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Was antwortet man Materialisten?

Verfasst: 12.04.2007, 17:56
von IoannesProselytos
Eine mir persönliche sehr, sehr wichtige Frage: Was antwortet man als (orthodoxer) Christ Materialisten? :?:

D. h. wirklichen Materialisten, die die Existenz des Geistigen nicht anerkennen, geschweige denn das Christentum, das sie nur als eine Erfindung irgendwelcher schlauen (oder auch verrückten) Männer abtun, die sich bereichern wollten o. ä.?

Ich finde, gerade das ist in unserer Zeit und in den westlichen Gesellschaften (bzw. kann man in Westeuropa und Amerika ja schon beinahe von einer Einheitsgesellschaft sprechen, zumindest geht die Tendenz sicherlich dorthin) eine sehr wichtige Frage, die wir uns stellen und antworten dazu finden sollten, für uns selbst, für unsere Nächsten und auch für Gott. Wir müssen (oder werden in Zukunft noch verstärkt) dem tagtäglich begegnen und uns dieser, durchaus antichristlichen, Sichtweise auch entgegenstellen.

Verfasst: 13.04.2007, 09:02
von Sebastian
Lieber Ioannes !

Langsam drängt sich mir der Verdacht auf - beim Lesen deiner Beiträge - als siehest du dich selber unmittelbar in immer wieder kehrenden, ausweglosen Disskusionen. In einer sich jedem rechtfertigenden Position. Laß mich dir als ehemaliger "Konvertit" (-ich mag ehrlich
gesagt diesen protestantisch geprägten Terminus nicht sonderlich sehr) aus meiner Erfahrung berichten:

Durchaus verstehe ich die Angst, die man als "Übertreter" zur authentischen Überlieferung hat, vor Gesprächen
indenen man argumentieren, oder gar sich rechtfertigen muss. Die Angst davor argumentativ in die Enge getrieben zu werden. Doch kann ich dir sagen, dass diese Gespräche äusserst selten sind, zudem es an Dir
liegt, ob Du solche Gespräche überhaupt erst zulässt!
(so du denn dich unsicher im Gespräch fühlst)
Gerade bei Verwandten und Familie habe ich erfahren, dass aus der Liebe herraus, die man mir entgegenbrachte (bringt),
wenn nicht Verständnis so doch Respekt vor meiner Glaubensentscheidung Stück für Stück entstand.

Was nun die sog. Materialisten betrifft so kann ich mich nur wiederholen; es liegt an dir, ob du solche Disskusionen zulässt geschweige denn brauchst. Der Herr selbst weist klar auf: "Wer Ohren hat, der höre". Nun manche sind aber taub für die frohe und freimachende Botschaft Christi.

Österliche Grüße

Sebastian - Stephanus

Verfasst: 13.04.2007, 17:22
von IoannesProselytos
Lieber Sebastian!

Ich sehe, du hast anscheinend nie mit Nihilisten/Materialisten unter einem Dach gelebt und hast dich in einer Situation befunden, in der du diese Gespräche nicht führen musstest - das liegt hier sehr anders! Außerdem befandest du dich anscheinend wirklich in einer guten Situation, wenn du Folgendes schreibst:
Gerade bei Verwandten und Familie habe ich erfahren, dass aus der Liebe herraus, die man mir entgegenbrachte (bringt),
wenn nicht Verständnis so doch Respekt vor meiner Glaubensentscheidung Stück für Stück entstand.
Lieber Sebastian, das ist bei mir nicht so! Es ist ja auch nicht so, dass ich aus Jux und Tollerei frage, sondern weil ich wirklich dahingehend Unterstützung notwendig habe!

Verfasst: 13.04.2007, 21:32
von theofan
Guten Abend, Ioannes,

das Problem kenne ich auch - und mittlerweile teile ich die ent-täuschende Sichtweise von Sebastian.

Es ist völlig unmöglich, auf überzeugte Atheisten anders zu wirken als durch ganzes Christsein.
Man wirkt übrigens nicht nur durch Worte (fast nie, würde ich sagen), sondern auch und viel mehr durch Verhalten und Lebensführung - die sich ja unter dem Einfluss des Heiligen Geistes irgendwie ändern sollten. Das sehen auch andere.
Und auch eine Abwendung anderer von dir ist eine Reaktion. Es ist eine Verdrängung, ein Davonlaufen - aber die wesentliche Information, dein Beispiel, haben sie mitgenommen. Den Rest überlasse Gott.

