Danke Songul,
du bist eine herzerfrischend klare Frau
Mirjam, ich habe nicht vor, Wasser in den Wein zu giessen, es ist nur so, dass ich dich ein wenig mit der theologischen Weise bekannt machen möchte, die in der Orthodoxie lebt.
Wir 'wissen' nicht wann sich die 'Wandlung' vollzieht, wir wissen nur, 'dass' sie geschieht, und das reicht. Wenn unsere Priester 'die Worte' sprechen, dann ist das ein lebendiger Vollzug. Die Epiklese wird an anderer Stelle als bei euch gesprochen und das beinhaltet, dass wir eigentlich kein 'Wissen' um das Wann haben. Das sind keine Fragen, die uns so sehr beschäftigen, wir sind dumm wie Kinder und glauben das *Dass*.
Ich schildere dir das, da ich es wichtig finde, dass du einen Grundzug orthodoxer Theologie kennenlernst und das ist die *Apophatie*. Das bezeichnet eine Theologie des 'Nicht-Wissens'. Wir können mit unserer Theologie nichts aussagen, was uns nicht offenbart ist. Das ist in allergrössten Teilen so, manchmal ist es etwas unscharf. Ein Beispiel: Wir glauben wie ihr, dass sich die Gottesgebärerin in der Gegenwart des Herrn befindet, wie ihr, aber am 15. August feiern wir nicht die Himmelfahrt Mariens sondern die Entschlafung der Gottesmutter. Auf unseren Ikonen zu diesem Tag siehst du Christus, der die Seele der Gottesgebärerin entgegennimmt (in Form einer Miniaturabbildung) aber sie ist nicht im Himmel. Es gibt bei uns kein Dogma, das die Himmelfahrt festlegt, aber es ist gelebter Glaube. Leider bin ich zu doof um dir hier eine Ikone reinzukopieren, aber bitte such mal danach.
Das, was Römer an uns so oft stört ist, dass wir so
schwammig sind aber das hat seinen Grund darin, dass bei uns kein philosophisches System existiert, das Schlussfolgerungen in der Reichweite zulässt, wie es bei euch 'möglich' ist. Es gab und gibt Strömungen innerhalb der Orthodoxie, die das wollen, aber sie setzen sich nicht durch. Das was bei uns zählt ist 'der Glaube der Väter', den wir unverfälscht weiterzugeben haben, nicht 'letzte' Erkenntnisse.
Und Ostern IST die Auferstehung. Wir feiern keinen 'Gedenkgottesdienst' an das Ereignis. Wenn du eine mitgefeiert hast dann wirst du mich besser verstehen... Die ver'wirklicht' sich. Und die Heiligen SIND mit in der Liturgie, wir gedenken ihrer nicht nur.
Versteh mich bitte recht. Vieles von dem, was ich sage würde sich sicherlich in einer klugen theologischen Schrift bei euch (und auch unwidersprochen) finden. Ich bin mit meiner Frau ca 20 Jahre lang (als Lutheraner) mit in römische Gottesdienste gegangen und habe das nur ein einziges Mal anders erlebt als äusserlich. Das war in einer Kirche in Giessen und heute weiss ich, dass in dieser Krypta eine Messfeier nach der alten vorkoziliaren Liturgie gefeiert wurde (ich erinnere mich noch sehr lebhaft an die Beschreibung der Hände Christi in die Er das Brot nahm).
Dies ist kein Bekehrungsversuch sondern nur eine Erzählung.
Gute Nacht
Benedikt