogoslov.ru/der Artikel:
http://www.bogoslov.ru/de/text/385096.html
In der Ehe werden zwei Menschen zu einer "Einheit" - zu einem Fleisch, und, mit der Zeit, auch zu einem Geist. Für das letztere steht natürlich ein langer Weg vor dem Brautpaar:) Und dann sind da noch die Kinder (haben am Sonntag unsere Tochter Dorothea getauft) - wenn das kein Mysetium ist! Ein Kind ist die Fleischwerdung der Liebe zweier Menschen, wie mir mal jemand sagte.
Das schlimmste ist, dass wir kein vernünftiges Buch in deutscher Sprache über Familie haben. Im Haus EHS wird grade ein Buch übersetzt, von Erzp. Maxim Kozlow. Bitte betet für Alexander, dass es (bald) fertig wird.
Es gibt meines Erachtens, mit dem von Igor erwähnten, schon drei:
John Meyendorff: die Ehe in orthodoxer Sicht ISBN 3-909 103-05-7 vom Verlag Fluhegg
Und:
Aus orthodoxer Sicht Bd 1: Mann und Frau.
Hier zu bestellen:
http://www.orthodoxie-versand.de/produc ... -frau.html
Die haben auch das andere Buch.
LG Songul
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 19.04.2011, 17:28
von Priester Alexej
"Dieser Studie über die kirchliche Ehe sind mehrere patristische, kanonische sowie die vollständigen Texte des Sakramentes der Krönung beigefügt" heißt es z.B. bei Mayendorf, auch Band "Mann und Frau" sind sehr theologisch. Es sind tolle Bücher, aber aus den drei kann ich nur eines einem jugendlichen Geben, das über die Kindererziehung. Die Regale in russischen orthodoxen Buchgeschäften sind aber voll grade mit solchen Büchern - gefüllt mit praktischen Anweisungen und Tipps. Geschrieben von modernen Priestern, in einer zeitgemäßen Sprache, sogar spannend. In Deutschland gibt es eine Tradition - die meisten orthodoxen Bücher sind entweder theologisch oder patristisch. Aus diesem Grund haben wir uns so sehr daran gewöhnt, dass es für uns normal erscheint. Ein großteil der Literatur bleibt dem deutschsprachigen Leser aber vorenthalten, u.a. Bücher, in den es um das Leben geht. Das Buch von Vater Maxim ist in der traditionellen Frage-Antwort Form geschrieben, es fängt an bei pubertären Problemen, geht über Freundschaften, Partnerauswahl, Abtreibungen, Eheleben. Und es ist sehr zeitgemäß geschrieben, ohne Übertreibungen. Wir haben auf bogoslov.ru/de bereits mehrere seiner Artikel übersetzt. however, ich bin selbst gespannt, wann es endlich übersetzt und herausgegeben ist.
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 19.04.2011, 19:16
von songul
Danke Alexej; du sprichst mir wirklich aus der Seele.
Das ist schon lange meine Kritik, dass es so wenig Literatur für das Alltägliche gibt, die auch für Anliegen und Probleme der normalen Leute da ist.
Egal ob Gebete, Lebenshilfe oder Biographien von herausragenden Leuten...
Es gibt so vieles...
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 21.05.2011, 01:09
von Pirx
Zum Thema Ehe habe ich eine grundsätzliche Frage:
Nehmen wir mal eine (nicht orthodoxe) Person an, die seit einiger Zeit in zweiter Ehe lebt. (Standesamtliche Heirat, keine kirchliche Trauung). Nehmen wir weiterhin an, dass die selbe Person in letzter Zeit aus verschiedenen Gründen intensiv darüber nachdenkt, zur Orthodoxen Kirche zu konvertieren.
Jetzt meine Frage: Stellt das Leben in zweiter Ehe ein Hindernis dar, das eine Aufnahme dieser Person in die Orthodoxe Kirche verhindern würde oder könnte?
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 21.05.2011, 01:38
von rafaella
Pirx hat geschrieben:Zum Thema Ehe habe ich eine grundsätzliche Frage:
Nehmen wir mal eine (nicht orthodoxe) Person an, die seit einiger Zeit in zweiter Ehe lebt. (Standesamtliche Heirat, keine kirchliche Trauung). Nehmen wir weiterhin an, dass die selbe Person in letzter Zeit aus verschiedenen Gründen intensiv darüber nachdenkt, zur Orthodoxen Kirche zu konvertieren.