Jede Diskussion ist sinnlos, weil ein "Überzeugter" Atheist genauso "glaubt" wie du. Und genauso wenig, wie du bereit bist, in einer solchen Diskussion deinen Glauben zu opfern, genauso ist es auch dein Gegenüber.

Dann gibt es aber noch Menschen, deren Seele eigentlich zu Gott will, denen es aber der Verstand nicht zugibt. So einer war ich auch mal. Mir persönlich hat die Beschäftigung mit Psychologie (Jung) "geholfen". Ein anderer mag über Musik und Kunst einen Zugang finden. (Ich wage sogar die subjektive Behauptung, dass eine vorübergehende Beschäftigung mit nichtchristlicher östlicher Religiosität ein Zugang sein kann. Die Seele ist von Natur Christin und wirds schon richten. Und du bist ja auch noch in der Nähe.) Oder die Frage nach dem Sinn des Lebens (aber nicht bei Radikalatheisten!).

Gruß
hans-Peter

Verfasst: 13.04.2007, 23:05
von protopeter
Lieber Ioannes !

Ich möchte mich vor allem den Ausführungen von Br. Hans-Peter anschließen: Einzig das lebendige Zeugnis christlicher Lebenshaltung - die orthopraxia - kann als überzeugendes Mittel dienlich sein. Ein diesbezüglich weltanschauliches Disputieren halte ich weitgehend für sinnlos und keinesfalls zielführend.

Ausgehend von der orthodoxen Weltsicht der All-Einheit des Seins sollte man im Alltag auch entsprechende Werte zu vermitteln versuchen - die in den Gedankenkonstrukten und Ideologien der Moderne und Postmoderne vermittelten Konzepte geben mehr als deutlich Zeugnis vom Verlust des inneren Gleichgewichtes und einer grenzenlosen Indifferenz. Demgegenüber sollte das Bewußtsein der gottmenschlichen Erlösungswahrheit das Denken und Handeln in grundsätzlicher Wesie prägen - gerade auch um umfassender Glaubwürdigkeit den Weg zu bereiten.

Mit österlichen Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter

Verfasst: 14.04.2007, 10:31
von IoannesProselytos
Ehrlich gesagt geht es mir auch nicht unbedingt ums Überzeugen, sondern einfach, was man solchen Worten im Gespräch antworten kann, die so etwas wie die geistige Dimension nicht anerkennen, alles aus der Vererbung herleiten etc.

Auch ist mein Fall hier schon der eines "Radikalatheisten u. -materialisten". Dinge wie die Frage nach dem Sinn usw. prallen absolut ab, da der einzige Sinn dieses Menschen er selbst und sonst nichts ist. Also wirklich eine extreme Form des "In-sich-selbst-verkrümmt-seins", wenn ich das einmal so sagen kann.

Vielleicht hätte ich besser fragen sollen, wie soll man sich gegenüber verhalten, doch das steht in den Evangelien und da müsste ich gar nicht fragen. Also läuft es wohl eher auf Unterstützungssuche hinaus, auch (oder gerade auch) auf intellektuelle ...

Verfasst: 15.04.2007, 16:23
von theofan
Armer Ioannes,

intellektuell kannst du höchstens einen Waffenstillstand vereinbaren. Eine gute Basis liefert Kant, wenn ihr euch auf den einigen könnt, sollten die meisten Diskussionen beendet sein.
Erkläre deinem Gegenüber, du habest die Existenz Gottes aus ethischen Gründen postuliert, ebenso den Begriff der Freiheit. Aus Gründen der praktischen Vernunft, nicht des Verstandes.

Das funktioniert aber nur, wenn ihr zufällig beide Philosophen seid. Ansonsten musst du halt mit dem Vorwurf leben, dass du noch im Mittelalter lebst. Nimms als geistige Übung, die dir hilft, deine Eigenliebe zu überwinden. :idea:

