Thuja fragte:
Kann mir bitte jemand erklären, wieso auf manchen Heiligen-Ikonen, eben auch der hier gezeigten (u. a. beim Hl. Nikolaus, Wundertäter, ist mir das auch schon aufgefallen) nur die rechte Hand des/der Heiligen zu sehen ist, sei es in Segens-Geste oder irgendetwas haltend, aber die linke völlig verhüllt ist, als ob sie gar nicht vorhanden wäre?
Christus ist Auferstanden!
Lieb Thuja!
Während des Osterfestes habe ich mich auch einmal schlau gemacht und mein Verdacht hat sich bestätigt. Es handelt sich einfach um die Kleidermode der Spätantike. Wenn man sich mit einem großen Tuch hbedeckt -sei es als Mantel bei den Männern oder als Kopf-und Schultertuch bei den Frauen- dann soll es unter anderem auch schützen und wärmen. Und es wärmt einfach mehr, wenn die Brust bedeckt ist. (Das kann jeder leicht selber ausprobieren, wenn er morgens in die Bettedecke gehüllt zur Kaffeemaschiene geht.

)Weil die meisten Menschen Rechtshänder sind, läßt man halt die die Linke im Mantel. Wie man auf auf dem berühmten Mosaik in Ravenna sehen kann:
Übrigens: wenn einer der beiden Herren seinen Mantel so raffen täte, daß die linke Hand hervorkäme und der linke untere Zipfel die Brust herunterhängen würde, hätten wir in etwa die Grundform der röm. Kasel, beziehungsweise des Phelonions.
Was die erwähnte Ikone des heiligen Nikolaos betrifft, hatte er das Evangelium in der Hand?
In diesem Falle hat das eine etwas andere Bedeutung. Die Vorderseite des Phelonions war früher länger, wie man es auf den Ikonen der Kirchenväter sehen kann. Dieser Teil wurde auch dazu genutzt um die heiligen Geräte und das Evangelium zu halten. Damit drückt man seinen Respekt aus. Es ist der gleiche Brauch, wen die Gläubigen während der Osterprozession die Ikonen mit einem weißen Tuch tragen.
Meine Ausführungen schließen Igors Erklärung natürlich nicht aus.
Lazarus