Jetzt meine Frage: Stellt das Leben in zweiter Ehe ein Hindernis dar, das eine Aufnahme dieser Person in die Orthodoxe Kirche verhindern würde oder könnte?
Christus ist auferstanden!
Grundsätzlich gibt es eigentlich überhaupt keinen Grund, einen Menschen nicht in die Kirche aufzunehmen. Die Vergangenheit spielt keine Rolle.
Alle sind willkommen.
Was die zweite Ehe betrifft, so ist es in der orthodoxen Kirche erlaubt (als Hilfe der Schwäche der Menschen), zum zweiten Mal , bis auch zum dritten mal zu heiraten. Aber es werden nicht diesselben Gebete bei der Hochzeit gesprochen wie bei erster Ehe, weil es eine Praxis der Oikonomia ist, und um Vergebung gebeten wird.
Wenn also jemand orthodox werden würde, wäre es sicher angebracht, die zweite Ehe noch einmal kirchlich in der orthodoxen Kirche zu besiegeln. Genauso wie die meisten erst standesamtlich heiraten und dann kirchlich.
Die Sünden werden in der Beichte genannt und werden vergeben. Alle sind Sünder in der Kirche, es wird niemand deswegen fortgeschickt.
En Christo
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 21.05.2011, 14:15
von Pirx
ER ist wahrhaftig auferstanden!
Danke, Rafaella, für Deine ausführliche Antwort.
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 22.05.2011, 00:31
von Filip
Florianklaus hat geschrieben:Ist die Erlaubnis zur zweiten Ehe dann sozusagen eine Maßnahme der Oikonomia?
soweit ich weiß ist das der einfluss von manchen byz. kaisern
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 22.05.2011, 02:32
von rafaella
Filip hat geschrieben:Florianklaus hat geschrieben:Ist die Erlaubnis zur zweiten Ehe dann sozusagen eine Maßnahme der Oikonomia?
soweit ich weiß ist das der einfluss von manchen byz. kaisern
Schon vom hl. Basillius und hl. Gregorius wird die zweite Ehe als eine Oikonomia erwähnt und bestätigt, wobei beide betonen, das es sich um eine vergebende Maßnahme handelt. Du meinst sicher die Anzahl drei, also drei Ehen in der Kirche sind nur erlaubt, weil ein Byzantinischer Kaiser es zu weit getrieben hatte mit seinen ehen und damals diese Grenze festgesetzt wurde.
Es handelt sich hierbei um Leon den Weisen, der sogar eine vierte Ehe eingehen wollte, nachdem er mit dieser Frau ein uneheliches Kind gezeugt hatte. Der Patriarch Nikolaos war gar nicht einverstanden und entsagte ihm jegliche Teilnahme am kirchlichen Leben. Im Jahre 920 wurde von der Kirche letztendlich entschieden, dass es erlaubt ist, aus Oikonomia bis zu drei Mal zum Altar zu treten.
En Christo
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 22.05.2011, 19:35
von Nassos
Liebe Rafaella,
vielen Dank für die Beiträge. Wir müssen uns deswegen dauernd der Kritik der Katholiken aussetzen. Ihre Motivation ist verständlich und ist eigentlich auch unser Ideal (bei uns sogar über den Tod hinaus).
Die Oikonomia sollte nicht als Freibrief verstanden werde, sondern eine aus Liebe zum Menschen und Wahrnehmung seiner Schwäche Ausnahme.
Mary sagte hierzu, dass der Priester oder Bischof, der die Oikonomia ausübt, hierfür auch vor Gott Wort abzulegen hat.
Eine gesegnete Woche wünscht,
Nassos
Re: Mysterium der Ehe
Verfasst: 22.05.2011, 23:13
von Stephanie
Pah...da muss niemand irgendwen kritisieren. Weder die Katholens die Orthodoxens noch umgekehrt.
Die kath. Version der Oikonomia ist dafür die Annullierung. So viele katholische Paare mit Kindern, die ich kennengelernt habe, die ihre Ehe haben annullieren lassen, das sprengt die Statistik. Offiziell ist das natürlich nur bei schwer wiegenden Gründen möglich. Die Realität sieht da aber auch anders aus - so ist das eben.
Da prallen ja auch staatliche Rechtsprechung und kirchliche aufeinander. Selbst wenn ein Part an der Ehe festhalten will...will der andere nicht...bleibt ihm nur die Möglichkeit den Rest seines Lebens (und das heißt bei uns i.d.R. bis ins hohe Alter) allein zu bleiben und Verzicht zu leben. Was sehr hart ist und nicht jeder schafft das, ohne dabei Schaden zu nehmen.