Gesegneten Sonntag
Hans-Peter

http://www.textlog.de/kant.html

Verfasst: 15.04.2007, 21:56
von Jeremias
Lieber Ioannes,
meine meisten Diskussionen sind mit Leuten, die mehr oder weniger aus der Richtung kommen. Ich lasse mich auch immer wieder verleiten, es aufs Neue mit denen auszufechten, die das Geistige leugnen.
Aber für mich selber habe ich längst folgendes Fazit gezogen: Es gibt die, die nicht die Ohren zu hören und die Augen zu sehen haben. Unsere Aufgabe ist nur, nach unserem besten Gewissen als Christen in der Welt zu stehen. Ob wir Erfolg bei unseren Versuchen haben, denn anderen die Offenbarung zu vermitteln oder nicht, ist unwichtig, wichtig ist, dass du reinen Herzens den Versuch unternommen hast.
Der beste Missionierungsversuch ist "Seht, wie sie einander lieben". Zeige diesen Leuten, wie stark DU im Glauben bist und was für eine Sicherheit der Glaube an Gott mit sich bringt. Denn viele dieser suchen irgendetwas und sind verzweifelt. Und nur, wenn man im richtigen Moment als seriöser Gesprächspartner zur Verfügung steht, kann man sie auf den richtigen Weg zurückbringen.
Falls all diese Tips nicht helfen, dann verzweifele nicht, denn nicht jeder ist zum Diskutanten geboren. Unsere Mönche ziehen sich z.T. auch aus der Welt zurück, weil sie nicht in Versuchung gebracht werden wollen. Dieses Vorbild kann für dich vielleicht auch ein gutes sein.

Übrigens: Wenn sie mit naturwissenschaftlichen Argumenten kommen (was meiner Erfahrung nach häufiger vorkommt), dann bitte ich dich - sofern du sie nicht schon selber beantworten kannst - stelle sie hier ins Forum oder schicke sie mir per PN, als Physik/Chemie-Student helfe ich gerne weiter.

MfG, BlackandGold

Verfasst: 23.04.2007, 19:20
von IoannesProselytos
Unsere Mönche ziehen sich z.T. auch aus der Welt zurück, weil sie nicht in Versuchung gebracht werden wollen. Dieses Vorbild kann für dich vielleicht auch ein gutes sein.
Ja, ja, sehr richtig, wirklich.
Übrigens: Wenn sie mit naturwissenschaftlichen Argumenten kommen (was meiner Erfahrung nach häufiger vorkommt), dann bitte ich dich - sofern du sie nicht schon selber beantworten kannst - stelle sie hier ins Forum oder schicke sie mir per PN, als Physik/Chemie-Student helfe ich gerne weiter.
Danke, das werde ich machen! Das dürfte tatsächlich eine große Hilfe sein.

Verfasst: 20.05.2007, 10:06
von Petra1
Ich wollte mich auch gern mit Menschen austauschen welche in den orth. Glauben "hineingeboren" wurden. Das Thema habe ich in einem griechischen Forum angeregt. Nach einigem hin und her wurde das Thema Theologie in den Bereich "Götterwelt" verschoben. Unglaublich. In einem anderen gr. Forum wird dieses Thema jedoch so behandelt wie ich es mir vorstelle.

Einen schönen Sonntag und
Gottes Segen wünscht Euch

Petra

Verfasst: 20.06.2007, 19:26
von Marypoppins
Hallo IoannesProselytos,

wenn ich mit jemand über Gott reden soll, der glaubt nie eine "Gotteserfahrung" gemacht zu haben und Gottes Existens leugnet, versuche ich das Gespräch auf eine andere Ebene zu bringen, zu der Beide Zugangsmöglichkeiten, bzw. Lebenserfahrungen haben.


Das Beispiel einer Ehe oder Liebesbeziehung eignet sich meines Erachtens
ganz gut dazu:

Ein Mensch, der in seiner Umgebung keine guten Ehe-oder Liebesbeziehungen wahrnimmt, wird keine große Lust haben zu heiraten.
Es gibt genug Leute, die dann erklären : Es gibt keine Liebe.

Es gibt nur die Hormone oder die Eltern -Kind -Bindung u.sw.

Das tun sie solange bis es sie eiskalt erwischt und sie sich verlieben,
und erfahren daß es , ohne das es dafür Beweise gibt sich eine Art Glaubensgewissheit einstellt.

Man kann nicht beweisen daß man geliebt wird, aber es gibt Signale die vermittelt werden, die man unbewußt versteht, und aus denen heraus man das Vertrauen in die Beziehung entwickeln kann.

Es gibt soviel verschiedene "Liebesgeschichten" mit Gott, wie es Menschen gibt.

Wir können höchstens die "Bekanntschaft" herstellen.
"Verlieben müssen sich die die menschlichen Partner schon selber."

Es fragt sich nur, ob unser Leben in den Augen der Anderen nachahmenswert ist.

Sind wir denn in den Augen der Anderen so erlöst oder glücklich, wie wir es laut Lippenbekenntnis sein sollten?

