Mirjanin hat geschrieben:Liebe Community,
bin kürzlich auf das Buch Enoch gestossen worden. Die Person, die es mir vorstellte, war seeeehr esoterisch angehaucht, was sofort die Alarmglocken losschlagen ließ. Laut ihr handle es sich um einen antiken, jüdischen Text, der zwischen 300 vor und 100 nach Christi Geburt entstanden sein soll. Laut dieser Person wird das Buch (H)enoch angeblich von den Äthiopiern als Teil des biblischen Kanons anerkannt. Und weil (O-Ton) "die ja auch Orthodoxe oder so sind" sei es für mich vielleicht auch interessant.
Wer hat weitere Informationen zum Inhalt und Status des Buchs in der Orthodoxie ?
Hallo,
ich habe das Buch Henoch schon mal gelesen! Es wird viel über die Engel geschrieben usw. Es gehört zu den Apokryphen und wurde gern gelesen - obwohl so wie alle anderen Apokryphen - mit Vorsicht. Ist eben keine "Heilige Schrift".
Aber es gibt jüdische Traditionen bezüglich der Engellehre usw wieder.
In der Bibel werden solche Bücher manchmal indirekt erwähnt bzw. daraus zitiert zB Brief des Judas:
Als der Erzengel Michael mit dem Teufel rechtete und über den Leichnam des Mose stritt, wagte er nicht, den Teufel zu lästern und zu verurteilen, sondern sagte: Der Herr weise dich in die Schranken.“
Es geht dabei um die jüdische Legende, dass die Dämonen mit dem Erzengel Michael um den Leichnam des Moses kämpften - eine alte jüdische Legende.
http://apokryphen.diebibel4you.de/henoch.html
INHALT:
Das Buch handelt einerseits von Henoch, der während seines irdischen Daseins in den Himmel entrückt wurde und dem so alle himmlischen und göttlichen Geheimnisse offenbart wurden, andererseits vom Fall der Engel.
Üblicherweise wird wie folgt gegliedert:
Einleitung (Kapitel 1–5)
Buch der Wächter (Kapitel 6–36)
Bildreden (Kapitel 37–71)
Astronomisches Buch (Kapitel 72–82)
Geschichtsbuch / Buch der Traumvisionen (Kapitel 83–90)
Erbauungsbuch / Mahnreden (Kapitel 91–108)
In der Einleitung wird Henoch als Prophet dargestellt, der eine Vision vom kommenden Gericht empfängt. Aus diesem Teil des Henochbuches (I,9) wird im Judasbrief zitiert.
Im Buch der Wächter wird zuerst erzählt, wie einige Engel um ihren Anführer Semjasa beschlossen hatten, auf der Erde Frauen zu nehmen (vgl. 1 Mos 6,1–4 ELB). Wie auch sonst in der Mythologie kann eine solche Vermischung zwischen der himmlischen und der irdischen Sphäre nicht gut ausgehen. Nachdem die Engel auf Erden sich beliebig Frauen genommen hatten, gebären diese daraufhin Riesen, welche die Erde verheeren. Dies löst bei Gott Zorn aus, so dass er die Engel aus dem Himmel verbannt und am Jüngsten Tag in einen Feuersee werfen will. Über die Erde wird Gott eine Sintflut ergehen lassen um die Riesen zu bekämpfen. Die Engel bitten Henoch, für sie durch eine Bittschrift bei Gott um Gnade zu flehen. Dieser Wunsch wird von Gott jedoch abgelehnt. Henoch muss danach wiederum als Bote fungieren und dieses den gestürzten Engeln mitteilen. Bei der anschließenden Himmelsreise Henochs wird ausführlich der Himmel und seine Umgebung geschildert, wo Henoch hin entrückt wurde. Es werden auch Hinweise auf einen Feuersee gezeigt, ein Motiv das dann in der Johannes-Offenbarung aufgenommen wird.
In den vermutlich später hinzugekommenen Bildreden wird viel vom Menschensohn gesprochen, unklar bleibt, ob damit der künftige Messias, den er an der rechten Seite des Thrones Gottes sieht, oder Henoch selbst gemeint ist.
Im sogenannten Astronomischen Buch wird von einer flachen Erde gesprochen, die auf Säulen ruht, der Mond und die Sonne finden sich an Fäden aufgehängt und kreisen um die Erde. Zwei Riesentiere, der Behemoth und der Leviathan, werden als männliches und weibliches Ungeheuer beschrieben, welche in der Wüste und im Meer leben.
Henoch kehrt noch einmal zur Erde zurück und erfährt in einem Traum, was seinem Enkel Noach widerfahren wird und wie dieser von der Sintflut errettet wird. In der sogenannten Tierapokalypse zeigt Gott dem bestürzten Henoch, was mit der Welt und dem Volk Israel bis zur Verbannung Judas nach Babylon passieren wird, dies alles symbolisch mit Tierbildern, dabei symbolisieren Schafe das Volk Israel. Den Traum erzählt er seinem Sohn Methusalem als Warnung. Schließlich wird er endgültig im Himmel aufgenommen.