Benedikt hat geschrieben:Christus ist auferstanden
Die Bibel als Gottes Wort, daher alleinige Regel und Richtschnur für Glauben und Leben.
Lieber Son, ich nehme dein Schweigen mal als Zustimmung.
Fangen wir also an.
Als erstes möchte ich dich bitten, diese von dir zitierten Aussagen auch zu begründen. Ich denke, es hilf uns nicht viel, wenn wir uns lediglich an der Erwiderung darauf 'entlang hangeln'.
Was also setzt du als Argument für dieses 'sola'?
Kurz gesagt: Weil sie eben das Wort Gottes ist.
Die Bibel fordert uns auf alles zu prüfen, und das Gute zu behalten.
Wir glauben natürlich auch, dass der heilige Geist auch heute noch in der Kirche wirkt, aber die Bibel ist die Richtschnur an der alles geprüft wird. Das ist, so wie ich es verstehe, auch der Sinn des Kanons: Eine feste Basis zu haben, an der der Rest geprüft werden kann.
2. Tim 3,15-17 hat geschrieben:15 und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist.
16 Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit,
17 damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.
Die Heilige Schrift sind nicht einfach weise Worte, die neben anderen Schriften ganz hilfreich sein können (was zu behaupten ich euch nicht unterstellen will), sondern sie hat Kraft uns weise zu machen zur Rettung durch den Glauben. Andere Überlieferungen mögen hilfreich sein, sofern sie der Prüfung standhalten, aber mit der Bibel sind wir für jedes gute Werk ausgerüstet.
Benedikt hat geschrieben:
Denn immerhin, ein Vorbild dafür haben wir nicht. Wenn überhaupt, so gleicht euer Umgehen mit der Bibel dem Umgehen Israels mit der Thora, oder wenn wir wollen, aus dem NT der 'Szene' Abraham mit Lazarus (sie haben Mose und die Profeten ...). Ein Buch aber als alleinige Offenbarungsquelle über Gott, das haben meines Wissens nur die Muslim mit ihrem Koran. Israel suchte sich zu ,Mose, Josua, Richter oder den Profeten wenn sie Gottes Antwort suchten. Nicht zu 'den Schriften'.
"Sie habe Mose und die Propheten" bedeutet ja eben, dass sie deren Schriften haben.
Dem Ungehen Israels mit der Thora zumindest nach der Zeit Jesu entspricht unser Umgang mit der Bibel eigentlich gerade nicht. Die von Jesus immer wieder kritisierten Auslegungen der Thora, die von den Pharisäern vertreten wurden, wurden als von Mose her neben der schriftlichen überlieferte mündliche Thora angesehen und nach der Zerstörung des Tempels als Mischna aufgezeichnet.
Siehe hierzu zum Beispiel:
Markus 7,9-13 hat geschrieben:9Und er sprach zu ihnen: Trefflich hebt ihr das Gebot Gottes auf, damit ihr eure Überlieferung haltet.
10 Denn Mose hat gesagt: "Ehre deinen Vater und deine Mutter!", und: "Wer Vater oder Mutter flucht, soll des Todes sterben."
11 Ihr aber sagt: Wenn ein Mensch zum Vater oder zur Mutter spricht: Korban - das ist eine Opfergabe - sei das, was dir von mir zugute gekommen wäre,
12 lasst ihr ihn nichts mehr für Vater oder Mutter tun,
13 indem ihr das Wort Gottes ungültig macht durch eure Überlieferung, die ihr überliefert habt; und Ähnliches dergleichen tut ihr viel.
Benedikt hat geschrieben:
Dass, 'jene in Beröa' so dafür gelobt werden, täglich in den Schriften geforscht zu haben, hat etwas damit zu tun, dass sie die profetischen Aussagen über Jesus überprüften; NICHT, sich Glauben aus der Schrift 'holten'. Denn Paulus predigt eine Person. NICHT Schrift.
Euer Umgehen mit dem Wort 'Schrift' oder auch 'Wort' ist, wie ich aus manchen eurer Bücher entnehmen kann, etwas 'lose'. Wenn ihr 'Wort' oder 'Schrift' oder ähnliche Wendungen (Wort Gottes z.B.) lest, dann macht es 'Klick' und ihr lest: "Bibel". Ich habe in Vorbereitung unseres Gespräches mit Baptisten hier oben (in Schweden) gesprochen, die diesen Gebrauch völlig in Ordnung fanden.( Bis dahin, dass sie die Bibel hochhielten und *GOTT in seinem Wort* dazu sagten, was ich falsch finde). Angesprochen auf den Anfang des Johannesevangeliums fanden sie zwar, dass hier kaum die Bibel gemeint sei, waren aber weder willens noch in der Lagen klare Indikatoren dafür anzugeben, wann 'Wort' = Bibel und wann nicht.
Die Bibel ist Gotteswort im Menschenwort. Ich glaube nicht, dass das Jonhannesevangelium sagen will, die Bibel wäre Fleisch geworden. Ich glaube aber schon, dass uns im Menschenwort der Bibel Christus selbst begegnet.