Aber verliehr den Mut nicht. Der Hauptakteur dabei ist Gott - und ich vertraue darauf, daß der jeden einmal erwischt.

Besten Gruß
Mary

Verfasst: 22.07.2007, 20:19
von erbreich
Lieber Ioannes Proselytos

Was antwortet man Materialisten?...

Man könnte beispielsweise versuchen zu erklären, inwiefern Christen die einzig wahren Materialisten sind (statt sich gegen 'Materialismus' zu stellen). Bischof Kallistos Ware schreibt in seinem überaus wertvollen Buch 'Aufstieg zu Gott' (ich muss ein wenig ausholen):

"Da er am Bereich des Geistigen ebenso teilhat wie am Bereich des Stofflichen, ist der Mensch ein Abbild oder Spiegel der gesamten Schöpfung (imago mundi), ein All im Kleinen, ein Mikrokosmos. Alle geschaffenen Dinge treffen in ihm zusammen.

Als Mikrokosmos ist der Mensch auch Vermittler. Es ist ihm von Gott aufgetragen, das Geistige mit dem Stofflichen in Einklang, zur Einheit zu bringen, den Stoff zu vergeistigen und die verborgenen Möglichkeiten des Geschöpflichen offenbar werden zu lassen...

Der Mensch ist nur darum fähig, diese Mittlerrolle auszuüben, weil seine Natur grundsätzlich und wesenhaft eine Einheit ist. Wäre er nur eine Seele, die vorübergehend in einem Leib wohnt, wie es sich viele der griechischen und indischen Philosophen vorstellten, dann wäre sein Leib nicht Teil seines wahren Selbst, sondern nur ein Kleid, das er einmal ablegen wird, oder ein Gefängnis, dem er zu entkommen strebt, dann könnte der Mensch nicht wahrhaft als Mittler wirken. Der Mensch vergeistigt die Schöpfung, vor allem indem er seinen eigenen Leib vergeistigt und ihn Gott darbringt. 'Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch wohnt?' schreibt Paulus (1.Kor 6,19-20), so 'ehrt Gott mit eurem Leib.' Und: 'So mahne ich euch, Brüder, bei dem Erbarmen Gottes, bringt euren Leib als lebendige, heilige, Gott wohlgefällige Opfergabe dar, als euren geistigen Gottesdienst' (Röm 12,1). Aber wenn der Mensch seinen Leib 'vergeistigt', entmaterialisiert er ihn damit nicht, im Gegenteil. Der Mensch ist berufen, das Geistige im Materiellen und durch das Materielle kundzutun. In diesem Sinne sind Christen die einzigen wahren Materialisten. So ist der Leib Wesensteil der menschlichen Person. Die Trennung von Leib und Seele im Tod ist unnatürlich, sie steht Gottes ursprünglicher Absicht entgegen und ist Folge des Sündenfalles. Auch ist diese Trennung nur vorübergehend: Wir erwarten jenseits des Todes die Auferstehung am Jüngsten Tage, an dem Leib und Seele wieder vereinigt werden." (Zitat Ende)

Ein Materialist, der nur an diese eine Welt glaubt, zeigt damit seine Sehnsucht nach der Ganzheit der Schöpfung, nach der Einheit des Lebens. Diese war ja auch einmal gegeben und wird dereinst wieder sein. Leider erkennt er in dieser seiner Sicht aber nicht die Gefallenheit der Schöpfung und somit auch nicht die Notwendigkeit der Errettung und Erneuerung.

Im Gespräch aber dürfte es wertvoll sein, sich nicht gegen den 'Materialismus' auszusprechen, sondern vielmehr - wie Kallistos Ware - den 'Altar des unbekannten Gottes' innerhalb des Materialismus zu finden und von diesem ausgehend zu argumentieren. Paulus in Athen ist hierbei ein wunderbares Vorbild:

Apg 17,23
Denn als ich umherging und eure Heiligtümer besichtigte, fand ich auch einen Altar, an welchem geschrieben stand: «Dem unbekannten Gott.» Was ihr nun verehret, ohne es zu kennen, das verkündige ich euch.


