Was Professor Osipov schreibt, ist sicherlich ernst zu nehmen, und er führt für seine Position starke Zeugen an.
Würden seine strengen Richtlinien befolgt, könnte es nicht zu Schandtaten kommen, wie sie in letzter Zeit in Amerika, Australien, Irland und jetzt auch in Deutschland und Österreich ans Tageslicht gekommen sind, begangen von Priestern und Mönchen, Ihr wisst schon. Seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts hat sich in der katholischen Kirche moralische Laxheit und ein askesefeindlicher Geist verbreitet.
Andererseits erscheint mir seine Position auch schematisch, so als würde er zu wenig der Vielfalt Rechnung tragen, die es auch im geistlichen Leben gibt, bedingt durch Verschiedenheit der menschlichen Anlagen, Temperamente, Typen, Charaktere.
Gerade die orthodoxe Theologie ist doch auch Erfahrungstheologie, nicht wahr? Wenn es nun Mönche oder überhaupt Christen gibt, die nicht mühsam die Stufen des Reinigungsprozesses hinaufklettern,sondern sozusagen von der Liebe hinaufgetragen werden - dann muss das zwar nicht ein Weg sein, der für alle geeignet ist, aber es erweist sich als ein möglicher Weg dadurch, dass es ihn wirklich gibt, wenn er von solchen Personen verwirklicht wird, für die die Christusliebe kein Vorwand für Bequemlichkeit, Laxheit oder freventliche Vermessenheit ist.
Aus dem Evangelium kennen wir diese Begebenheit: Darauf brachte man Kinder zu ihm, dass er ihnen die Hände auflege und bete. Als die Jünger das sahen, drohten sie denen, die sie brachten, und fuhren sie hart an. Jesus aber ward unwillig, als er es sah, rief die Kinder zu sich und sprach zu den Jüngern: “Lasst die Kindlein zu mir kommen, und wehrt es ihnen nicht; denn solcher ist das Himmelreich. Wahrlich, ich sage euch, wer das Reich Gottes nicht annimmt, wie ein Kind, wird in dasselbe nicht hineinkommen.” Dann schloss er sie in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie. Nachdem er ihnen die Hände aufgelegt hatte, ging er von da weg.
Eine Geschichte von Altvater Porphyrios:
"Ich will euch eine besondere Geschichte erzählen, die die Größe von Altvaters Porphyrios Seele zeigt. Vor vielen vielen Jahren, am Vorabend von Theophanie ging er nach seiner Gewohnheit hin, um Häuser mit heiligem Wasser zu segnen. Als er die Häuser betrat, eins nach dem andern, da trat er, ohne es zu bemerken, in ein Haus von üblem Ruf ein. Im Moment, als er anfing zu singen : "Rette, Herr, dein Volk..." und zu segnen, sagte die Direktorin zu ihm:
"Tu das nicht, tu das nicht, es ist nicht richtig für sie, das Kreuz zu küssen."
Da antwortete Altvater Porphyrios: "Ich weißt nicht, ob es nicht richtig für sie oder für dich ist, das Kreuz zu küssen."
Diese Frauen küssten das Kreuz und Altvater Porphyrios redete ein wenig mit ihnen. Er sprach zu ihnen über die Liebe zu Gott, was sein Lieblingsthema war.
Als sie die heiligmäßige Gestalt von Altvater Porphyrios sahen, veränderten sich diese Frauen in ihrem Innern. Besonders als er ihnen sagte: "Liebt Christus, der euch liebt, und ihr werdet sehen, wie glücklich ihr sein werdet. Wenn ihr nur wüsstet, wie sehr Christus euch liebt! Gebt euch Mühe, dass auch ihr ihn liebt."
Altvater Porphyrios wusste: wenn diese Frauen Christus kennenlernen und zu lieben beginnen würden - denn das Erkennen führt zum Lieben -, dann würden sie ihren elenden Beruf aufgeben, den sie ausübten."
Quelle:
http://full-of-grace-and-truth.blogspot ... yrios.html