Benedikt hat geschrieben:
Daneben habe ich ein wenig Literatur erhalten. Ich zitiere aus: Jean Fleming "Feeding your soul":
S 34 "Gott hat sich umfassend (most fully) durch die Bibel (1) offenbart. In ihr sagt er, wer er ist (2), wie er ist(3) und was er denkt(3) , mag (values) und hasst."
Diesen Satz würdest du in keinem unserer Bücher finden.
1. Gott hat sich offenbart, aber nicht most fully. Man kann zwar dieses 'most fully auch als "am weitestgehenden" deuten und sagen, woanders könnte ja noch etwas sein. Das gibt diese englische Wendung aber nicht her. Sowohl most als auch fully sind Maximalbegriffe.
Ich würde "most fully" eigentlich schon als "am umfassendsten"/"am vollständigsten übersetzen.
Benedikt hat geschrieben:
Wir betreiben, im Gegensatz zum Westen (und hier seid ihr legitime 'Kindeskinder' der Römer), eine sog. apophatische Theologie. Will sagen, eine, die eher mit Negativbegriffen als mit Positiven arbeitet.
Aber wenn man etwas verneint, sagt man doch gleichzeitig das Gegenteil positiv aus.
Benedikt hat geschrieben:
Einer, die fordert, dass der Erkennende SICH verändern muss, will er zu Gottes Erleben aufsteigen, nicht die 'richtige' Formel in einer Schrift finden.
Wir glauben eben, dass die Bibel nicht nur "Formeln" enthält, sondern Kraft hat "dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist."
Benedikt hat geschrieben:
Und schon mal gar nicht in Form von festgelegten/festlegenden Sätzen aus einem Buch. Gott ist grösser als jedes Buch und als jeder Erkenntnissatz und passt nicht zwischen zwei Buchdeckel. Was nicht heisst, dass wir das Galubensbekenntnis nicht aus der Schrift begründen würden.
Wir würden eher sagen: Gott offenbart Sich in Seiner Kirche. In Seinen Heiligen, im Reden der Kirche, usw. Und das nicht, weil wir sooo toll sind, die wir Teil dieser Kirche sind, sondern weil Jesus der Christus, die Zweite Hypostase (also Gott), das Haupt dieser Kirche ist und die Dritte Hypostase (also Gott) darin wirksam, Kirche also daher heilig (weil Gott) ist.
Aus diesem Gedanken heraus sehen wir auch nicht die zweite oder auch die dritte Hypostase als 'persönlich zur Verfügung stehende' Hantierungsmasse an. Weder ist Jesus für mich ganz persönlich gekommen noch ist mir persönlich der Heilige Geist gegeben. Beides wird mir als Glied der Kirche zuteil.
Wir lesen das 'ihr' und 'euch' nicht als additives 'du', das auf diese Weise zum Plural wird; also: Paul und Susi und Klaus und ... sind mehrere, spreche ich also als 'Ihr' an. Wobei die Individualität gewahrt bleibt.
Wir lesen: 'Ihr' ist Kirche, ist Leib , und die einzelnen Glieder dieser Kirche/dieses Leibes heissen Paul, Susi, Klaus etc.
Wir befinden uns da in der Tradition eines Paulus (die Sache mit den leidenden Gliedern am Leib usw), ihr euch eher in der Tradition der Aufklärung.
Wir sind auch nicht alleine Christen, sondern zusammen in der Gemeinde, die für uns mehr ist als ein Verein, oder eine zufällige Ansammlung von Leuten. Übrigens ist der Baptismus vor gut 400 Jahren entstanden, also älter als die Aufklärung.
Benedikt hat geschrieben:
zu 2. "Ich bin der 'Ich bin'"
zu 3. Gott ist der immer Andere. Würde ich ihn festlegen, dann gäbe es etwas, was 'nicht-Gott' ist. Und was sollte das sein? Ist Gott begrenzbar?
Hierzu schreibt C.S. Lewis in "Pardon, ich bin Christ" (auf Englisch "Mere Christianity"):
Lewis hat geschrieben:
Wer den Unterschied zwischen Gut und Böse nicht sehr ernst nimmt, kann leicht sagen, alles sei ein Teil von Gott. Wer aber manche Dinge für wirklich schlecht hält, Gott dagegen für wirklich gut, muss anderer Meinung sein. [...] Stellt man einen Pantheisten vor einen Krebskranken oder ein Elendsviertel, so sagt er unter Umständen: "Wenn Sie dies nur aus der göttlichen Perspektive sehen könnten, würden Sie begreifen, auch dies ist Gott." Worauf ihm der Christ antwortet: "Reden Sie keinen solch verdammten Unsinn!"
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wobei er anmerkt, dass er den "verdammten Unsinn" wörtlich meint, also als Unsinn, der unter dem Fluch Gottes steht.
Benedikt hat geschrieben:
zu 3. Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken. Nur der Heilige Geist hat Gottes Gedanken erkannt usw.
1. Korinther 2,10 hat geschrieben:Uns aber hat Gott es offenbart durch den Geist, denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes.
Benedikt hat geschrieben:
Du siehst, die Bibel ist für uns zentral, nicht aber ausschliesslich.
Für uns ist sie eben
die Richtschnur, an der sich alles messen lassen muss.
Liebe Grüße,
Son