Gruss, erbreich

Verfasst: 22.07.2007, 20:31
von erbreich
Hallo Marypoppins
Marypoppins hat geschrieben: Es fragt sich nur, ob unser Leben in den Augen der Anderen nachahmenswert ist.
Sind wir denn in den Augen der Anderen so erlöst oder glücklich, wie wir es laut Lippenbekenntnis sein sollten?
Da sagst Du etwas überaus Wesentliches! Alexander Schmemann schreibt (ich zitiere wieder aus "Der Aufstieg zu Gott" von Kallistos Ware:

"Von Anfang an war das Christentum dei Verkündigung von Freude, der einzig möglichen Freude auf Erden... Ohne die Verkündigung dieser Freude ist das Christentum unverständlich. Nur als Freude war die Kirche siegreich in der Welt, und sie verlor die Welt, als sie die Freude verlor, als sie aufhörte, Zeugin der Freude zu sein. Von alledem, dessen christen angeklagt wurden, ist die Anklage Nietzsches die schrecklichste, wenn er sagt, Christen wären ohne Freude... 'Ich verkündige euch grosse Freude', steht am Anfang des Evangeliums, und am Ende: 'Sie kehrten nach Jerusalem zurück in grosser Freude' (Lk 2,10; 24,52). Wir müssen den Sinn dieser grossen Freude neu entdecken."

...und diese Freude leben!
Die Auferstehungs-Freude und -Vorfreude leben!

:D :idea: :lol: :o :) :D :idea: :D :!: :lol: 8) :D :idea: :D :lol:

Gruss, erbreich

Re: Was antwortet man Materialisten?

Verfasst: 24.12.2013, 15:31
von MariaM
Hallo an alle und ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Ich würde diesen Thread gerne auffrischen, wenn auch vielleicht etwas abgewandelt - und zwar geht es mir nicht um "totale Materialisten" (im Sinne von "ich glaube an nichts Gesitiges/Geistliches/Übersinnliches, weil es das nicht gibt, Punkt!"), sondern eher um Menschen, die durchaus für die Existenz Gottes oder einer "höheren Macht" offen sind, aber halt nicht eindeutig christlich. Z.B. mein Mann - er ist vom Denken eher rational, wissenschaftlich ausgerichtet, hat einen technischen Beruf, Hochschulbildung, ebenfalls technisch. Wir leben in einem sehr "atheistischen/agnostischen" (postkommunistischen) Land, wo die meisten nicht getauft sind. Mein Mann ist aber kein Materialist, sondern macht sich durchaus Gedanken über vieles "zwischen Himmel und Erde". Ich würde sogar sagen, er ist mittlerweile viel weniger skeptisch-ablehnend gegenüber Religion und Christentum, als er es wohl mal war. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass er durch meine Beschäftigung und Annäherung an die Orthodoxie und durch unsere Griechenlandaufenthalte ud Freunde dort da ebenfalls einen etwas anderen, positiveren Zugang gefunden hat... was mich natürlich freut.

ABER - es gibt Dinge, die ihn trotz allem "am Christentum irritieren". Heute hatten wir eine interessante Diskussion beim Christbaumschmücken und Musikhören ;-), wo es um Christi Geburt und das ganze "Drumherum" ging - eigentlich ja ein super passendes Thema für Heiligabend :-)! Er meinte, ihn würde schon immer stören, dass von "der Kirche" (meint er die RKK?) immer die "heilige Familie" so als Vorbild hingestellt würde und man auf der klassischen Familie ein Dogma macht - und dabei war ja schon die "heilige Familie" ja eigentlich sowas wie Patchwork, "mit dem armen Josef so komisch aussen vor" und überhaupt... nix mit klassisch "Vater-Mutter-Kind". Ich versuchte ihm zu erklären, dass Josef ja eher sowas wie der ältere Beschützer von Maria war, da sie sehr jung ihre Eltern verloren hatte und dann halt Josef als quasi "Verlobte" anvertraut wurde, und dass er ja auch auf den Ikonen immer etwas zwiegespalten dargestellt wird - einerseits zu Maria und dem kleinen Jesus hält und sie beschützt, und andererseits von Zweifeln geplagt wird, ob das denn so alles mit rechten Dingen zugegangen sein kann...

Mein Mann meinte dann, OK, aber dann sollte man das auch so darstellen, und nicht einen auf "heilige Familie" machen, die allen als Vorbild hingestellt wird, aber es ja eigentlich gar nicht war. Was würdet ihr da entgegnen? Die orthodoxe Kirche stellt es doch so dar - oder?

Er meinte auch, warum sollte man z.B. gegen gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften wettern - wenn es gute und anständige Menschen sind, könnten sie doch u.U. besser Kinder erziehen, als irgendein asoziales Frau-Mann-Paar (jetzt als Extremfall gedacht)... Das hab ich ja früher auch immer gesagt, und jetzt? OK, es wird in der Bibel als Sünde dargestellt, das stimmt. Aber was wenn es eher einfach damals "tabu" war und ursprünglich keinen christlichen Hintergrund hatte?

