Hallo an alle und ein gesegnetes Weihnachtsfest!
Ich würde diesen Thread gerne auffrischen, wenn auch vielleicht etwas abgewandelt - und zwar geht es mir nicht um "totale Materialisten" (im Sinne von "ich glaube an nichts Gesitiges/Geistliches/Übersinnliches, weil es das nicht gibt, Punkt!"), sondern eher um Menschen, die durchaus für die Existenz Gottes oder einer "höheren Macht" offen sind, aber halt nicht eindeutig christlich. Z.B. mein Mann - er ist vom Denken eher rational, wissenschaftlich ausgerichtet, hat einen technischen Beruf, Hochschulbildung, ebenfalls technisch. Wir leben in einem sehr "atheistischen/agnostischen" (postkommunistischen) Land, wo die meisten nicht getauft sind. Mein Mann ist aber kein Materialist, sondern macht sich durchaus Gedanken über vieles "zwischen Himmel und Erde". Ich würde sogar sagen, er ist mittlerweile viel weniger skeptisch-ablehnend gegenüber Religion und Christentum, als er es wohl mal war. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass er durch meine Beschäftigung und Annäherung an die Orthodoxie und durch unsere Griechenlandaufenthalte ud Freunde dort da ebenfalls einen etwas anderen, positiveren Zugang gefunden hat... was mich natürlich freut.
ABER - es gibt Dinge, die ihn trotz allem "am Christentum irritieren". Heute hatten wir eine interessante Diskussion beim Christbaumschmücken und Musikhören

, wo es um Christi Geburt und das ganze "Drumherum" ging - eigentlich ja ein super passendes Thema für Heiligabend :-)! Er meinte, ihn würde schon immer stören, dass von "der Kirche" (meint er die RKK?) immer die "heilige Familie" so als Vorbild hingestellt würde und man auf der klassischen Familie ein Dogma macht - und dabei war ja schon die "heilige Familie" ja eigentlich sowas wie Patchwork, "mit dem armen Josef so komisch aussen vor" und überhaupt... nix mit klassisch "Vater-Mutter-Kind". Ich versuchte ihm zu erklären, dass Josef ja eher sowas wie der ältere Beschützer von Maria war, da sie sehr jung ihre Eltern verloren hatte und dann halt Josef als quasi "Verlobte" anvertraut wurde, und dass er ja auch auf den Ikonen immer etwas zwiegespalten dargestellt wird - einerseits zu Maria und dem kleinen Jesus hält und sie beschützt, und andererseits von Zweifeln geplagt wird, ob das denn so alles mit rechten Dingen zugegangen sein kann...
Mein Mann meinte dann, OK, aber dann sollte man das auch so darstellen, und nicht einen auf "heilige Familie" machen, die allen als Vorbild hingestellt wird, aber es ja eigentlich gar nicht war. Was würdet ihr da entgegnen? Die orthodoxe Kirche stellt es doch so dar - oder?
Er meinte auch, warum sollte man z.B. gegen gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften wettern - wenn es gute und anständige Menschen sind, könnten sie doch u.U. besser Kinder erziehen, als irgendein asoziales Frau-Mann-Paar (jetzt als Extremfall gedacht)... Das hab ich ja früher auch immer gesagt, und jetzt? OK, es wird in der Bibel als Sünde dargestellt, das stimmt. Aber was wenn es eher einfach damals "tabu" war und ursprünglich keinen christlichen Hintergrund hatte?
Ich habe dann allgemein etwas von dem gesagt, was ich über das orthodoxe Verständnis von Liebe und Ehe weiss bzw. gelesen habe - und damit hatte er dann kein Problem. (Er hat sogar irgendwann mal was in die Richtung gesagt wie der Hl.Apostel Paulus, also im Sinne "sein Körper gehöre mir als seiner Frau nd nur mir" (und andersrum entsprechend auch), das fand ich interessant :-)!) Wobei wir ja "nur" standesamtlich verheiratet sind - was ich gern mit der Zeit anders hätte, aber hm... mal sehen.
Auch meint er, als wir über das ewige Leben sprachen (sowas sagte er auch früher schon mal), dass er sich das eher nicht in dem Sinne vorstellen kann, sondern eher meint, dass wir in den Gedanken und evvtl. auch Taten anderer Menschen weiterleben. Und dass wir vielleicht in eine "überirdische" Sphäre übergehen, in Form irgendwelcher Energie, und aus dieser Sphäre gehen dann wieder neue Menschen hervor, die geboren werden... eine Art "Recyling" quasi. Das ist seine selbstgemachte Vorstellung - im Prinzip ja schon, dass das Leben von Gott kommt und wiieder zu Gott geht - aber halt "recycelt wird", das ist wohl bei ihm der UNterscheid. Er lehnt also nicht die Existenz von etwas Unsichtbarem, einer "anderen Sphäre" also solcher ab.
Aber zur christlichen Vorstellung vom ewigen Leben sagt er, dann müssten sich ja schon seit Jahrtausenden die verstorbenen Menschen/Seelen dort (im Paradies/Himmel) "häufen/sammeln", und das sei unlogisch, denn irgendwann müsste es dort ja total überfüllt sein! Klar hört sich das jetzt platt an

, aber ich verstehe schon die Überlegung. Was antwortet ihr auf so etwas?
Auch sagt er, dass es seiner Ansicht bestimmt verschiedene richtige Wege gibt, nicht nur den einen. Und wer sagt uns, dass wir mehr recht haben als z.B. ein Buddhist, Hinduist etc.? Klar gibt es Buddhisten, die sich taufen lassen und Christen werden - aber eben auch umgekehrt.
Was sagt man darauf? Klar sage ich, dass es uns nicht obliegt zu urteilen, wer auf welchen Wegen zum Heil kommt und wen Gott errettet, auch wenn er nicht in der Kirche ist. Aber dass halt der Weg der Orthodoxie ein recht sicherer Weg ist, da es dazu viele Quellen und Materialien gibt, mal platt gesagt. So änlich formulierte das mal ein orthodoxer Priester, den ich hier kennengelernt habe. Er sagte ungefäht: "Wir sagen nicht, dass unser Weg der einzige zu Gott und zum ewigen Leben ist, es mag auch andere geben, das weiss nur Gott. Wir sagen nur, dass unser Weg sich quasi bewährt hat, dass es ein sicherer und gut beleuchteter Weg ist." So ungefähr...
Auch sieht mein Mann alles "Institutionalisierte" recht kritisch, gerade was Kirche betrifft (das seh ich teilweise ähnlich): D.h. wenn Kirche z.B. mit dem Staat "verflochten" ist oder zu sehr versucht, das öffentliche Leben zu beeinflussen. Er meint, es soll Privatsache jedes einzelnen sei, die respektiert werden muss, aber auch niemandem aufgedrängt werden darf. Das hätte ich vor kurzem noch so unterschrieben, und das mit dem Nichtaufdrängen seh ich natürlich immer noch so. Den Glauben darf man nie mit Zwang und Gewalt verbreiten, klar. Aber das mit der Privatsache... hm, die Frage ist wie man das versteht, oder?
Habr ihr Erfahrungen mit ähnlichen Diskussionen? Wie agiert ihr da? Wohlgemerkt, es geht NICHT um jemanden, der "gegen alles" ist, was Glauben, Religion und Kirche angeht - aber doch recht kritisch.
Danke und nochmals schöne Weihnachten für alle!!! Gruss, M.