Ich habe dann allgemein etwas von dem gesagt, was ich über das orthodoxe Verständnis von Liebe und Ehe weiss bzw. gelesen habe - und damit hatte er dann kein Problem. (Er hat sogar irgendwann mal was in die Richtung gesagt wie der Hl.Apostel Paulus, also im Sinne "sein Körper gehöre mir als seiner Frau nd nur mir" (und andersrum entsprechend auch), das fand ich interessant :-)!) Wobei wir ja "nur" standesamtlich verheiratet sind - was ich gern mit der Zeit anders hätte, aber hm... mal sehen.

Auch meint er, als wir über das ewige Leben sprachen (sowas sagte er auch früher schon mal), dass er sich das eher nicht in dem Sinne vorstellen kann, sondern eher meint, dass wir in den Gedanken und evvtl. auch Taten anderer Menschen weiterleben. Und dass wir vielleicht in eine "überirdische" Sphäre übergehen, in Form irgendwelcher Energie, und aus dieser Sphäre gehen dann wieder neue Menschen hervor, die geboren werden... eine Art "Recyling" quasi. Das ist seine selbstgemachte Vorstellung - im Prinzip ja schon, dass das Leben von Gott kommt und wiieder zu Gott geht - aber halt "recycelt wird", das ist wohl bei ihm der UNterscheid. Er lehnt also nicht die Existenz von etwas Unsichtbarem, einer "anderen Sphäre" also solcher ab.

Aber zur christlichen Vorstellung vom ewigen Leben sagt er, dann müssten sich ja schon seit Jahrtausenden die verstorbenen Menschen/Seelen dort (im Paradies/Himmel) "häufen/sammeln", und das sei unlogisch, denn irgendwann müsste es dort ja total überfüllt sein! Klar hört sich das jetzt platt an ;-), aber ich verstehe schon die Überlegung. Was antwortet ihr auf so etwas?

Auch sagt er, dass es seiner Ansicht bestimmt verschiedene richtige Wege gibt, nicht nur den einen. Und wer sagt uns, dass wir mehr recht haben als z.B. ein Buddhist, Hinduist etc.? Klar gibt es Buddhisten, die sich taufen lassen und Christen werden - aber eben auch umgekehrt.

Was sagt man darauf? Klar sage ich, dass es uns nicht obliegt zu urteilen, wer auf welchen Wegen zum Heil kommt und wen Gott errettet, auch wenn er nicht in der Kirche ist. Aber dass halt der Weg der Orthodoxie ein recht sicherer Weg ist, da es dazu viele Quellen und Materialien gibt, mal platt gesagt. So änlich formulierte das mal ein orthodoxer Priester, den ich hier kennengelernt habe. Er sagte ungefäht: "Wir sagen nicht, dass unser Weg der einzige zu Gott und zum ewigen Leben ist, es mag auch andere geben, das weiss nur Gott. Wir sagen nur, dass unser Weg sich quasi bewährt hat, dass es ein sicherer und gut beleuchteter Weg ist." So ungefähr...

Auch sieht mein Mann alles "Institutionalisierte" recht kritisch, gerade was Kirche betrifft (das seh ich teilweise ähnlich): D.h. wenn Kirche z.B. mit dem Staat "verflochten" ist oder zu sehr versucht, das öffentliche Leben zu beeinflussen. Er meint, es soll Privatsache jedes einzelnen sei, die respektiert werden muss, aber auch niemandem aufgedrängt werden darf. Das hätte ich vor kurzem noch so unterschrieben, und das mit dem Nichtaufdrängen seh ich natürlich immer noch so. Den Glauben darf man nie mit Zwang und Gewalt verbreiten, klar. Aber das mit der Privatsache... hm, die Frage ist wie man das versteht, oder?

Habr ihr Erfahrungen mit ähnlichen Diskussionen? Wie agiert ihr da? Wohlgemerkt, es geht NICHT um jemanden, der "gegen alles" ist, was Glauben, Religion und Kirche angeht - aber doch recht kritisch.

Danke und nochmals schöne Weihnachten für alle!!! Gruss, M.

Weihnachtsgruss...

Verfasst: 24.12.2013, 15:58
von MariaM
Und hier noch ein Weihnachtsgruss an euch alle! :-) M.